„Typisch deutsch“ – eine App in der Vertrauenskrise?

29. Juli 2020

Man muss derzeit gar nicht viel tun, um als ewig Gestriger abgestempelt zu werden. Eine Kritik an der Corona-Warn-App reicht aus. Prompt ist man „typisch deutsch“, „Bedenkenträger“ und „Verhinderer des Fortschritts“. Als würde man quasi sein Vaterland verraten, wenn man dieses Kleinod deutscher Entwicklungskunst nicht huldigt. Wir erinnern uns, das ist jene App, die bis Ende 2021 ca. 70 Millionen Euro kosten wird und die seit Einführung über Wochen weder auf Android- noch auf Apple-Geräten fehlerfrei funktioniert; vorausgesetzt natürlich, man konnte sie hochladen. (Die App hat schon fünf Tage nach Einführung auf iPhone-Geräten nicht richtig funktioniert.)

Ich kenne IT-Projekte zu Genüge. Daher wusste ich: Das wird ein Wagnis, diese App politisch gewollt in so kurzer Zeit aus dem Boden zu stampfen. Zudem bin ich stets skeptisch bei jenen Projekten, bei denen man merkt: Die Verantwortlichen sind regelrecht digitalisierungsbesoffen, so euphorisch reden sie sich den Fortschritt schön. Mal doof gefragt: Kann es ein Fortschritt sein, dass wir das Gesundheitssystem kaputt sparen, damit es Technologiekonzerne wie Apple, Google, SAP & Co. mit ihren Apps & „Lösungen“ retten? Das gleicht einer sukzessiven Verschiebung von Gesundheitsleistungen & -daten in den privaten Sektor. Für welchen Zweck? Unsere Gesundheit? Deren Börsen-Gewinne?

Die „letzte Meile“ zum Endanwender ist die schwerste & entscheidendste Strecke, wenn eine digitale „Lösung“ ihren Namen verdienen soll. Da ist Vertrauen wichtig, aber eben auch Usability, also Anwenderfreundlichkeit. Eine Corona-Warn-App muss verlässlich laufen; das Vertrauen, das dafür beim Anwender nötig ist, kann jedoch schnell verspielt werden, wenn Transparenz und eine offene Kommunikation hinsichtlich Fehlerkultur fehlen.

Marc Raschke
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