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Klinikum Dortmund gGmbH | Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster
FOCUS - TOP Internationales Krankenhaus 2017

Westf. Krebszentrum: 70 Prozent der Leber entfernt

Während sich Prof. Schmeding, Klinikdirektor der Chirurgischen Klinik, über den OP-Tisch beugt und zum Schnitt ansetzt, weiß er, dass der Fall heikel ist. 70 Prozent der Leber müssen entfernt werden, um das Leben von Claudia Schubert (*) zu retten. Der Enddarm und die Leber der Patientin sind bereits von Krebsgeschwüren befallen. Zunächst gilt der Tumor als inoperabel – erst eine Chemotherapie von seinem Kollegen, Prof. Michael Heike, Klinikdirektor und Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hämatologie/Internistische Onkologie, ermöglicht den Eingriff. Das richtige Timing von der Chemotherapie und Chirurgie entscheidet. Gemeinsam können die Experten vom Westfälischen Krebszentrum des Klinikums Dortmund die Patientin von dem Tumorgewebe befreien.

Bei einer Routine-Untersuchung im Juli 2016 stellte Schuberts Frauenarzt Auffälligkeiten im Stuhlgang fest, die Patientin bleibt zunächst gelassen: „Mein Arzt hat mich beruhigt: Es könnte sich auch um Zysten oder Polypen handeln. Beschwerden hatte ich nicht, in meinem Leben hatte sich nichts verändert, also gab es keinen Grund zur Sorge“. Eine Darmspiegelung soll Entwarnung geben oder genauere Informationen liefern. Der schlimme Befund: Enddarmkrebs. Schubert wird zur weiteren Abklärung umgehend stationär ins Klinikum Dortmund aufgenommen.

 

Patientin wollte dem Feind ins Auge blicken

Eine Röntgen-Untersuchung macht sichtbar, dass nicht nur der Darm betroffen ist. In der Leber hatten sich bereits Metastasen gebildet. Zusätzlich wird ein Endoskop mit einer kleinen Kamera eingeführt, damit die Mediziner die Lage des Tumors exakt bestimmen können. „Dadurch konnte ich meinem Feind ins Auge blicken“, so Schubert. Der Krebs ist zu weit fortgeschritten, um direkt zu operieren. Zuerst erhält die Dortmunderin alle zwei Wochen eine systemische Chemotherapie. „Wir haben eine Kombination aus drei Medikamenten und einem Antikörper gewählt, der sich gegen die Bildung von Tumoren richtet“, sagt Prof. Heike. Das Ergebnis: Die Lebermetastasen haben sich verkleinert, der Darmkrebs ist deutlich geschrumpft.

Ohne OP gibt es keine Heilung

„Ohne chirurgischen Eingriff können die Metastasen aber nicht entfernt werden – ohne OP gibt es also keine Heilung“, so Prof. Schmeding. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt der Operation: Sie kann erst erfolgen, sobald die Chemotherapie anschlägt und die Krebszellen abgestorben sind. Allerdings können Tumore im Verlauf der Chemotherapie Resistenzen gegen die Therapeutika entwickeln – bevor das passiert, müssen die Chirurgen einbezogen werden. Der Fall wird im November bei der Tumorkonferenz in der interdisziplinären Experten-Runde diskutiert.

Experten besprechen den Fall auf der Tumorkonferenz

Einen Monat soll sich Schuberts Körper nach der Chemotherapie erholen, denn die Organe sind von der Chemotherapie geschwächt und die Genesung der Patientin nach dem operativen Eingriff hängt davon ab, wie fit ihr Körper ist. Die Experten legen den Zeitpunkt der Leber-Operation fest, die Patientin erklärt sich damit einverstanden, dass die Mediziner im Verlauf der OP kurzfristig entscheiden konnten, ob sie sich auch an den Darm heranwagen. „Der Knackpunkt bei der Leber-OP war die Frage: Wie viel darf ich wegschneiden, damit das betroffene Gewebe verschwindet und sich die Leber dennoch vollständig erholen kann?“, sagt Prof. Schmeding. Zwar regeneriert die Leber in der Regel schnell, wenn Teile entfernt werden. Die Entscheidung über die Größe des entfernten Gewebes erfordert jahrelange Erfahrung: Schneiden die Chirurgen zu viel weg, fällt sie aus und der Patient stirbt. Anfang Januar wird Schubert operiert, der Eingriff verläuft positiv: Die Experten schneiden 70 Prozent der Leber weg. Auch das bösartige Darmgewebe kann heraus operiert werden.

70 Prozent der Leber entfernt – Organ regeneriert sich rasch

Nach der OP fällt die Patientin in ein „Leberleistungsloch“ – mehrere Tage lang muss sie auf die Intensivstation – „damit war zu rechnen, da die Leber einen Großteil ihres Volumens und ihrer Leistungsfähigkeit eingebüßt hat“, so Prof. Schmeding. Die Patientin erholt sich jedoch gut und kann nicht einmal vier Wochen nach dem Eingriff wieder lachen. „Eine Diagnose mit zunächst sehr ungünstiger Prognose entwickelt sich zum bestmöglichen Ergebnis: die Patientin ist momentan tumorfrei“, sagt Prof. Heike. Schubert ist erleichtert, dass beide befallenen Organe gleichzeitig operiert wurden: Die Nachsorge übernimmt ihre behandelnde Ärztin, regelmäßig überprüft sie die Blutwerte. In wenigen Wochen wird ein weiteres CT zeigen, ob die Genesung ideal voranschreitet.

(*) Name der Redaktion bekannt

 

Pressekontakt

Marc Raschke Leiter der Unternehmenskommunikation

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