Den Corona-Demonstranten einen "Spiegel vorhalten"?

11. August 2020

Nach den Anti-Corona-Demos in Dortmund und Stuttgart stellen sich viele die Frage: Wie mit solchen Demos, die zum kritischen Umgang mit den Corona-Maßnahmen aufrufen und vielfach ein bunter Haufen aus verschiedensten Protestrichtungen sind, umgehen? Wie die Demonstranten „zur Vernunft bringen“? Muss da mal jemand auf die Bühne, der den Protestierenden „mal den Spiegel vorhält“? – Diese Radikalen! Diese Radikalen? Mal abgesehen davon, dass eine Demo-Gemeinschaft niemals homogen im Sinne einer einheitlichen Strömung ist, sollte man Radikalisierungen nicht mit Provokation und „den Spiegel vorhalten“ entgegentreten.

 

Aus der Radikalisierungs-Forschung weiß man, dass dieser Spiegel bei bekennenden Anhängern einer speziellen Denkrichtung nicht wirklich weiterbringt. Da sitzen die Wurzeln der Überzeugung, die Verletzungen, Demütigungen & Ängste tiefer. Und bis jemand sich zu einer Demo bewegt (was ja Zeit und Aufwand bedeutet), hat sich davon viel angestaut. Im Beruf. Im Privatleben. Das eigene Leben zu einer Heldengeschichte machen wollen - das sei vielfach der Anlass für eine Radikalisierung, wie mir Radikalisierungs-Expertin Dana Buchzik neulich im Live-Chat auf Instagram erzählte. Was bedeutet das konkret? Ein Held ist in der Regel Einzelkämpfer in seinem Umfeld, der sich gegen alle Widerstände kämpfen sieht. Widerstände machen ihn sogar stärker in seiner Mission. Denn er ist ja quasi der Einäugige unter den Blinden - aus seiner Sicht.

 

Mal die Kino-Fans unter Euch gefragt: Hätte es etwas gebracht, wenn man dem Joker einen Spiegel vorgehalten hätte? Womöglich gar, wenn Batman es getan hätte? Wohl kaum. - Machen wir es uns also nicht zu leicht, wenn wir glauben, dass eine einmalige Ansprache auf einer Demo reicht. Und selbst wenn es einen einzigen bekehrt hat - wie viele hat das nachträgliche „Viel Spaß“-Label eines Satiriker-Auftritts in ihrer Radikalisierung erst recht bestärkt? Wenn es wirklich um nachhaltige Verständigung geht, sollte nie eine Reizfigur der Gegenseite zu einer Verhandlung mit ihr. So sehr der Wunsch nach Genugtuung oder Vergeltung auch sein mag. Da gibt es zig andere Mittelmänner/-frauen, die es produktiver schaffen. - Mein Tipp: Konzentrieren wir uns mit der medialen Aufmerksamkeit nun wieder auf Themen, die der Mehrheit in diesem Lande wichtig sind.

 

Link zum Gespräch mit Radikalisierungs-Expertin Dana Buchzik

Marc Raschke
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