Neuer Direktor der Anästhesie übernimmt ab 1. April größte Abteilung ...

Die Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin ist seit dem 1. April 2018 unter neuer...

Standorte

Klinikzentrum Mitte (Beurhausstraße 40)
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Klinikzentrum Nord (Münsterstraße 240)
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Anästhesieverfahren

Im Gegensatz zur Meinung nicht nur von medizinischen Laien sondern auch von Ärzten anderer Fachgebiete gibt es nicht nur eine Form der Vollnarkose. Vielmehr hat sich auf Grund der deutlich verbesserten Medikamente, die zur Verfügung stehen, ein Vielzahl von verschiedenen Formen der Vollnarkose entwickelt, die alle Vor- und Nachteile haben; dies gilt aber für alle medizinischen Massnahmen. Es muss immer im individuellen Fall abgewogen werden, was für einen Patienten bei einem bestimmten operativen Eingriff oder bei einer diagnostischen Prozedur (z.B. Endoskopie, Angiographie, etc.) das beste Verfahren ist.

Bei den Allgemeinanästhesien werden sowohl rein intravenöse Anästhesien durchgeführt, also Narkosen, bei denen alle Narkosemittel über die Vene in den Körper gelangen und der Patient ein Gemisch aus Sauerstoff und Luft atmet, als auch Narkosen mit sogenannten Inhalationsanästhetika. Bei den letzteren wird die Narkose beim Erwachsenen durch intravenöse Medikamente eingeleitet, dann aber über die Applikation eines Narkosemittels über die Einatmungsluft aufrecht erhalten.

Die Regionalanästhesieverfahren sind in ihrem Wert und ihren Möglichkeiten in den letzten 30 Jahren erst richtig erkannt worden. Seit den 50er Jahren wurden diese Verfahren durch neue Verfahren der Allgemeinanästhesie erheblich verdrängt. Aber die Erkenntnis, dass solche Verfahren von Vorteil für die Patienten sein können, bewirkten, dass mehr auf diesem Gebiet geforscht und entwickelt wurde und neue Materialien die Methoden auch sicherer und angenehmer machen.

Formen der Regionalanästhesie sind

  • Plexusanästhesie an der oberen Extremität
  • Intravenöse Anästhesie
  • 3-in-1-Block

Intravenöse Anästhesie

Die intravenöse Anästhesie kann sowohl am Arm als auch am Bein durchgeführt werden. Es wird eine intravenöse Kanüle gelegt, dann wird der Arm „ausgewickelt“, so dass es zu einer fast kompletten Blutleere kommt. Am Oberarm bzw. am Oberschenkel wird dann eine Doppelmanschette aufgeblasen, zunächst die proximale, dann nach einiger Zeit die distale, die dann im anästhesierten Bereich liegt. Wenn die Manschette aufgeblasen ist, wird über die liegende Kanüle ein Lokalanästhetikum appliziert (40 bis 60 ml am Arm), dass dann langsam in das Gewebe diffundiert und eine Anästhesie des Armes bewirkt. Die Anästhesie wirkt zuverlässig und ist gut verträglich.

Vor allen Dingen bei Operationen an der Hand wird dieses Verfahren auch bei ambulanten Operationen angewendet.

Die Risiken für dieses Verfahren sind ausgesprochen gering.

Die rückenmarksnahen Regionalanästhesien

Rückenmarksnahe Regionalanästhesien haben nicht nur den Vorteil einer sehr guten Schmerzausschaltung und damit einer geringeren Stressreaktion, sondern es gibt auch sekundäre Effekte. Dazu gehört, dass in vielen prospektiven Studien gezeigt werden konnte, dass beispielsweise bei orthopädischen Operationen an der Hüfte oder am Knie die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose oder eine Embolie geringer ist, als wenn nur eine Allgemeinanästhesie durchgeführt wird.Bei Patienten, die Angst haben, die Operation mit zu erleben, die typischerweise sagen: „Ich möchte nichts hören und nichts sehen!“ kann in Kombination mit den Regionalanästhesieverfahren eine Sedierung durchgeführt werden, die von einer Entspannung bis zum tiefen, gesteuerten Schlaf reichen kann.

Spinalanästhesie

Die Spinalanästhesie bewirkt eine völlige Schmerzausschaltung sowie eine sehr gute Muskelentspannung im anästhesierten Bereich. Sie ist technisch meistens sehr einfach beim Sitzenden oder auf der Seite liegenden Patienten durchzuführen. Die früher so gefürchteten Kopfschmerzen nach der Spinalanästhesie gehören heute mehr oder weniger der Vergangenheit an, da die derzeit gebräuchlichen Nadeln für die Spinalanästhesie nicht nur sehr dünn, sondern auch anders als früher geformt sind, z.B. sogenannte Pencil-Point-Nadeln.

Die Angst davor, das Rückenmark zu verletzen, ist ebenfalls bei Einhaltung der Sicherheitsvorgaben minimal. Bei der Punktion kann es kurzzeitig zu Reizungen von Nerven kommen, die der Patient wie ein elektrischer Schlag empfindet. Dieses bedeutet allerdings nicht, dass es zu einem bleibenden neurologischen Schaden kommen wird.

Gefährlicher sind Entzündungen oder Blutungen, die nach einer Spinalanästhesie auftreten können. Hier kann es sogar zu einer Querschnittslähmung kommen. Dies ist aber eine Komplikation, die extrem selten vorkommt. Die Wahrscheinlichkeit dürfte bei 1 : 200000 liegen.

Durch die Anwendung unterschiedlicher Medikamente kann die Dauer der Spinalanästhesie zwischen 1 und etwa 6 Stunden liegen. Damit sind die meisten Operationen problemlos durchzuführen.

Bei der Spinalanästhesie werden teilweise auch Katheter in den Spinalraum gelegt, damit sie über längere Zeit aufrechterhalten werden kann. Diese Methode wird in unserer Klinik nicht angewendet.

Wir setzen die Spinalanästhesie vor allen Dingen für die Operation von Hüftprothesen, für urologische Eingriffe an Prostata und Blase sowie für die Operation von Leistenhernien ein.

Periduralanästhesie

Die Periduralanästhesie unterscheidet sich von der Spinalanästhesie durch eine schwächere Umstellung der Kreislaufsituation sowie dadurch, dass typischerweise ein Katheter in den Periduralraum gelegt wird, über den über Stunden oder Tage Medikamente zur Schmerzbekämpfung gegeben werden können. So kann der Katheter nicht nur während der Operation, sondern auch für die postoperative Phase oder sogar über Tage und Wochen für die Schmerzbekämpfung angewendet werden.

Auch in diesem Fall, wie bei der Spinalanästhesie, besteht die Gefahr einer Infektion oder einer Blutung. Sie ist jedoch ebenfalls so gering, dass sie gegenüber den möglichen Vorteilen vernachlässigbar gering ist.

Lokalanästhesie (mit Überwachung)

Es gibt eine Reihe von Fällen, bei denen aus verschiedenen Gründen keine Vollnarkose und keine Regionalanästhesie durchgeführt werden sollen oder können. Hier kann der Eingriff in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Diese wird in der Regel vom Operateur durchgeführt. Bei einigen Patienten ist aber die Situation von Atmung oder Kreislauf so kritisch, dass es wichtig ist, bedrohliche Veränderungen sofort zu bemerken und jederzeit therapeutisch eingreifen zu können.

In diesen Fällen wird der Eingriff zwar unter Lokalanästhesie aber bei voller Überwachung des Patienten wie bei einer Vollnarkose durchgeführt. Der Anästhesist ist zur Überwachung beim Eingriff dabei und beobachtet kontinuierlich die Reaktion des Patienten. So sieht er sofort, wann er eingreifen muss, um die Bedrohung für den Patienten abzuwenden. Dieses Verfahren heisst "Stand-By".

Autotransfusion

In allen operativen Bereichen, besonders im Bereich der Orthopädie, wird das Verfahren der Autotransfusion eingesetzt, um dem Patienten eine Transfusion von Fremdblut zu ersparen. Hierbei wird das Blut aus der Wunde mit einem Sauger aufgefangen und nicht verworfen, sondern in speziellen Geräten wieder aufbereitet und dem Patienten unmittelbar zurückgegeben. Dies führt dazu, dass die Notwendigkeit einer Transfusion weiter reduziert wird.

Wärmung während der Operation

Während der meisten Operationen kühlen viele Patienten aus. Die Ursache dafür ist einerseits, dass durch eine Umverteilung des Blutes im Körper unter der Narkose die Haut stärker durchblutet und dadurch mehr Wärme abgegeben wird. Andererseits ist zwar die absolute Temperatur im OP-Saal normal (20 – 22 Grad Celsius), aber die Effektivtemperatur (gefühlte Temperatur) liegt oft deutlich darunter. Dies liegt daran, dass in den OP-Räumen ein hoher Luftwechsel stattfinden muss, so dass ständig ein gewisser Luftstrom im OP herrscht, der zur Verstärkung der Auskühlung führt, auch dann, wenn der Patient durch Tücher abgedeckt wird.

Aus diesem Grunde hat man zunächst den Patienten auf eine beheizte Decke gelegt, was jedoch nicht besonders effektiv ist. Seit einigen Jahren werden die Patienten nach Möglichkeit jedoch von warmer Luft umströmt, die eine Auskühlung auch bei Operationen verhindert, die einige Stunden dauern. Die Patienten frieren beim Wachwerden nicht und fühlen sich deshalb wohl. Es hat sich ausserdem herausgestellt, dass bei Verhinderung der Auskühlung des Patienten die Zahl der postoperativen Infektionen niedriger liegt und die Heilung schneller verläuft. Es ist also nicht nur dem subjektiven Komfort des Patienten dienlich, sondern medizinisch wichtig.