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Cochlea-Implantat-Zentrum

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29.11.2017 - Plötzlich wieder hören können - das Cochlea-Implantat

Cochlea Implantat

Ein Cochlea-Implantat (kurz: CI) ist eine Hörhilfe bei hochgradiger Schwerhörigkeit. Ein Teil dieses Hörsystem wird vollständig in das Ohr einoperiert, der andere Teil wird außen am Ohr ähnlich wie ein Hörgerät getragen.

Die Seele dieses Hörsystems ist der außen am Ohr getragene Sprachprozessor 1(auch Soundprozessor genannt). Wie bei einem normalen Hörgerät wird hier der Schall über Mikrophone aufgenommen, ggf. verstärkt und gefiltert. Dann wird das akustische Signal im Sprachprozessor digital verarbeitet und umkodiert und mit dem Versorgungsstrom durch die intakte Haut über eine Antenne 2 an das Implantat übertragen.

Das eigentliche Implantat besteht aus einem Empfänger 3, der durch Magneten immer genau über dem Sender durch die intakte Haut gehalten wird. Er enthält eine komplizierte Elektronik, die in Titan und Silikon verkapselt ist. Den Empfänger erreichen die Signale des Sprachprozessors per Funk und er gibt seine Impulse an ein Elektrodenkabel 4 ab. Dieses ist das Kernstück des Implantats, welches durch das Mittelohr hindurch in die Hörschnecke eingeführt wird. Je nach Hersteller befinden sich an dem Elektrodenkabel unterschiedlich viele Ringelektroden, die den Kontakt zu den Hörnervenfasern herstellen. Je nach Modell wird dann noch eine zweite Neutralelektrode unter den Schläfenmuskel plaziert.

Gesteuert durch den Sprachprozessor werden nun mit unterschiedlichen elektrischen Impulsen die in die Hörschnecke implantierten Elektroden gereizt, die wiederum die Hörnervenfasern erregen. Die Schallverarbeitung im Sprachprozessor ist ein komplizierter elektronischer Vorgang und muss für jeden Patienten nach und nach so angepasst werden, dass der Patient am besten hört und vor allem versteht. Neue Erkenntnisse über Sprachverarbeitungsstrategien können eingepflegt werden und über die Jahre der Sprachprozessor auch gegen ein neueres Modell ausgetauscht werden. Der Implantatteil enthält keine Batterie oder Akku und muss deswegen auch nicht ausgewechselt werden. Die Haltbarkeit des Implantatteiles beträgt viele Jahrzehnte.

Ein Cochlea-Implantat (CI) ist bei hochgradiger Schwerhörigkeit für Erwachsene und Kinder geeignet. Es kann bereits im 1. Lebensjahr operiert werden und auch bei betagten Menschen.

Für Erwachsene ist ein CI sinnvoll, wenn beide Ohren ertaubt sind oder durch zunehmende Hörverschlechterung beider Ohren auch mit sehr gut angepassten Hörgeräten nicht mehr genügend Sprache verstanden werden kann. Dies kann im Rahmen der Voruntersuchungen geklärt werden. Da die Patienten in aller Regel früher gut gehört oder besser gehört haben, können sie auch sprechen. Für sie ist deshalb das Erlernen von Hören und Sprache mit CI einfacher, da sich das Gehirn an die Sprache wieder erinnert. Erwachsene, die schon taub geboren sind und Lautsprache nicht erlernen konnten, sind deshalb für ein CI in der Regel nicht geeignet. Auch Patienten, die auf einem Ohr ertaubt sind, aber auf dem anderen Ohr ausreichend gut hören, sind in aller Regel für ein CI nicht geeignet.

Kinder, die taub oder hochgradig schwerhörig geboren werden oder bei denen sich das Gehör verschlechtert, so dass mit sehr guten Hörgeräten Sprache nicht ausreichend erworben werden kann, sollten möglichst früh mit einem CI versorgt werden. Die Hörbahn im Gehirn verkümmert sonst und kann nur mit einem CI reifen. Dies wiederum ist Voraussetzung für eine ausreichende Sprachentwicklung. Anatomisch ist der Ohrbereich bei Kindern schon im ersten Lebensjahr fast so groß wie bei Erwachsenen, so dass in diesem Alter schon ein CI operieren werden kann. Natürlich müssen Kinder, die nie oder kaum gehört und kaum Sprache entwickelt haben, dann mit CI über einen langen Zeitraum völlig neu Hören und Sprechen erlernen. Das dies gelingen kann, zeigen Beispiele von Kindern, die mit CI sogar Regelschulen besuchen können. Voraussetzung ist eine möglichst frühe OP, regelmäßige Kontrolle der CI-Programmierung, regelmäßiges qualifiziertes Hör- und Sprachtraining und sonderpädagogische Betreuung; also Teamwork.

Chronische Rückenschmerzen können im Rahmen der altersbedingten Veränderungen der Wirbelsäule auftreten. Häufig fallen hierbei die Schlagworte Spinalkanalstenose, Spondylarthrose oder Claudicatio spinalis.

Erwachsene
Ohren und Trommelfell werden sorgfältig auf Entzündungen oder Lochbildungen untersucht. Durch Hörteste mit Tönen und Sprache wird festgestellt, wie stark das Hören beeinträchtigt ist. Eventuell vorhandenen Hörgeräte werden überprüft und nötigenfalls in Zusammenarbeit mit dem Hörgeräteakustiker nochmals optimal eingestellt. Elektrische Untersuchungen des Gehörs und Untersuchungen des Gleichgewichtsorgans werden durchgeführt, auch um eventuell eine Ursache für die Hörstörung zu identifizieren.

Wenn auf Grund der Hörsituation der Patient für ein Cochlea-Implantat (CI) geeignet ist, wird mit einer Computertomographie (CT) und/oder einer Kernspintomographie (MRT) geklärt, ob eine solche Operation durchgeführt werden kann. Durch die Bilder können anatomische Besonderheiten ausgeschlossen und festgestellt werden, ob eine normale flüssigkeitsgefüllte Hörschnecke in dem Ohr vorhanden ist.

Vor der Operation wird auch geklärt, ob der Patient ausreichend für die Narkose und anstehende Ohroperation gesund ist. Und der Patient wird natürlich über die Operation, Risiken und die Rehabilitation nach der OP aufgeklärt. Zuletzt kann der Patient eine Farbauswahl seines neuen CI treffen.

Kinder
Die Ohren des Kindes werden sorgfältig untersucht, um Entzündungen, Flüssigkeitsansammlungen hinter dem Trommelfell oder Lochbildungen des Trommelfelles zu erkennen und evtl. zu behandeln.

Bei Kindern und vor allen Dingen Säuglingen und Kleinkindern ist es wesentlich schwieriger, das Hörvermögen zu untersuchen, da sich die kleinen Patienten nicht sicher äußern können und oft nur in der Hörtestsituation beobachtet werden können. Neben subjektiven Höruntersuchungen mit und ohne Hörgeräten erfolgen vor allem objektive Hörteste wie elektrische Hörmessungen (z. B. BERA), die auch frequenzspezifisch durchgeführt werden. Wesentlich ist immer auch die Sprachentwicklung des Kindes mit Hörgeräten einzuschätzen und ggf. im Verlauf zu beobachten. Die allgemeine Entwicklung wird im SPZ Neuropädiatrie unseres Klinikums heilpädagogisch beurteilt, bei älteren Kindern auch psychologisch getestet. Da die Kinder mit Hörgeräten in aller Regel von den Pädagogen für Hören- und Kommunikation im Alltag betreut werden, wird deren sonderpädagogische Beurteilung eingeholt. Auch die Einschätzung des Kinderakustikers ist wichtig, der das Kind mit Hörgeräten versorgt hat und betreut.

Wenn das Team zu der Erkenntnis kommt, dass ein CI empfohlen ist, wird weiter wie bei Erwachsenen verfahren. Computertomographie (CT) und/oder Kernspintomographie (MRT) kann bei jungen Kindern allerdings oft nur in Narkose in der spezialisierten Kinderradiologieabteilung des Klinikums durchgeführt werden.

Bei der Cochlea-Implantat-Operation wird durch einen Schnitt hinter dem Ohr der Operationsbereich freigelegt. Damit über die Haare keine Infektion der Operationsstelle erfolgen kann, werden sparsam Haare wegrasiert, wobei längere Deckhaare verbleiben können. Einerseits wird hinter dem Ohr Richtung Hinterkopf im Knochen eine Vertiefung angelegt, in der der Elektronik-Teil des Implantates und dahinter die Antenne unter der Haut platziert werden. Über eine Eröffnung des Warzenfortsatzes wird ein Zugang durch das Mittelohr zur Hörschnecke geschaffen, damit das dünne Elektrodenbündel in die Schnecke vorsichtig eingeschoben werden kann. Dieses geschieht so, dass möglichst das eventuell vorhandene restliche Hörvermögen auf dem Ohr erhalten bleibt.

Bevor der Operationsbereich dann wieder durch Naht verschlossen wird, erfolgt eine elektronische Testung des Implantates. Hierdurch wird die Funktionsfähigkeit überprüft und die Empfindlichkeitsschwelle für das Implantat im Hörorgan bestimmt. Diese Informationen sind sehr hilfreich bei der Ersteinstellung des Implantats nach der OP.

Die Operation erfolgt in einer Vollnarkose und dauert etwa 2 Stunden. Risiken bei einer solchen Operation sind gering und entsprechen den Risiken, die man sonst auch bei einer Mittelohroperation z.B. wegen einer Mittelohrentzündung hätte. Um den Gesichts-Bewegungsnerven bei einer solchen Operation zu überwachen und das Risiko von Lähmung noch weiter zu senken, wird eine intraoperatives Monitorgerät verwendet. Derzeit implantieren wir am Klinikum Dortmund Cochlea-Implantate der Firma Cochlear, die weltweit am häufigsten implantiert werden

Nach der Operation hat der Patient für etwa 2 Tage einen Kopfverband. Schmerzen werden routinemäßig mit einem auf den Patienten angepassten Schmerzschema ausgeschaltet. Bei der Operation von Kindern wird die Narkose durch Kinder-Narkoseärzte durchgeführt, die Erfahrung auch in der Anästhesie von Neugeborenen haben. Kinder werden für eine solche Operation auf den Stationen des Westfälischen Kinderzentrums aufgenommen und kindgerecht betreut. Bei normalem Verlauf erfolgt die Entlassung etwa 2 bis 3 Tage nach der Operation.

Etwa 4 Wochen nach der Operation wird im Rahmen eines ambulanten Kontaktes erstmalig nach abgeschlossener Wundheilung der Sprachprozessor (Soundprozessor) angepasst. Er wird wie ein Hörgerät hinter dem Ohr befestigt und die Außenantenne hält durch den Dauermagneten auf der implantierten Innenantenne Richtung Hinterkopf. Vorsichtig wird dann das Implantat über einen Computer angesteuert und Hörempfindungen an den Elektroden in der Hörschnecke erzeugt.

Dieses muss gerade bei Kindern, die noch nie gehört haben, sehr sanft und einfühlsam erfolgen, damit das Kind mit den neuen Höreindrücken sicher hört, aber nicht zu laut hört. Kinder haben bei den ersten Einstellungen nur begrenzt Geduld, so dass der Erstanpassungsprozess oft in etlichen Sitzungen erfolgen muss. Die Einstellungen und Nachjustierungen des Sprachprozessors sind ein lebenslanger Prozess, wenn auch die Kinder Jahre nach der OP nur noch einmal jährlich ins CI-Zentrum kommen.

Bei Erwachsenen, die zuvor gehört haben, geht die Einstellung oft schneller. Insgesamt sind in den ersten Wochen und Monaten die Einstellungstermine häufiger; wenn dann eine Grundeinstellung gefunden wurde, sind Nachjustierungen seltener erforderlich. Hierfür ist speziell technisch und audiologisch geschultes Personal vorhanden.

Parallel zum Einstellungsvorgang erfolgt ein Hör- und bei Kindern vor allem Sprachtraining durch speziell geschulte LogopädenInnen und SprachtherapeutenInnen. Die Anbahnung von Sprache ist gerade bei Kindern wichtig und erfordert Geduld und Zeit. Die Zusammenarbeit mit den weiteren Therapeuten und Förderern des Kindes sind wichtig.

Für technischen Service, Reparaturen, Zusatzprodukte und Beratung besteht eine enge Kooperation mit dem Kinderhörzentrum der Fa. GEERS, 5 Minuten Fußweg vom Klinikum entfernt.