Corona-Glossar

Begriffe rund um den Corona-Virus schnell erklärt

Die Ausbreitung der Infizierungen mit dem Coronavirus verläuft exponentiell, weil eine Person ohne einschränkende Maßnahmen in der Regel mehrere andere Person ansteckt. Die Zahlen haben sich am Anfang der Epidemie fast überall innert weniger Tage verdoppelt. Das bedeutet, innerhalb von drei Wochen werden aus 10 Infizierten 20, dann 40, dann 80 usw., und dann bald über 10.000 Infizierte. Zeigt man dieses Wachstum mit einer linearen Kurve, steigt diese sehr steil nach oben. Bei einer logarithmierten Kurve ist die Y-Achse gestaucht, und das Wachstum wird besser sichtbar. Bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit gilt also: Je steiler die Kurve, desto schneller ist die Ausbreitung. Je flacher die Kurve, desto stärker gebremst ist sie.

Die meisten Grafiken zum Coronavirus zeigen die von Regierungen bestätigten Virusinfektionen. Diese Zahl hinkt stets der Realität hinterher. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der effektiv mit dem Virus infizierten Personen überall höher liegt als die Zahl der bestätigten Fälle. Zum einen werden in vielen Ländern nur Risikopatienten und Patienten mit starken Symptomen getestet. Zum anderen verstreichen zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome etwa fünf Tage, und auch der Sars-CoV-2-Test und dessen Auswertung brauchen Zeit.

Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegserkrankung trägt den Namen "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019)..

Eine Epidemie ist ein grosser Ausbruch einer Krankheit innerhalb eines bestimmten Zeitraums in einer bestimmten Region. Im Vergleich zur Ausgangssituation werden viele Menschen mit einheitlicher Ursache krank. Der Begriff bezieht sich meist auf Infektionskrankheiten. Es kann sich um eine besonders hohe Zahl an Erkrankungen, eine besondere gesellschaftliche Bedeutung oder eine Gefährdung vieler Personen handeln, muss aber nicht. Im üblichen Sprachgebrauch wird eine Epidemie aber meist mit diesen Merkmalen verknüpft.

Das ist die zweite Strategie, die eine Gemeinschaft im Kampf gegen eine Epidemie wählen kann. Ab einer bestimmten Fallzahl funktioniert die Containment-Strategie nicht mehr – dann kann man die Ausbreitung nicht mehr stoppen, sondern nur noch verlangsamen. Es werden Maßnahmen angewendet, die vor allem darauf abzielen, die Kontakte zwischen Menschen zu minimieren: Schulen, Geschäfte und Büros werden geschlossen, das öffentliche Leben wird lahmgelegt. Die Menschen sollen wenn immer möglich zu Hause bleiben.

Es gibt zwei Strategien, mit der eine Gesellschaft gegen eine Epidemie vorgehen kann. Beim Containment ist das Ziel, die Epidemie zu stoppen. Diese Strategie kann ein betroffenes Land am Anfang des Ausbruchs wählen, wenn es eine überschaubare Anzahl Fälle gibt. Beim Containment wird die Verbreitung einer Krankheit innerhalb einer Gemeinschaft genau verfolgt, gegebenenfalls auch mit dem Einsatz von Apps. Infizierte werden identifiziert und dann strikt isoliert. Beim Contact-Tracing werden die Personen gesucht, mit der die Person in engem Kontakt war, und ebenfalls isoliert.

Bei Infektionskrankheiten wie Covid-19 nimmt die Ausbreitung oft einen exponentiellen Verlauf. Die Infektionskurve verläuft steil nach oben und soll abgeflacht werden; daher kommt der Ausdruck «flatten the curve». Im Prinzip will man die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. Das Ziel: dafür sorgen, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig erkranken, ins Spital müssen und das Gesundheitssystem überlasten. Anstatt einer gleichzeitigen Erkrankung vieler Menschen sollen sich die Erkrankungen auf einen längeren Zeitraum verteilen. Der Ausdruck beschreibt das Gleiche wie die «Mitigations»-Strategie, bezieht sich aber auf die Statistik.

Wie bei vielen Infektionskrankheiten geht man auch bei Covid-19 davon aus, dass die Menschen nach überstandener Krankheit immun werden, sich also nicht erneut anstecken können. Wenn eine bestimmte Zahl von Menschen in der Bevölkerung gegen einen Krankheitserreger immun ist, kann sich der Erreger nicht weiter ausbreiten, das nennt man Herdenimmunität. Dadurch sind dann auch jene Personen relativ gut vor der Erkrankung geschützt, die selbst nicht immun sind. Experten rechnen erst mit Herdenimmunität, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert waren.

Zurzeit gibt es keinen Impfstoff zum Schutz vor Covid-19. Laut dem Verband der deutschen Pharmaunternehmen gibt es zurzeit mindestens 80 Forschungsprojekte, die nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus suchen. Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffs mehrere Jahre. Diesmal soll es schneller gehen..

Eine infizierte Person kann nicht nur, wenn sie Husten oder Fieber hat, andere mit dem Virus anstecken, sondern auch schon davor. Das bedeutet, viele Menschen sind bereits ansteckend, noch bevor sie wissen, dass sie selbst infiziert sind. In einer Studie aus Hongkong haben Forscher herausgefunden, dass 44 Prozent der Übertragungen schon vor Symptombeginn geschehen. Anders gesagt: Die untersuchten Patienten waren im Mittel am Tag bevor sie sich das erste Mal krank fühlten am stärksten ansteckend. Diese Tatsache macht es auch so schwierig, die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen oder einzudämmen. Nach einer Woche mit Symptomen waren die Patienten nicht mehr ansteckend.

Die Inkubationszeit beschreibt die Zeit vom Tag der Ansteckung bis zu dem Tag, an dem sich erste Symptome zeigen. Beim Coronavirus gehen die Wissenschafter inzwischen von einer Inkubationszeit von 5 bis 6 Tagen aus. Diese 5 bis 6 Tage sind aber ein Mittelwert. Einige wenige Patienten weisen sogar erst nach bis zu 14 Tagen nach der Ansteckung Symptome auf. An diese Werte angelehnt sind die gängigen Isolations- und Quarantäne-Empfehlungen von 14 Tagen.

Wie lange dauert es von der Ansteckung mit einem Virus bis zu dem Zeitpunkt, wo man selbst ansteckend ist? Diese Zeitspanne wird Latenzzeit genannt. Bei Sars-CoV-2 ist dieser Wert unter realistischen Bedingungen kaum messbar, daher gibt es bis anhin wenig verlässliche Angaben. In einer Studie mit Daten aus sieben Ländern wird die Latenzzeit auf etwa 2,5 Tage ab der Infektion geschätzt. Andere Studien schätzen den nichtinfektiösen Zeitraum auf 3,5 bis 4 Tage nach Infektion.

Wird auch Tödlichkeit genannt. Die Letalität oder Tödlichkeit gibt an, wie viele der Infizierten an einer bestimmten Infektion sterben. Nicht zu verwechseln ist die Letalität mit der Mortalität, die die Anzahl Toten einer Krankheit auf die Gesamtbevölkerung angibt. Die Mortalität ist erst dann bekannt, wenn die Epidemie vorbei ist.

So heisst der neuartige Krankheitserreger, der sich momentan weltweit verbreitet und die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Die WHO gab dem Virus den Namen «Severe Acute Respiratory Syndrome»-Coronavirus-2, abgekürzt «Sars-CoV-2», um es vom Sars-Erreger abzugrenzen, der 2003 und 2004 zu einer Pandemie führte. Das neuartige Virus gehört zur Familie der Coronaviren, die bei Tieren oder Menschen Krankheiten verursachen können. Beim Menschen sind mehrere Coronaviren dafür bekannt, dass sie Atemwegsinfektionen auslösen, von einer Erkältung bis hin zu schwereren Krankheiten wie Sars.

Eine Strategie, die zur Mitigation oder Verlangsamung gehört. Um die Kurve so flach wie möglich zu halten, sollen die Menschen möglichst Abstand voneinander halten, wenn sie sich begegnen. Denn eine Ansteckung mit dem Coronavirus kann erfolgen, wenn man einer erkrankten Person sehr nahe kommt. In der Schweiz wie in den meisten anderen Ländern sollen die Menschen wenn immer möglich zu Hause bleiben und sich nur für das Nötigste draussen aufhalten, etwa zum Einkaufen oder, wenn es nicht anders geht, um zur Arbeit zu gelangen.

Die Verdopplungszahl ist die Zeitspanne, in der sich die Zahl der Coronavirus-Ansteckungen in einem Land oder einer Region verdoppelt hat. Wenn sich die Fallzahl in unter vier Tagen verdoppelt, ist die Zunahme schnell und ungebremst. Verdoppelung in vier bis acht Tagen heisst moderat und ungebremstes Wachstum, ab acht Tagen ist die Ausbreitung gebremst. Wenn sich die Zahlen nur noch alle 30 Tage verdoppeln, dann ist die Ausbreitung stark gebremst oder gestoppt.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung