Martina Hüppler und Thomas Grafenkamp bilden mit Jürgen Wimmer zusammen das Wundmanager-Team des Klinikums Dortmund. Auch als Referenten geben sie ihr Wissen im Bereich Wundmanagement in der Weiterbildung zum Wundexperten der AkademieDO weiter.
AkademieDO: Seit wann sind Sie als Wundmanager am Klinikum Do tätig?
Grafenkamp/Hüppler: Seit dem 01.03.2005.
AkademieDO: Was ist ein Wundexperte? Welche Aufgaben hat er?
Grafenkamp/Hüppler: Wundexperten werden zur Unterstützung der Pflege von Menschen mit chronischen Wunden eingesetzt. Der Arbeitsauftrag ist das gezielte Überleitungsmanagement und die Empfehlung von Wundtherapie.
AkademieDO: Seit wann gibt es diese Weiterbildung zum Wundexperten?
Grafenkamp/Hüppler: Die „Initiative chronische Wunde“ hat 2004 das erste Curriculum der Wundexpertenkurse erstellt. Die Akkreditierung erfolgte 2005. Am Klinikum DO wird die Weiterbildung seit 2006 angeboten und seit 2007 findet sie unter der Regie der AkademieDO statt.
AkademieDO: Was sind die Inhalte der Weiterbildung? Zielt sie vorwiegend auf Handlungskompetenz oder auf theoretisches Wissen?
Hüppler: Die Inhalte reichen von Anatomie der Haut über Pathophysiologie und Prophylaxe der Wunde hin zu Wunddokumentation, Haftungsrecht und dem Expertenstandard zur Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. Aber auch kommunikative Grundlagen werden vermittelt. Grundsätzlich wird theoretisches Wissen vermittelt, das dann zu Handlungskompetenz führen soll.
(Ein Curriculum finden Sie auf der Seite http://www.ic-wunden.de/index.php?id=402; Anmerkung der Redaktion)
AkademieDO: An welche Zielgruppe richtet sich die Weiterbildung zum Wundexperten?
Grafenkamp: Vorwiegend an Personen aus der Pflege, das heißt examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger, Mediziner, Podologen, Arzthelferinnen und Pharmakologen. Voraussetzung ist, dass eine Ausbildung in einem der Bereiche erfolgreich abgeschlossen wurde.
AkademieDO: Ist eine optimale Wundversorgung auch im Bereich der ambulanten Pflege möglich?
Hüppler: Ja, durchaus. Natürlich erfolgt die Wundtherapie in enger Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Arzt. Die ambulanten Pflegedienste haben von Seiten der Krankenkassen die Auflage Wundexperten zu beschäftigen. Die Zusammenarbeit der Beteiligten im Netzwerk verbessert sich zunehmend.
AkademieDO: Welche Auswirkungen hat das nicht-sachgemäße Versorgen von Wunden?
Grafenkamp/Hüppler: In Krankenhäusern kommt es dadurch zu längeren Liegezeiten der Patienten, es können Wundinfektionen entstehen, was natürlich mehr Schmerzen verursacht. Die Lebensqualität der Betroffenen wird dadurch, auch durch häufige Verbandswechsel stark eingeschränkt.
AkademieDO: Inwiefern spielt die persönliche Beziehung zum Patienten eine Rolle bei der Wundheilung?
Hüppler: Die Wundversorgung ist schon eine Vertrauenssache- als Wundmanager ist man auf die Zusammenarbeit mit dem Patienten angewiesen, dafür ist es wichtig, dass das Verhältnis stimmt. Man braucht schon gute kommunikative Fähigkeiten, um einen Draht zum Betreffenden zu bekommen, aber auch um beraten und anleiten zu können.
AkademieDO: Was sind die häufigsten Wundarten, die Sie versorgen?
Grafenkamp: Hauptsächlich versorgen wir Menschen mit diabetischem Fußsyndrom, ulcus cruris und Dekubitus. In letzter Zeit kommen mehr junge Menschen dazu, die früh von Diabetes betroffen sind.
AkademieDO: Welche Akzeptanz hat der Abschluss der Weiterbildung (also das ICW-Zertifikat) auf dem freien Markt? Kennen viele den „ICW“?
Grafenkamp: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Akzeptanz wächst. Daran, dass die Krankenkassen die Beschäftigung eines zertifizierten Wundexperten fordern, wenn sie mit chronischen Wunden zu tun haben, zeigt schon, dass das Thema als wichtig erachtet wird und es langfristig an Bedeutung gewinnt. Obwohl die Kurse nicht staatlich, sondern TÜV zertifiziert sind. In Österreich ist man da schon einen erheblichen Schritt weiter, dort wird schon länger ein professionelles Wundmanagement betrieben.
Der „ICW“ ist bei Pflegenden, dem ärztlichen Dienst und den Krankenkassen jedenfalls bekannt. Die Mitgliederzahlen des Vereins steigen stetig an. Mittlerweile gibt es ungefähr 15.000 Personen die die Qualifizierung „Wundexperte“ erfolgreich abgeschlossen haben. Der Bedarf ist dann wohl gegeben.
Hüppler: Der Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ empfiehlt
als pflegerischen Fachexperten zur Umsetzung sogar einen Pflegetherapeuten. Der Wundexpertenkurs versetzt die Teilnehmer jedenfalls in die Lage den Expertenstandard umsetzen zu können, was auch für eine Relevanz der Ausbildung spricht.
AkademieDO: Wodurch hat sich die Aufmerksamkeit auf professionelle Wundversorgung konzentriert? Gab es Missstände im Vorfeld?
Hüppler: Ich sehe die Gründe dafür im wirtschaftlichen Bereich, in Krankenhäusern müssen die Liegezeiten verkürzt werden. Menschen mit versorgungsbedürftigen Wunden, die nicht im Krankenhaus verbleiben, werden angeleitet die optimale Wundversorgung auch weiter zu führen. Ein wichtiger Punkt ist die Schmerzlinderung beim Patienten.
AkademieDO: Wie bleibt ein Wundexperte auf dem neuesten (Wissens-)Stand?
Hüppler/Grafenkamp: Durch den Besuch von Kongressen und Tagungen, wie z.B. das Wundforum in Dortmund. Es gibt europaweit interessante Veranstaltungen, die man besuchen kann. Außerdem gibt es spezielle Rezertifizierungskurse die zu unterschiedlichen Themen angeboten werden.
AkademieDO: Viele Teilnehmer der Wundexpertenkurse sagen, dass Ihnen die Wundversorgung großen Spaß macht. Da viele Wunden erschreckend aussehen klingt das überraschend. Woran liegt es? Und welche Fähigkeiten muss man haben um ein guter Wundexperte sein zu können?
Hüppler: Die Gründe dafür, dass Wundversorgung Spaß macht, sind bestimmt bei jedem unterschiedlich. Ich könnte mir vorstellen, dass es Spaß machen kann, wenn man Erfolge beim Patienten sieht und sein Wohlbefinden erheblich steigern kann. Bei einer Wundversorgung auf qualitativ hohem Niveau, kommt es schon vor, dass sich bei Betroffenen die manchmal Jahre unter chronischen Wunden gelitten haben, Verbesserungen einstellen oder sich Wunden schließen. Das ist natürlich ein besonderes Erfolgserlebnis.
Außerdem spielt die Wunddiagnostik eine große Rolle. Daher muss ein Wundexperte erkennen, wann eine fachspezifische Weitergabe nötig ist und die reine Wundversorgung gar nichts nutzt.
Ein guter Wundexperte muss kommunikative Fähigkeiten haben und Erfahrung im Bereich Wundversorgung.
Grafenkamp: Das sehe ich ähnlich. Der „Spaß“ an der Wundversorgung kommt sicherlich dadurch, dass man Ergebnisse seiner Arbeit sieht. Da es sich nicht nur um die Versorgung der Wunden dreht, sondern um einen kompletten Prozess, ist es sehr abwechslungsreich.
Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn das Netzwerk aus Ärzten, Krankenhäusern, Pflegediensten, Wundmanagern und Patienten funktioniert.