Sorglos in die Urlaubssaison? Infektionsrisiko in Flugzeug und Co.

29. Mai 2020

„Ein Raucherbereich im Restaurant ist wie ein Pinkelbereich im Pool.“ Ich erinnerte mich an diesen Spruch, als ich jetzt einen Bericht über die Flugbranche sah, die derzeit wie viele im Tourismus-Bereich kämpfen muss. Der strengen Lehre nach müsste in jedem Flugzeug der Mittelplatz frei bleiben und jeder Fluggast eine Maske tragen. Das sagen die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verbreitung von Viren in diesem Umfeld (z.B. Infektionsepidemiologe Prof. Timo Ulrichs aus Berlin; Luftsysteme-Experte Prof. Qingyan Chen (Purdue University, USA)). Denn auch wenn eine Klimaanlage den Luftstrom von oben nach unten drückt: Das nächste Umfeld, also mindestens der nächste Platz wäre von Tröpfchen und Aerosol betroffen. Und was, wenn man auf Mittel-/Langstrecke mal was essen will? Mit Maske?

Immerhin wird die Luft in der Kabine laut der Flugbranchen-Gemeinschaft IATA mit Spezialsystemen alle zwei bis drei Minuten gefiltert, die 99,97% aller Viren herausfischen; vorausgesetzt natürlich, dass selbst in Warteposition die Klimatechnik an ist. Aus den Filtern zurück gelangt die Luft dann über drei Wege: entlang der Fensterwand, über die individuell einstellbaren Düsen über jedem Sitz und hinter den Gepäckfächern vorbei in den Gang. (So erklärt es die Lufthansa in einem Instagram-Video). Die Wahrscheinlichkeit, dass also jemand, der in Reihe 3 krank ist, jemanden in Reihe 21 ansteckt, dürfte gegen Null gehen – nur der direkte Sitznachbar ist eben ein Risiko.

Aber da ist ja nicht nur die Kabine, sondern auch die Warteschlange am Check-In/Gate. Bei 300 Passagieren für ein Flugzeug und einem Mindestabstand von 1,50 m müsste diese Schlange bis zu 450 m lang sein – in welchem Flughafen gibt es diese räumlichen Dimensionen? Lüftung? Und am Gate: Wie sieht es da mit den Sitzen aus? Gibt es genug, so dass zwischen zwei Wartenden ein Platz frei bleibt? Bei der Firma Webasto (erster großer Corona-Ausbruch in Deutschland) war kurzes Zuwenden/Anatmen zwecks Anreichen eines Salzstreuers eine Infektionsquelle.

Und was Flugzeuge betrifft, ist auch für Reisebusse und Bahn ein Problem; wenngleich hier die Wartenden meist an der frischen Luft (z.B. Bahnsteig) stehen.

 

Marc Raschke
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