Infektionszahlen richtig lesen

21. August 2020

Was bedeutet es, dass die Zahl der Infizierten steigt? - Zunächst bedeutet das: keine Panik. Panik ist nie ein guter Ratgeber. Es gibt eine Reihe an Faktoren, die man bei diesen Infiziertenzahlen berücksichtigen muss.

  1. Einflussfaktor „Testmenge“: Um von Woche zu Woche einen Vergleich anstellen zu können, muss die Zahl der Getesteten stets gleich sein. Das ist sie aber nicht, wie ein Blick in die RKI-Zahlen zeigt. Die Zahl der Testungen steigt seit Wochen - und wenn ich grob gesagt in einer Woche 400.000 und in der nächsten Woche 500.000 Teste, dann überrascht es nicht, wenn man u.U. mehr Infizierte findet. Nun könnte man aber ja sagen: Wenn die Zahl der Tests z.B. um 2 Prozent steigt, ich aber 4 Prozent mehr Infizierte finde, dann haben wir doch mehr Infizierte in Deutschland, oder? Nicht ganz.
  2. Einflussfaktor „Test-Orte“: Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich in der einen Woche verstärkt in Schlachthöfen teste, dann in der nächsten Woche meinen Test-Fokus auf Kitas habe und die Woche darauf in Altenheimen oder Kliniken teste. Um eine Vergleichbarkeit von Woche zu Woche herzustellen, müsste ich stets am gleichen Ort gleich viel testen. Dafür reichen aber unsere Laborkapazitäten nicht.
  3. Einflussfaktor „Testmaterial“: Möchte ich herausfinden, wer Virusmaterial in sich trägt? Oder wer wirklich infektiös ist? Das ist ein Unterschied. Wenn ich rein den Nachweis von Virus mit einem Test herausfinde, weiß ich immer noch nicht, ob jemand von den Getesteten ansteckend ist. Das ist aber für die Ausbreitung des Virus entscheidend.
  4. Einflussfaktor „Alter“: Können wir aus der täglich veröffentlichten & bekannten Kurve des RKI ermitteln, wie alt die als infiziert Getesteten sind? Aus dieser nicht, deshalb muss man tiefer recherchieren und die Zahlen altersbedingt anschauen; Jüngere haben statistisch gesehen immer noch einen deutlich geringeren Anteil an den Krankenhausfällen von Covid19 als Ältere. Und es ging doch um die max. Kapazitätsgrenze.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Faktoren, die man bei den reinen Zahlen berücksichtigen muss. Aber das hier mal als 1. Aufschlag. Damit Ihr die Einzelwerte einer Kurve etwas besser einordnen könnt.

 

Marc Raschke
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