AstraZeneca – Eine Geschichte voller Missverständnisse

15. März 2021

Der Impfstoff von AstraZeneca (AZ) ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Aktuell: AZ als Adenovirus sei krebserregend, heißt es. Das Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Und demnach kann man erst einmal sagen: Ja, wenn bei einem Adenovirus - anders als bei mRNA-Impfstoffen - DNA in den Kern einer menschlichen Zelle eindringen kann, kann es dazu führen, dass das Genom der Zelle und damit ihr Bauplan verändert wird. Dieser zufällige Prozess nennt sich „heterologe Rekombination“.

So viel zur Theorie. Viel wichtiger ist jedoch die Frage, wie wahrscheinlich dieser Prozess ist. Was man wissen muss - und hier kommen wir zum Unterschied zwischen einem gefühlten und dem tatsächlichen Risiko: Solche zufällig auftretenden Mutationen, durch die ein Gen funktionsuntüchtig wird, kommen in gesunden Zellen gar nicht so selten vor. Diese natürlichen Veränderungen sind sogar 1000-fach häufiger als eine solche Integration der DNA eines Adenovirus in eine Säugetier-DNA, sagt der Molekularmediziner Stefan Kochanek, Direktor der Abteilung Gentherapie am Uniklinikum Ulm, gegenüber dem Magazin „Spektrum“. Diese Angaben beziehen sich zwar auf Leberzellen von Mäusen, während AZ beim Menschen in den Oberarmmuskel gegeben wird. „Der Muskel ist ein quasi ruhendes Gewebe mit geringer Zellteilungsrate, deshalb gehe ich davon aus, dass die Integrationsrate dort noch mal deutlich niedriger ist als in der Leber." Zudem würde das Immunsystem Zellen erkennen, in denen sich ein Adenovirus-Vektor ins Genom integriert hätte, und sehr wahrscheinlich nach wenigen Wochen killen.

Auch Virologen sehen keine Risiken. "Wir Menschen haben regelmäßig Adenovirus-Infektionen", sagt Friedemann Weber, Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Gießen. "Sie verursachen Erkältungssymptome, Augenentzündungen oder Magen-Darm-Probleme, aber Spätfolgen wie Tumorerkrankungen kennen wir nicht – trotz intensiver Forschung über Jahrzehnte." Nach eigener Aussage würde er sich ohne Bedenken mit dem AZ-Impfstoff immunisieren lassen. - Wir sehen: Bei gefühltem vs. tatsächlichem Risiko ist es wie mit dem, der Flugangst hat, aber mit 180 km/h per Auto zum Flughafen rast.

 

Marc Raschke
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