Kopf-Hals-Onkologie und Radiologie

In Zusammenarbeit mit der Akademie für Medizinische Fortbildung der ÄrztekammerWestfalen-Lippe

Magnet statt Schraube? So wird neue Generation von Hör-Implantaten am ...

Früher wurden Spezial-Hörgeräte von außen regelrecht an den Schädelknochen geschraubt, heute reicht...

Das Leben geht weiter: Selbsthilfe für Kehlkopfoperierte feiert ...

Gute Zusammenarbeit mit der HNO-Klinik im Klinikum Dortmund: Die Aktiven der Selbsthilfegruppe (SHG)...

HNO-Klinik ist nun offiziell "Förderer der Selbsthilfe"

Die Förderung der Selbsthilfe ist dem Cochlea-Implantat (CI) Zentrum Dortmund ein ganz besonderes...

Per "GPS" durch die Nase: HNO-Ärzte vom Klinikum Dortmund operieren ...

Das Frühjahr ist Allergikern ein Graus. Die Nase, verstopft. Die Schleimhäute, angeschwollen. Leicht...

Interview

In den USA trägt man gern die "Sattelnase", die fast schon an eine Sprungschanze erinnert. Aber auch die „Goldman-tip“ ist beliebt, eine Nasespitze, die auffallend schmal zuläuft. Ästhetische Korrekturen am Riechorgan nehmen zu, selbst in Deutschland lassen sich immer mehr Patienten die Nase richten. Prof. Dr. Thomas Deitmer, Direktor der HNO-Klinik am Klinikum Dortmund, erklärt im Interview, in welchen Fällen die Operation von der Krankenkasse übernommen wird, warum sie nicht ambulant erfolgen sollte – und wieso bei einigen Patienten nicht wirklich die Nase das Problem ist.

Prof. Deitmer, wenn ich eine Schönheitsoperation möchte, gehe ich doch nicht zu einem HNO-Arzt, oder etwa doch?

Prof. Dr. Deitmer: Wenn Sie ein Facelift wollen, muss ich Sie in der Tat enttäuschen. Das machen wir an unserer Klinik nicht, wobei es natürlich schon mal vorkommen kann, dass wir hier und da eine hässliche Narbe korrigieren. Aber kosmetisch-ästhetische Operationen beschränken sich in unserer Klinik lediglich auf Nase und Ohr.

Nasenkorrekturen sind ein stetig wachsender Markt. Inwiefern lässt sich hier unterscheiden zwischen einer tatsächlichen Funktionsstörung der Nase und einer eher plastisch-ästhetischen Korrektur?

Prof. Dr. Deitmer: Das ist in der Praxis nicht immer einfach. Viele Menschen, die z.B. eine krumme Nase haben, leiden schließlich auch unter innerlichen Beschwerden. Denken Sie zum Beispiel an eine Nasenscheidewand, die schief steht. Oder an Nasenmuscheln, die zu dick sind. Bei HNO-Operationen geht es meist eher um die Wiederherstellung einer Funktion der Nase, also zum Beispiel um das Luft holen oder Riechen.

Kommen Sie als HNO-Spezialist sich da nicht mit Ihren Kollegen aus der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) ins Gehege?

Prof. Dr. Deitmer: Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen haben traditionell eher mit Nasenoperationen zu tun, die aus einer Lippenkiefergaumenspalte herrühren. Diese Nasen zu korrigieren, ist sehr schwierig, und einige MKG-Chirurgen haben sich genau darauf spezialisiert. Wir haben aber mit den Kieferchirurgen keinen Streit, wenn Sie das meinen. Ganz im Gegenteil: Wir arbeiten da sehr kooperativ zusammen und ergänzen uns jeweilig.

Wird eine Nasen-OP von der Krankenkasse übernommen?

Prof. Dr. Deitmer: Das kommt darauf an, ob sie nötig ist, um die Funktion zu verbessern. Wenn es zu äußeren Korrekturen der Nase kommen soll, sprechen wir das vorher mit der Krankenkasse des Patienten ab. Das wird nämlich oft sehr unterschiedlich gesehen. Es kommt aber immer wieder vor, dass Patienten mit einer schlechten Nasenatmung im Beratungsgespräch fragen, ob wir nicht auch noch mal eben rasch den Höcker auf der Nase machen könnten.

Und, können Sie?

Prof. Dr. Deitmer: Das müssen wir natürlich als Mediziner im Einzelfall beurteilen. Wenn die Nase derart krumm ist, dass wir die Funktion nur wieder hinbekommen, indem wir auch die Nase äußerlich begradigen, dann hängt natürlich beides zusammen und wird auch entsprechend von der Krankenkasse übernommen. Auch nach Verletzungen, wenn eine Nase eingebrochen ist, wird meist die komplette Korrektur der Nase durch die Versicherung übernommen.

Und wenn der Höcker quasi als On-Top-Anfrage vom Patienten kommt?

Prof. Dr. Deitmer: Dann raten wir Patienten, dass sie ihre Krankenkasse fragen sollen, ob auch die äußere Korrektur mitgezahlt wird. Oftmals verneint die Krankenkasse aber. Wir sprechen dann wieder mit dem Patienten. Und wenn er immer noch will, kann er diese äußere Nasenkorrektur aus eigener Tasche bezahlen. Dann kommen im Schnitt noch mal 1000 bis 1500€ extra hinzu. Wir schließen mit ihm wie bei einem Privatpatienten einen Vertrag. Und das teilen wir der Krankenkasse auch mit.

Aber wieso, die ist doch daran gar nicht beteiligt?

Prof. Dr. Deitmer: Doch, doch. Schließlich nutzen wir ja die von ihnen bezahlte Narkose mit, um auch noch die äußere Nasenkorrektur vorzunehmen. Auch bei eventuellen Komplikationen, die aus der individuellen Gesundheitsleistung entstehen, müsste im Zweifel dann der Patient die Kosten selbst tragen.

Das lässt sich im Einzelfall so scharf trennen?

Prof. Dr. Deitmer: Das ist die Frage, es ist bislang noch nie eingetreten. Aber natürlich müssen wir unsere Patienten vorher darüber aufklären. Deshalb nehmen wir auch die Krankenkasse immer mit ins Boot und bemühen uns gegenüber allen Beteiligten um größtmögliche Transparenz. Aber ich kann Sie beruhigen: Es ist bisher auch noch nie passiert, dass uns die Krankenkasse verboten hat, eine von ihr bezahlte Narkose für so eine privatärztliche Zusatzleistung mitzubenutzen. Das ist für viele Patienten dann ein gangbarer Weg. Wenn sie nämlich alles selbst bezahlen müssen, also Narkose, Operation, stationärer Aufenthalt usw., liegen die Kosten für eine solche OP bei 5000 bis 6000€.

In den USA werden Nasenkorrekturen inzwischen sogar schon ambulant angeboten. Was halten Sie davon?

Prof. Dr. Deitmer: Ich persönlich halte nicht viel davon. Es gibt natürlich solche Angebote auch in Deutschland. Aber wenn man einen Patienten nach einem ambulanten Eingriff direkt nach Hause schickt und es dort zu Nachblutungen kommt, ist die Not groß. Im Gegensatz zu den USA haben wir in Deutschland außerdem nicht die Infrastruktur, dass neben einem Krankenhaus auch ein Hotel liegt, wo der Patient dann nach einem Eingriff kostengünstig, aber eben in der Nähe zum Krankenhaus untergebracht werden kann.

Für Patienten soll es besonders unangenehm sein, wenn sie nach der Operation die Tamponaden gezogen bekommen, die in der Nase die Blutungen stoppen.

Prof. Dr. Deitmer: Auch da kann ich beruhigen. Das Entfernen dieser Tamponaden ist inzwischen besser geworden. Früher nahm man für die Tampons reine Baumwolle, heutzutage nimmt man etwas, das mit Latex ummantelt ist und besser gleiten kann. Meist kommen die Tamponaden in unserer Klinik auch schon nach 24 bis 48 Stunden raus. Im Gegensatz zu früher, wo Patienten die Tamponaden sechs bis sieben Tage in der Nase lassen mussten, ist das natürlich schon ein Fortschritt. Für die Zeit der Tamponade baue ich den Patienten auch kleine Luftröhrchen ein, damit sie trotz Tamponade Luft kriegen.

Warum kann man eigentlich nicht ohne Tamponade auskommen?

Prof. Dr. Deitmer: Das ist schwierig, vor allem, wenn Sie an den Nasenmuscheln operieren. Das sind Schwellkörper in der Nase, die man gern mit Laser behandelt. Das ist derzeit übrigens sehr en vogue, ich bin da aber eher skeptisch. Wenn man nämlich die Nasenmuscheln mit einem thermischen Medium, also mit einem heißen Laser, behandelt, weiß man oft nicht genau, wie viel von der Muschel eigentlich zerstört wird. Deshalb setze ich unsere Laser für diesen Zweck nur sehr ungern ein.

Was ist daran so schlimm, wenn etwas mehr Nasenmuschel als beabsichtigt entfernt wird?

Prof. Dr. Deitmer: Wenn man von den Nasenmuscheln zu viel weg nimmt, ist quasi die Klimaanlage der Nase kaputt. Die Muscheln erwärmen und befeuchten nämlich die Atemluft. Wenn die Nasenmuscheln entfernt sind, kriegen Sie zwar phantastisch Luft, keine Frage. Aber sie merken auch, dass die Nase trocken wird. Sie kriegen Krusten und spüren auch kaum noch, dass sie Luft einatmen.

Wie sieht die Vorbereitung auf eine Nasen-OP aus?

Prof. Dr. Deitmer: Ich spreche mit den Patienten eingehend, verzichte allerdings auf diese Vorher-nachher-Bilder am Computer. So eine Software gibt es zwar, aber ich benutze sie allerdings nicht, weil es ja beim Patienten den Anschein erweckt, ich könnte pixelgenau operieren. Wenn der Patient dann noch den Ausdruck der gewünschten Nase mitbekommt, ist die Verlockung natürlich groß, nachher zu überprüfen, ob es denn auch wirklich so wie auf dem Bild geworden ist. Aber ob eine Nase auch wirklich haargenau so wird, hängt von der Biologie der Abheilung nach der Operation ab. Und das kann man nur bedingt beeinflussen. Ich spreche aber auch mit dem Patienten, um vorab zu klären, ob man den Patienten mit der Operation zufrieden stellen kann. Ich operiere nur jene Patienten, von denen ich der Überzeugung bin, dass die auch noch in einem Jahr sagen werden: "Das war gut!"

Also müssen Sie in gewisser Hinsicht auch Psychologe sein.

Prof. Dr. Deitmer: Ja, wenn Sie z.B. jemanden mit nahezu perfekter Nase vor sich haben, der aber eine Zeitschrift aus der Tasche holt und genau die Nase wie Schauspielerin x oder Sänger y haben will, dann muss man sagen, dass es rein technisch schwierig ist, den Anspruch der Patientin zu erfüllen. Zwei Millimeter Korrektur sind nämlich sehr schwer umsetzbar. Zu allem Überfluss kommt hinzu, dass dieser Patient offenbar eine sehr kritische Selbstwahrnehmung hat. Diesen Patienten werden Sie also mit hoher Wahrscheinlichkeit nach der Operation nicht zufrieden gestellt haben.

Es soll in High-Society-Kreisen ja inzwischen schon ganz markant korrigierte Nase geben, die nach ihren Operateuren benannt sind.

Prof. Dr. Deitmer: Ja, es gibt immer wieder auch Trends. In den USA ist es zum Beispiel gerade sehr beliebt, eher eine leichte Sattelnase zu machen. Das ist eine Nase, die eher wie eine Sprungschanze aussieht. Das kennt man vorzugsweise von der Westküste. Und dann gibt es auch - das ist sogar ein feststehender Begriff - den "Goldman-tip": Bei dieser Technik wird die Nasenspitze sehr fein und spitz gemacht, so dass hingegen wieder die Frage entsteht, ob der Patient damit genug Luft bekommt.