Jeder zweite Deutsche klagt über gelegentliche oder häufige Rückenschmerzen. Während die meisten Beschwerden nach wenigen Tagen wieder von alleine verschwinden, sollten anhaltende Probleme mit spezifischen Ursachen in jedem Fall von einem Spezialisten beurteilt werden. Die Ursachen dieser „ernsthaften“ Rückenschmerzen können sehr vielseitig sein. Häufig handelt es sich um Bandscheibenvorfälle, wobei es durch die Kompression der Nervenwurzeln im Wirbelkanal zu Schmerzen in Armen und Beinen kommt. Diese können mit Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen einhergehen. Bei älteren Menschen können verschleißbedingte Veränderungen der Wirbelsäule zu einer erheblichen Einengung des zentralen Wirbelkanals (Spinalstenose) oder seitlichen Nervenkanals (Neuroforaminalstenose) führen. Abhängig von der Lokalisation der Einengung kann es zu Schmerzen in den Armen, Beinen oder aber auch zu Lähmungserscheinungen kommen. Die Gehstrecke ist dann schmerzbedingt häufig erheblich reduziert (Claudicatio spinalis). Wenn die Wirbelsäule zusätzlich an Stabilität verliert, führen Gleitwirbel (Spondylolisthesis) oder Seitverbiegungen (Skoliose) zu erheblichen Rückenschmerzen. Eine operative Behandlung muss dann nicht nur eine Entlastung der Nerven- oder des Rückenmarkes beinhalten (Dekompression), sondern auch eine Stabilisierung des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes erreichen (Fusion).
Neben diesen degenerativen Veränderungen kann es in jedem Lebensalter zu ernsthaften akuten Erkrankungen der Wirbelsäule kommen. Bakterielle Infektionen können sich über den Blutweg an der Wirbelsäule im Bereich der Bandscheiben absiedeln (Spondylodiszitis) und dadurch sowohl zu erheblichen Zerstörungen der knöchernen Struktur, wie auch zu neurologischen Ausfällen bis hin zur Querschnittslähmung führen. Gleiches gilt für Tumorerkrankungen der Wirbelsäule. Während primäre Wirbelsäulentumore selten sind, ist die Wirbelsäule eine der häufigsten Lokalisationen für die Absiedelung von Metastasen.
Eine Sonderform der Wirbelsäulenverletzungen stellen die osteoporotischen Sinterungsfrakturen (Zusammenbruch des Wirbelkörpers infolge von Verminderungen des Knochengewebes) dar. Diese entstehen durch eine im höheren Lebensalter abnehmende Knochendichte und die damit verbundenen verringerte Belastungsfähigkeit der Wirbelkörper. Solche Wirbelbrüche können bereits bei alltäglichen Bewegungen mit normalen Belastungen auftreten. Die akute Sinterung des Wirbelkörpers geht für den Patienten meist mit plötzlich einsetzenden Schmerzen einher. Wenn mehrere Wirbelkörper betroffen sind, entsteht mit der Zeit ein zunehmender Rundrücken, was neben den akuten Schmerzen dann auch zu einer chronischen Fehlbelastung der Wirbelsäule führt (statisch bedingter Rückenschmerz).