Antikörper als Corona-Therapie - warum es manchmal entscheidend sein kann, eine Studie bis zum Ende zu lesen

07. April 2020

Bringen Antikörper eine gewünschte Wirkung, wenn man sie Infizierten mit schweren Verläufen von Corona verabreicht? Im JAMA-Network, einer Wissenschaftsseite, die neuste Studien veröffentlicht, gab es am 27.03.2020 eine Publikation dazu („Trestment of 5 Critically Ill Patients With COVID-19 With Convalescent Plasma“). Sie lässt im ersten Moment aufjubeln, da dort von fünf Patienten im Alter zwischen 36 und 65 die Rede ist, die mit Blutplasma von Genesenen, also eben Antikörpern behandelt wurden. Die Patienten waren zuvor allesamt in kritischen Zuständen, wie dort beschrieben steht, hatten ARDS, also akutes Lungenversagen.


Innerhalb von drei Tagen sank nach Gabe des Plasma bei einem Großteil der Patienten (4 von 5) das Fieber deutlich, auch die Viruslast im Blut war nach zwölf Tagen nachweislich negativ. Zwei Wochen nach der Behandlung konnten immerhin drei Patienten von der mechanischen Beatmung entwöhnt werden. Drei Patienten haben inzwischen das Krankenhaus verlassen - nach jeweils rund 50 Tagen Aufenthalt. Die anderen beiden sind laut Publikation in einem stabilen Zustand.


Sind also Antikörper die Lösung? Weiß man nicht, denn wer neben der kurzen Zusammenfassung der Publikation auch die Langform liest, stößt auf einen Satz, der die Ergebnisse in ein neues Licht rückt. Dort steht geschrieben: Die Patienten erhielten [neben den Antikörpern] kontinuierlich antivirale Mitte, bis die SARS-CoV-2-Viruslast negativ wurde. Mit anderen Worten: Neben dem Blutplasma schossen auch noch andere Mittel auf das gleiche Ziel. - Welches hat aber nun getroffen? Und war am Ende das wirksame? Oder war es gar eine Kombination?


In einer sauberen Auswertung müsste man das - nach einzelnen Maßnahmen sortiert - untersuchen. Warum ich das hier so ausführlich beschreibe? Ihr sollt einen Eindruck davon bekommen, dass eine kritische Quellenkunde lohnt und man sich nicht von Zusammenfassungen von vermeintlichen Experten beeindrucken lassen sollte. Bzw. prüft auch immer, welches Interesse diese Experten haben, Euch ihre Sicht auf die Welt zu „verkaufen“. Und mit Prüfen meine ich: selber prüfen. Und nicht: auf pensionierte Lungenärzte, Coaches o.ä. hören.

 

Marc Raschke
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