Wenn der Applaus verstummt

24. Juni 2020

Warum darf ich nicht? - Die Augen zornig rot vor Wut, wild schnaubend steht der Angehörige vor dem Oberarzt. Er wolle da jetzt durch. Intensivstation? Papperlapapp, ihm doch egal. Da liege schließlich jemand aus seiner Familie. Und er habe ein Anrecht, ihn zu sehen. Der Oberarzt bemüht sich, den Angehörigen auf das geltende Besuchsverbot in Zeiten von Corona aufmerksam zu machen. Der Angehörige tobt. Corona sei doch jetzt wegen der vielen Demos ohne Masken eh schon überall, in so vielen Heimen und Krankenhäusern. Da sei sein Besuch jetzt auch nicht mehr so schlimm. - Eine halbe Stunde später wird der Angehörige von Pflegekräften dabei ertappt, wie er sich Zugang zur Intensivstation verschafft. Getarnt in entwendeter Schutzkleidung, wie sie sonst Ärzte und Pflegekräfte tragen.

Dieser Disput steht stellvertretend für so viele Geschichten, die Mitarbeiter*innen derzeit in Kliniken, aber auch in Pflege- und Altenheimen erleben. Da sind Angehörige, die auf dem Gang noch Maske tragen, aber sie dann im Zimmer abtun & erst mal alle ordentlich busserln. Oder es gibt Menschen, die fiebersenkende Mittel nehmen, um bei Temperaturkontrollen nicht aufzufallen & trotzdem ins Haus zu kommen.

Menschen, die vor knapp vier bis sechs Wochen als systemrelevant gefeiert wurden, werden jetzt angeschnauzt. Auch aus dem Lebensmitteleinzelhandel weiß ich z.B., dass der Geduldsfaden der Kundschaft sehr dünn ist. Und LKW-Fahrer bzw. Seeleute, die unsere Warenströme sichern, sind längst aus dem Blick geraten. - Wie soll das erst ab Herbst werden?

Jetzt sehen wir bereits an Wohnblocks in Göttingen und Berlin oder am Tönnies-Schlachthof in Gütersloh, dass Corona nicht vorbei ist & jederzeit überall (in Gütersloh sogar kreisweit und darüber hinaus) zum lokalen bzw. regionalen Lockdown führen kann. - Bleiben wir trotz aller Wut und Angst clever: Nur mit Solidarität schaffen wir diese Krise, die eben ein Marathon ist. Helfen wir Gütersloh. Helfen wir den Wohnblocks. Helfen wir Ort x, an dem das Infektionsgeschehen als nächstes ausbricht.

 

Marc Raschke
Leiter der Unternehmenskommunikation
Beurhausstraße 40
44137 Dortmund

Telefon +49 (0)231 953 21200
Mobil +49 (0)174 16 65 987
Fax +49 (0)231 953 98 20919
marc.raschke(at)klinikumdo.de

https://www.klinikumdo.de
http://www.facebook.com/klinikumdo
https://twitter.com/klinikumdo