Neuer Direktor der Anästhesie übernimmt ab 1. April größte Abteilung ...

Die Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin ist seit dem 1. April 2018 unter neuer...

Standorte

Klinikzentrum Mitte (Beurhausstraße 40)
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Klinikzentrum Nord (Münsterstraße 240)
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Allgemeines zur Geschichte der Anästhesie

Die Anästhesiologie ist eines der jüngeren Fachgebiete der Medizin. Es umfasst die Bereiche Anästhesie, Operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie.

Die erste Erwähnung einer „Anästhesie“ steht in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Dort wird beschrieben, dass Gott Adam in einen tiefen Schlaf versetzt, um aus seiner Seite eine Frau, also Eva, zu formen. "Da ließ Gott (...) einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss die Stelle mit Fleisch." (Genesis 2,21) Hier wird also eine Anästhesie und eine Operation durchgeführt, wobei Gott sowohl Anästhesist als auch Chirurg ist. Es sollte aber Gott überlassen bleiben, beide Funktionen in einer Person auszuüben.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es nur eingeschränkte Möglichkeiten, Patienten für die Durchführung einer Operation die Schmerzen oder sogar gezielt das Bewusstsein zu nehmen. Es kamen natürliche Substanzen zur Anwendung wie Morphium bzw. Opium, Alkohol, Cannabis, Hyoscin oder Cocain. Außerdem wurden physikalische Maßnahmen genutzt, wie Kälte, Druck oder Aderlässe, wobei das Ziel war, einen Nerven auszuschalten oder den Patienten bewusstlos zu machen. Auch Hypnosetechniken oder der Messmerismus kamen immer wieder zur Anwendung.

Die ersten Narkosen für operative Eingriffe wurden vor etwa 150 Jahren vorgenommen. Vorher standen nur Alkohol in großen Mengen und Morphium für die Durchführung von Anästhesien zur Verfügung. Damit ließen sich aber nur einfache und schnelle Eingriffe durchführen, die immer noch schmerzvoll und gefährlich für den Patienten waren.

Im Jahre 1844 führte der Amerikaner Horace Wells eine „Lachgasnarkose“ durch. Lachgas war von Davy 1799 entdeckt aber bis dahin noch nicht für medizinische Zwecke verwendet worden. Am 16. Oktober 1846 führte der Zahnarzt William Morton eine Äther-Inhalationsanästhesie im Massachusetts General Hospital in Boston durch. J.Y. Simpson führte die Chloroformnarkose ein und setzte am 19.1.1847 zum ersten Mal Äther in der Geburtshilfe ein. 1847 entwickelte John Snow in England ein Äther- und Chloroform-Inhalationsgerät.

Gleichzeitig wurde die Lokalanästhesie bzw. die Leitungs- und Regionalanästhesie vorangetrieben. Letztere Verfahren wurden von Halsted und den deutschen Chirurgen M. Oberst sowie August Bier entdeckt und weiterentwickelt.

Die Anfänge der Anästhesie waren schwierig, da nur wenige Medikamente zur Verfügung standen und auch die technischen Möglichkeiten zur Durchführung einer Anästhesie und zur Überwachung der Patienten rudimentär waren.

Die Substanzen, die damals verwendet wurden, waren Lachgas, Äther und Chloroform. Im Laufe der Zeit kamen bald Methoden der Lokal- und Regionalanästhesie hinzu. Es gab anfänglich auch keine geregelte Weiterbildung zum Anästhesisten. Die Narkosen wurden bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts meist unter Anleitung des Operateurs durchgeführt, der gleichzeitig operierte. Damit war es unmöglich, dass der Operateur sich intensiv um die Überwachung des Patienten kümmern konnte, was gerade in kritischen Situationen der Operation für den Patienten gefährlich war.

Außerdem gab es teilweise moralische Bedenken, eine Betäubung durchzuführen, vor allen Dingen im Zusammenhang mit der Schmerzausschaltung unter der Geburt. Der Grund war ein religiöser: In der Bibel werden Geburtsschmerzen als gottgewollt dargestellt. "Viel Mühsal bereite in Dir, sooft Du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst Du Kinder." (Genesis 3,16) Innerhalb der Ärzteschaft sowie zwischen den Befürwortern der neuen Methode und verschiedenen anderen Interessengruppen, beispielsweise der Kirche, gab es wiederholt heftige Diskussionen darüber, die auch höchste Persönlichkeiten der Gesellschaft nicht verschonten. Der Durchbruch für die Methode der Narkose bei schwierigen Geburten brachte die Narkose bei Königin Viktoria.

Mit der Einführung der Anästhesie wurde auch bald von vielen Ärzten eine Dokumentation des jeweiligen Verfahrens durchgeführt. Als einfach zu bestimmende Vitalparameter wurden die Pulsfrequenz und der Blutdruck gemessen. Dies waren für lange Zeit, neben der Weite der Pupillen, dem Schwitzen oder der Unruhe des Patienten und seiner Hautfarbe, die einzigen Parameter, um den Zustand eines Patienten während der Narkose zu beurteilen.

Neben der gefürchteten Minderversorgung mit Sauerstoff unter der Narkose waren Kreislaufversagen und schwere Leberentzündungen typische Komplikationen der Anästhesie.

Trotz aller Bedenken gegen Narkoseverfahren wegen schwerer möglicher Komplikationen auch in der Geburtshilfe, setzte sich die Anästhesie bei Operationen immer mehr durch. Zunächst wurde die Narkose durch den Operateur selber durchgeführt, später machten dies Schwestern oder Pfleger unter Anleitung des Chirurgen. Man muss dabei wissen, dass damals nur Patienten in relativ gutem Allgemeinzustand oder in absoluten Notfällen operiert wurden. Dies hält keinen Vergleich zu heutigen Standards aus.

Der Erfolg der Anästhesie kann leicht dadurch erklärt werden, dass es offensichtlich war, wie einfach Operationen bei anästhesierten Patienten waren im Gegensatz zu Eingriffen bei wachen, oft nicht einmal mit einem Schmerzmittel behandelten Patienten. Bereits im amerikanischen Bürgerkrieg (1861 – 1865) wurde praktisch kein Soldat mehr ohne eine Narkose operiert. Es konnten jetzt Operationen durchgeführt werden, an die sich ohne Anästhesie auch der unerschrockenste Chirurg nicht gewagt hätte.

Nachdem zunächst einfache Systeme zur Applikation von Inhalationsanästhetika verwendet wurden, wurden im Laufe der Zeit mehr und mehr Geräte entwickelt, mit denen nicht nur die präzisere Applikation der Narkosemittel, sondern auch eine bessere Überwachung und sogar eine Beatmung der Patienten möglich war.

Auch die Lokal- und Regionalanästhesie entwickelten sich weiter, aber relativ zögerlich, da das Instrumentarium dafür lange zu grob und die Medikamente nicht ideal waren.

Die Professionalisierung der Anästhesie erfolgte jedoch erst fast 100 Jahre nach der ersten Narkose.

1937 wird in Oxford der erste Lehrstuhl für Anästhesie eingerichtet. Sir Robert Macintosh ist der erste Lehrstuhlinhaber.

Erst 1952 wurde in Deutschland die Weiterbildung für Ärzte zum „Facharzt für Narkose und Anästhesie“ eingeführt. Das hatte zur Folge, dass die Krankenhäuser in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts nach und nach eigenständige Anästhesieabteilungen einrichteten. Zur weiteren Verbesserung der Patientenversorgung wurde 1971 die Fachweiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie für das Pflegepersonal etabliert. Die Spezialisierung von Ärzten auf das Fachgebiet Anästhesiologie hat das Narkoserisiko drastisch gesenkt und bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten auch komplizierte und langwierige Operationen möglich gemacht. Gleichzeitig wurden neue Medikamente zur Anästhesie entwickelt und auch die Möglichkeiten der Überwachung der Körperfunktionen verbessert. Seit einigen Jahren wird daran gearbeitet, durch verbesserte technische Möglichkeiten auch die Tiefe der Narkose durch eine kontinuierliche Auswertung des EEG zu erfassen und so eine Optimierung der Narkoseführung zu ermöglichen.

Die Entwicklung neuer Medikamente für die Anästhesie wurde im 20. Jahrhundert durch die neuen Möglichkeiten der Chemie und der pharmazeutischen Industrie vorangetrieben.

Eine der wichtigsten Erfindungen war die des intravenös zu applizierenden Barbiturats Hexobarbital „Evipan®“, dann das verbesserte Präparat „Evipan-Natrium“ durch den deutschen Pharmakologen Hellmut Weese im Jahre 1933. Er arbeitete bei der Firma Bayer in Wuppertal-Elberfeld. Diese Erfindung revolutionierte die Anästhesie für immer: eine leichte, problemlose Einleitung der Narkose verdrängte die bis dahin gebräuchlichen Verfahren.

Einer der wichtigsten Forscher war der Belgier Paul Janssen, der zusammen mit den Anästhesisten Van de Walle und De Castro das Prinzip der Neuroleptanalgesie für die klinische Routine perfektionierte. Die Entdeckung von Fentanyl, Dehydrobenzperidol und Haloperidol revolutionierten nicht nur die Anästhesie, sondern auch die medikamentösen Möglichkeiten der Psychiatrie.

Ausserdem erfand Paul Janssen Etomidate, ein Hypnotikum, das fast keine negativen Wirkungen auf den Kreislauf hat. Zahlreiche andere Medikamente sind von ihm und seiner Gruppe entwickelt worden.

Schon der Breslauer Chirurg v. Mikulicz-Radecki forderte Anfang des 20. Jahrhunderts: „Jeder Narkotisierende hat sich ausschliesslich mit der Narkose zu beschäftigen.“ Der Anästhesist ist für den Patienten ihm Hinblick auf dessen vitale Funktionen voll verantwortlich. In einer Vereinbarung zwischen den Fachgesellschaften von Chirurgie und Anästhesie aus dem Jahre 1964 heisst es:

"Der Fachanästhesist trägt in seinem Aufgabenbereich die volle ärztliche und juristische Verantwortung. Daher steht ihm auch die gleiche Selbständigkeit wie anderen Fachvertretern zu."

Es gilt also nicht die sogenannte „Captain of the ship“ – Theorie: Der Operateur hat für alles die Verantwortung und über alles das Sagen. Deshalb ist es um so wichtiger, dass der Anästhesist und der Chirurg gut miteinander auskommen und jeder die Probleme des anderen versteht. Dieses „System“ wird in den letzten Jahren zunehmend mit der Kooperation zwischen Piloten im Flugzeug verglichen. Bei der Überprüfung von Flugunfällen, die durch menschliches Versagen verursacht wurden, stellt sich immer wieder heraus, dass Kommunikationsprobleme und Kompetenzgerangel eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und bei der Nicht-Bewältigung von Problemen haben. Aus diesem Grunde wird heute wie in der Luftfahrt auch teilweise eine Schulung durch Simulatoren vorgenommen, die an den Universitäten derzeit nach und nach eingerichtet werden.

Im täglichen Handeln ist das enge Zusammenwirken der Anästhesisten mit den anderen Fachabteilungen eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten. Dies verbessert nicht nur die Arbeitsatmosphäre, sondern kommt natürlich auch dem Patienten zugute.

Der OP ist ein zentraler Bereich des Krankenhauses, in dem auf Grund der personalintensiven Auf -gaben eine besonders hohe Effektivität herrschen muss. Es muss trotz der unterschiedlichen Aufgaben in einem Team gearbeitet werden, wobei auch die ausserhalb des OP liegenden Bereichen (Normalstationen, Ambulanz, Aufnahme, etc.) mit in die Planungen einbezogen werden müssen. Deshalb ist ein OP-Management heute gerade bei grossen OP-Bereichen (mehr als 8 Operationssäle) unverzichtbar.

In den meisten Krankenhäusern, die ein OP-Management eingerichtet haben, wird dies durch einen Anästhesisten durchgeführt. Er integriert die Leistungen des OP, d.h. die Aufgaben aller im OP vertretenen Arbeitsgruppen, die Koordination der OP-Pläne, den rechtzeitigen Transport von Patienten etc..

Der Deutsche Chirurg von Esmarch prognostizierte 1875, dass sich entsprechend dem technischen Fortschritt auch die medizinischen Katastrophen ausweiten würden. Er war für eine Optimierung der Organisation der Versorgung von Verwundeten im Krieg, trat aber auch früh für die Ausbildung von Laien in der Ersten Hilfe ein.

Das Notarztwesen im heutigen Sinne ist im Grunde von Prof. Martin Kirschner von der Universitätsklinik Heidelberg begründet worden. Kirschner hatte die Idee, den Arzt zum Notfallpatienten zu bringen statt den Patienten zum Krankenhaus (62. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, 1938). Damit konnte der Patient durch gezielte ärztliche Massnahmen schon optimal auf den Transport zum Krankenhaus vorbereitet werden. Am 5.2.1957 führten K.H. Bauer und Rudolf Frey in Heidelberg den ersten Notarztwagen für Traumapatienten ein, das sogenannte "Clinomobil".

Die Art der Notfälle hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert: Mit einem Anteil von mehr als 70% der Einsätze stehen internistische Erkrankungen an erster Stelle: Herzinfarkte, Schlaganfälle, akute schwere Entgleisungen des Stoffwechsels bei Diabetikern, Bluthochdruck, etc.. Daneben kommen natürlich auch Verletzungen, typischerweise in Folge von Verkehrsunfällen vor.

Die Notärzte müssen für ihre Tätigkeit optimal ausgebildet werden. Sie müssen sich einen schnellen Überblick über die Situation eines Patienten erfassen, eine schnelle Diagnose stellen und entscheiden, was unmittelbar notwendig und was erst im Krankenhaus therapeutisch erforderlich ist. Selbstverständlich müssen die Notärzte nicht nur theoretisch gut ausgebildet, sondern auch praktisch geschickt sein. Daneben kommt es darauf an, optimal während eines Einsatzes die Aktivitäten zu koordinieren, sich praktisch „blind“ zu verstehen. Dies ist gerade in schwierigen und stressigen Einsatzsituationen eine Grundvoraussetzung für den optimalen Erfolg, aber nicht immer selbstverständlich. Deshalb ist eine ständige Schulung der Rettungsteams erforderlich.

Neben der präklinischen Versorgung der Patienten ist auch die Versorgung von Notfallpatienten im Notaufnahmebereich des Krankenhauses ein Bereich, in dem es darauf ankommt, sich innerhalb von wenigen Minuten einen Überblick über die akute Situation zu verschaffen und dem Patienten effektiv zu helfen. Auch dafür sind Anästhesisten gut ausgebildet und geübt.

Die Verhinderung oder Beseitigung des Schmerzes ist eine der wichtigsten Aufgaben des Arztes

Besonders in Situationen, wo der Patient keine Heilung mehr erwarten kann, ist dies das Wichtigste, was noch für den Patienten getan werden kann. Aus diesem Grunde hat sich mittlerweile aus der Therapie des akuten Schmerzes die Therapie chronischer Schmerzen und die sogenannte Palliativmedizin entwickelt.

Die Therapie des akuten Schmerzes wird in der Notfallmedizin sowie in der postoperativen Phase durchgeführt. Hierbei wird angestrebt, dass die Patienten nach Möglichkeit schmerzfrei bleiben. Die Entwicklung der letzten Jahre hat dazu beigetragen, dass dies möglich ist.

Zur Anwendung kommen dabei nicht nur Medikamente, die eingenommen oder in die Vene gespritzt werden, sondern auch sogenannte Regionalanästhesieverfahren. Bei beiden Methoden gibt es die Möglichkeit, dass der Patient sich selbst die Medikamente bzw. Lokalanästhetika appliziert, da er selber am besten merkt, wie viel Schmerzmittel er benötigt. Dieses Verfahren nennt sich Patientenkontrollierte Analgesie (PCA).