Was haben Drosten und Thunberg gemeinsam?

27. April 2020

Ich werde etwas müde. So sehr ich den Mechanismus der Medien hin zu Vereinfachung & Personenkult bei komplexen Themen verstehe, so wenig bringt er uns bei Corona weiter. Dennoch beobachte ich in der medialen Zuspitzung der Krise auf die Person „Prof. Drosten“ eine Polarisierung wie in der öffentlichen Darstellung von Greta Thunberg, als die Titelbilder noch mit „Klimawandel“ gefüllt wurden. - Plötzlich Gallionsfigur. Und entweder dafür oder dagegen. Das gipfelte bei der jungen Klimaaktivistin in Aufklebern fürs Auto: „Schnüffel an meinem Auspuff, Greta“.

 

Ob man in der Corona-Debatte nun aber Team Drosten, Team Streeck oder Team Kekulé ist, verlagert unsere Konzentration nur auf Nebenkriegsschauplätze. Um so unglücklicher fand ich es, als eine Wissenschafts-YouTuberin die drei Virologen hinsichtlich ihrer kommunikativen Leistung verglich. Sind wir so weit, dass wir Wissenschaftler in Top-3-Rankings listen? Kommen dann bald Vergleiche wie: Wer hat das größere Labor? Die meisten Forschungsdrittmittel? Und den größten Sexappeal?

 

Christian Drosten sagte mal in seinem NDR-Podcast, ihm sei schlecht geworden, als er sich als Karikatur in einer Zeitung wiederfand. Ich kann ihn verstehen. Apropos Podcast: Ja, Drosten hat einen, Kekule auch, aber deshalb können wir als Laien noch lange keine Bewertung über ihre Arbeit als Forscher abgeben. Und: Weil Drosten diesen Podcast hat, bestimmt er nicht die Covid19-Politik in Deutschland. Er ist vielmehr als einer der wenigen Experten auf der Welt für Sars-Viren gefragt. That‘s it.

 

Natürlich werden zig andere Wissenschafter in der Debatte gehört - zu je ihrem Fachgebiet. Aber meist setzen die sich nicht vor eine Kamera für YouTube & Co. Wer glaubt, dass politische Beratung so einfach läuft, dass Drosten bei der Kanzlerin anruft und sagt: „Hör‘n se mal: Ab morgen brauchen wir alle Masken“, der glaubt wohl auch, dass eine hochkomplexe, internationale Organisation wie die WHO von einem einzigen Mann wie Bill Gates gesteuert werden kann (ups, das sind wirklich immer dieselben, die so einfach denken.). Dabei sind sie einmal mehr dem Medienmechanismus der Verkürzung durch Personalisierung auf den Leim gegangen.

 

Marc Raschke
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