Häusliche Gewalt – Hilfe trotz Kontaktbeschränkungen?

17. April 2020

Welche Nebenwirkungen die derzeitige räumliche Isolation mit sich bringen kann, erfahren wir vermutlich erst rückblickend und Schritt für Schritt. Vor allem im Bereich häuslicher Gewalt hat man seit Beginn der Beschränkungen einen enormen Fallanstieg erwartet. Doch siehe da: In diesen Tagen berichten WDR, WAZ, Welt und Co., dass die Fallzahlen in Deutschland sogar rückläufig seien. Kein Grund zur Sorge also? Weit gefehlt.


Diese statistischen Zahlen seien in Deutschland noch Momentaufnahmen und ließen sich erst nach längerer Beobachtung interpretieren, wie der Krisenstab der Berliner Polizei mitteilt. Die polizeiliche Statistik sei niemals tagesaktuell, denn es gäbe a) eine zeitliche Verzögerung und b) zahlreiche Fälle, die erstmal als Körperverletzung gelistet und im Nachhinein häuslicher Gewalt zugeschrieben würden.


Durch die räumliche Isolation entstehen gleich mehrere Probleme für die Betroffenen: Leben sie mit den Tätern zusammen, so kann es schwierig sein, ohne Mithörer bei einer Hilfs-Hotline anzurufen oder die Wohnung unbemerkt zu verlassen. Auf diese Weise kann auch niemand anderes entsprechende Anzeichen entdecken. Nicht umsonst vermeldete das Jugendamt nun, dass vor allem durch die geschlossenen Schulen und Kitas zahlreiche Meldungen über Verdachtsfälle ausbleiben. Was also tun? Konkrete Lösungen sind derzeit noch Mangelware.


Ein Lösungsansatz aus Spanien und Frankreich soll sich nun auch in Deutschland etablieren: Betroffene können ab sofort den erlaubten Gang zur Apotheke nutzen und mit dem Codewort „Maske 19“ Hilfe suchen. Apotheker notieren daraufhin für eine (angebliche) Lieferung nach Hause den Namen und die Adresse und verständigen die Polizei.


Was oftmals vergessen wird: Auch für Täter gibt es Hilfe. Bei entsprechenden Hilfsportalen wird empathisch auf die individuelle Situation reagiert und emotionale Hilfe angeboten. Sich zu melden, bevor es überhaupt zu einer Tat kommen kann, ist keine Schande, sondern ein ehrenhafter Schritt in die richtige Richtung.

 

Hilfsangebote finden Sie hier
Anlaufstellen für Betroffene und Täter

 

Lisa Cathrin Müller
Stellv. Leitung der Unternehmenskommunikation
Beurhausstraße 40
44137 Dortmund
Telefon +49 (0)231 953 20217
LisaCathrin.Mueller(at)klinikumdo.de

https://www.klinikumdo.de
http://www.facebook.com/klinikumdo
https://twitter.com/klinikumdo