Pandemien: Ein Nährboden für (Alkohol-)Sucht?

26. Februar 2021

Kontaktvorschriften, Ausgangsbeschränkungen, Lockdown. Corona hat zahlreiche Veränderungen mit sich gebracht. Und das schon seit über einem Jahr. Vieles wurde eingeschränkt oder auch komplett heruntergefahren. Vernünftig, damit die Infektionszahlen sinken. Doch nicht nur das offensichtliche, für alle spürbare hat sich gewandelt. Auch im Hintergrund gab es Entwicklungen – von vielen unbemerkt.

Wie in einem früheren Posting hier im Blog beschrieben hat die Gesellschaft für Konsumforschung bereits im Frühling 2020 bekannt gegeben, dass von Ende Februar bis Ende März ein Drittel mehr Alkohol wie Wein oder klare Spirituosen gekauft wurden. Eine Folge des damaligen Lockdowns.

Und wie ist der heutige Stand? Rund ein Jahr nach Beginn der Pandemie und zahlreichen Veränderungen für die Gesellschaft? Medien wie z.B. die FAZ (Quelle am Ende des Artikels) titelten vor Kurzem, dass insgesamt in Deutschland „noch nie“ so wenig Bier getrunken wurde wie in 2020. Dann ist ja alles gut, oder? Leider nein, denn die Schlagzeile beruht nur auf den Zahlen des Bierverkaufs der Brauereien und Bierlager. Diese haben laut FAZ aufgrund des Lockdowns und der damit verbundenen Gastronomieschließungen 2020 so wenig Bier verkauft wie seit 1993 nicht. Es blieb und bleibt nur noch der Verkauf über den Handel. Also wurde weniger Bier abgesetzt, was die Zahlen erklärt. Und wie sieht die Situation allgemein aus? Wie mehrere Studien berichten ist der allgemeine Alkoholkonsum auch in der zweiten Welle und des erneuten Lockdowns gestiegen. So fand die Krankenkasse Pronova bei einer Befragung von 154 Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen Ende 2020 heraus, dass sechs von zehn Therapeut*innen bei ihren Patient*innen häufiger Alkoholprobleme feststellen als vor der Corona-Krise. Und Patient*innen, die schon davor Probleme mit Alkohol hatten, greifen vermehrt zu Bier, Wein oder Spirituosen (Quelle am Ende des Artikels).

Genau davor hatte die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) aufgrund des Lockdowns gewarnt. Denn Alkohol bedeutet für viele eine Flucht aus der momentanen Situation. Mögliche Ängste, Sorgen, Druck und Stress –  all das wirkt unter Alkohol weniger schlimm. Aber nicht nur Alkohol wird dafür genutzt: Mehr als jede*r dritte Therapeut*in berichtet laut Studie über gesteigerte Nikotinsucht, auch Medikamente spielen eine größere Rolle. Ein Drittel der Expert*innen diagnostiziert häufiger den Konsum von Drogen wie Cannabinoiden, Kokain oder Halluzinogenen als vor der Pandemie. Noch verschärfend wirkt, dass die sozialen Kontakte fehlen. Die hätten nämlich als Kontrolle wirken können. Besonderes für bereits abhängige Menschen ein riesiges Problem, denn gerade sie brauchen die gewohnten Strukturen und Unterstützung aus dem Umfeld.

Und wie geht es weiter? 73 % der Therapeut*innen rechnen damit, dass der Alkohol- und Drogenkonsum in den kommenden zwölf Monaten weiterhin zunehmen wird. Eine Folge der Krise, in der viele ihre Ängste, Sorgen und den Stress zu kompensieren versuchen. Hier kann jeder helfen. Denn gerade im Moment ist es wichtig, für diese Menschen da zu sein. Betroffene oder auch ihre Angehörigen können sich mit Therapeut*innen in der Umgebung oder auch mit der Landesstelle Sucht NRW in Kontakt setzen. Damit Betroffene sehen, dass sie mit ihren Sorgen und Ängsten in dieser Zeit nicht alleine sind.

Landesstelle Sucht NRW

Telefon: 0221- 8097794

Mail: kontakt(at)landesstellesucht-nrw(punkt)de

Website: www.landesstellesucht-nrw.de

Quellen

FAZ: Bierabsatz sinkt 2020 auf Rekordtief

Krankenkasse Pronova: Experten beobachten vermehrt Alkoholprobleme

 

Annika Haarhaus
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