Wissenschaft ist Detektivarbeit: Es hängt nicht immer alles mit allem zusammen

 

09. April 2020

Ein allseits beliebter Wissenschaftsjournalist hatte jüngst in einem Fernsehinterview einen etwas mutigen, weil „zu einfachen“ Bezug hergestellt, der mich aufhorchen ließ. Demnach sei Japan mit einer durchschnittlich recht alten Bevölkerung (-> Risikogruppe) nicht so stark von Covid betroffen, weil dort das Tragen eines Mundschutzes eine gewisse Tradition habe und der Verbrauch entsprechend groß sei. - Kann man so eine Korrelation so einfach herstellen?


Das wäre genauso, als würde ich sagen: Im Land x gibt es wenig Hautkrebsfälle, weil alle dort Sonnenmilch nehmen. Ist das wirklich so? Kann es nicht vielleicht auch so sein, dass dieses Land x einfach weniger Sonnenstunden hat? Oder sehr viel Wert auf Krebsvorsorge legt? Oder dort genetisch weniger kritische Hauttypen leben? Und nehmen wirklich mehr Leute dort Sonnenmilch als anderswo? Und wenn ja, welchen Lichtschutzfaktor für welche Haut? usw. Zumindest müsste das alles als Einflussfaktor vorab untersucht und ausgeschlossen werden. - Wissenschaft ist leider viel zu selten eine Aussage wie: Wenn a, dann b.


Auch die Online-Ausgabe eines bekannten bundesweiten Nachrichtenmagazins schreckte neulich mit der Headline, dass sich Covid-Viren bis zu 3 Stunden in der Luft halten. Und man kann sich denken: Schon gab es panische Mails an mich („Marc, kann das sein?“, „Marc, ich wusste es doch immer, dass es schlimmer ist.“). Auch hier bitte vorab sich selber feiner fragen: Welche Luft war es? Mit welcher Luftfeuchtigkeit & Temperatur (Flüssigkeiten verhalten sich je nach Außeneinfluss anders)? Stand die Luft oder war sie in Bewegung, war es gar windig (wenn ja, wie windig)? Gab es über die drei Stunden Veränderungen? Wie lag das Virus in der Luft vor (komplett und ansteckend oder in Resten und damit quasi tot)? usw.


Wissenschaft ist Detektivarbeit. Und manchmal ist genau das entscheidend und vielleicht sogar die Wende im Denken bringend, was in einem Artikel, einer Studie etc. ausgelassen wurde.

 

Marc Raschke
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