Ist ein Medikament gefunden?

24. April 2020

Der Weg zu einem neuen Medikament ist lang. Mitunter dauert es viele Jahre, bis aus einer fixen Idee ein paar Pillen in einer Box oder eine Injektions-Flüssigkeit geworden sind. Nach langer Zeit im Labor, wo u.a. Sicherheit und Verstoffwechselung getestet werden, wird der Wirkstoff dann in die klinische Forschung gegeben.


Die wiederum teilt sich in drei Phasen auf, die sich sinnigerweise Phase I, Phase II und Phase III nennen. Erst wenn das alles durchlaufen wurde, kann eine Zulassung erfolgen. Die komplette Strecke muss man sich also wie ein Hürdenlauf vorstellen - im schlechtesten Fall reißen auch schon mal alle Kandidaten, die aus dem Labor gelassen werden und auf die klinische Laufbahn biegen.


Umso besser klang jetzt die Nachricht in Corona-Zeiten, dass der Wirkstoff Ivermectin die SarsCov2-Viruslast innerhalb von 48 Stunden um das 5.000-fache reduziert habe. Ivermectin ist nämlich bereits zugelassen und wird auch schon verwendet - allerdings bisher zur Behandlung von parasitären Erkrankungen wie Krätze, Fadenwürmer & Co. - unser Coronavirus steht noch nicht auf seiner Therapieliste.


Einziger und nicht ganz unwichtiger Haken: Die beobachtete Reduzierung der Viruslast fand in vitro, also im Reagenzglas bei einer Zellkultur statt. Es ist damit also noch nicht geklärt, ob und unter welchen Bedingungen sich dieser Effekt im menschlichen Körper wiederholen lässt. Und meist ist dieser Teil der Forschung dann auch nicht unaufwendig.


Aber da Ivermectin aufgrund seiner Aufnahme in die „WHO-Modellliste der wichtigsten Arzneimittel“ bereits weit verbreitet ist, wäre der Wirkstoff weltweit gut zugänglich. Wer nun in Apotheken-Shoppinglaune verfällt, möge sich aber noch in Zurückhaltung üben. Denn noch steht nicht fest, ob Ivermectin der Durchbruch ist. An diesem Beispiel möchte ich nur zeigen: Es ist dann doch komplexer als es Schlagzeilen vermuten lassen, wenn Medien in diesen Tagen gute Nachrichten aus dem Medikamenten-Bereich verkünden.

 

Marc Raschke
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