2. Interdisziplinäre Fallkonferenz - Herz und Hirn – Update 2018

Mittwoch, 14. Februar 2018, 16:15 – 20:00 Uhr, im Lensing Carrée Conference Center Dortmund

Focus-Klinikliste 2017: Klinikum Dortmund unter den Top-Kliniken

Hohe Reputation und medizinische Qualität

Per Infrarot ins Gefäß geschaut: Kardiologen entdecken frühzeitig ...

In ein Blutgefäß hinein schauen, ohne es öffnen zu müssen: Das ist seit kurzem mit der neuen...

In sechzig Sekunden drei Leben gerettet: Kardiologen helfen ...

Außergewöhnlicher Eingriff im Katheterlabor

Wenn die Luft wegbleibt: Herz oder Lunge – wer ist „schuld“?

Das Herz und die Lunge sind die beiden wichtigsten Organe, die dazu beitragen, dass sich Menschen...

Kardiologie

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Ablation bei Vorhofflimmern

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06.11.2017 - Das "schwache Herz" - Chat anlässlich Dt. Herzwoche

Strukturelle Herzerkrankungen

Ein Vorhofseptumdefekt (ASD) ist eine offene Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens, die schon von Geburt an besteht. Wir möchten Ihnen einige Hintergrundinformationen geben, die Ihnen helfen sollen, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die für Sie persönlich beste Behandlungsform festzulegen.

Was ist ein "ASD"?

Aus noch nicht gänzlich geklärten Ursachen kann ein Teil des Gewebes an der Vorhofscheidewand fehlen, wodurch ein Loch zwischen den beiden Vorhöfen entsteht. Dieses Loch wird ASD genannt. Wenn sich das Loch etwa im Zentrum der Vorhofscheidewand befindet (wie es bei Ihnen der Fall ist), bezeichnet man es als ASD II (ASD vom Typ secundum). Durch diese unnatürliche Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen vermischt sich das ,,aufgefrischte", mit Sauerstoff neu angereicherte Blut (aus dem linken Vorhof) mit dem sauerstoffarmen Blut (aus dem rechten Vorhof), das zum ,,Auftanken" durch die Lunge fließt.

Wie macht sich ein ASD bemerkbar?

Je nach Größe dieses Loches zwischen den beiden Vorhöfen ist der Patient verschieden schweren Beeinträchtigungen ausgesetzt. Zunächst kann es sein, dass sich solch ein Defekt gar nicht bemerkbar macht. Dies ist meistens der Fall bei einem kleinen Loch, jedoch können auch größere Löcher anfangs keine klinischen Symptome verursachen.
Mit der Zeit treten jedoch zunehmende Beschwerden auf. Erwachsene Patienten mit einem ASD erfahren zunehmend Beschwerden in Form von Atemnot bei Belastung, Herzrhythmusstörungen und eventuell unregelmäßigem Puls, chronischer Atemwegsinfektion, bläulichen Lippen und bläulicher Zunge. Neigung zu Embolien (Verstopfungen) von Hirngefäßen, Veränderungen bzw. Verdickung der Lungengefäße. All dies bedeutet eine zunehmende Mehrbelastung des Herzmuskels, bis er schließlich versagt, wodurch definitiv das Leben verkürzt wird. Wenn auch die überwiegende Mehrzahl (96%) der erwachsenen Patienten mit einem ASD mehr oder weniger starke Beschwerden aufweist, gibt es Patienten (etwa 4 %) mit ASD, die auch in hohem Alter kaum Beschwerden haben.
Medikamente können den überlasteten Herzmuskel unterstützen, indem sie z. B. bei Wasseransammlungen in Lunge, Beinen oder Bauch die Harnausscheidung fördern oder Unregelmäßigkeiten des Herzschlages beseitigen. Dagegen ist es nicht möglich, den Defekt in der Vorhofscheidewand durch medikamentöse Behandlung zu beheben. Nur eine Operation oder der Verschluss mit einem Kathetersystem kann hier helfen. Die Behandlung sollte durchgeführt werden, bevor durch den Defekt eine Schädigung des Herzmuskels eintritt, die dann nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Das Operationsverfahren

Die Standardtherapie für den Verschluss eines Vorhofseptumdefektes stellt die Operation am offenen Herzen dar. Das Risiko bei dieser Operation zu sterben oder durch schwere Komplikationen dauerhaft geschädigt zu werden, liegt unter 1%. Offene Herzoperationen zum Verschluss eines Vorhofseptumdefektes werden seit ca. 30 Jahren durchgeführt.
Die Nachteile einer Operation liegen in der operativen Eröffnung des Brustkorbes, in der Eröffnung des Herzens, der Operation am stillstehenden Herzen an der Herz-Lungen-Maschine, möglicherweise in der Gabe von Fremdblut, den möglichen operativen Komplikationen, dem Krankenhausaufenthalt von ca. 10 Tagen, den psychischen Folgen und eventuellen postoperativen Herzrhythmusstörungen.

Das Katheterverfahren

Aus diesen Gründen wurden in den letzten Jahren Methoden entwickelt, um solche Defekte ohne Operation verschließen zu können. Mit dem in unserer Klinik bevorzugten Herzkatheterverfahren (AMPLATZER, Fa. AGA Medical Corporation) sind wir überzeugt, eine nicht-operative Methode anzuwenden, die für Sie schonend ist und die zu fordernde Sicherheit bietet. Diese Methode wurde in den USA entwickelt und seit 1996 bei mehreren hundert Tausend Patienten erfolgreich angewendet. Es handelt sich bei dem Amplatzer Septal Occluder um einen aus Nitinoldrahtgeflecht geformtes Doppelschirmchen mit im Geflecht fixierten Polyesterflicken. Dieses Schirmchen kann mit Kathetertechnik im Vorhofseptum implantiert und somit ohne Operation der Vorhofseptumdefekt verschlossen werden. Die Materialien, aus denen dieses Schirmchen hergestellt wurde (Nitinoldrahtgeflecht und Polyesterflicken) sind nach heutigem Kenntnisstand verträglich und nebenwirkungsfrei.

Ihr Herzfehler erscheint aufgrund der durchgeführten Voruntersuchungen günstige Voraussetzungen zu haben, mit dieser Methode erfolgreich behandelt zu werden. Allerdings kann erst im Herzkatheterlabor nach gründlicher Untersuchung des Herzens mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob der Defekt mit dem neuen Verschlussverfahren behandelt werden kann. Aus diesem Grund führen wir zunächst eine normale Herzkatheteruntersuchung durch. Gleichzeitig wird eine Ultraschallsonde in die Speiseröhre eingeführt, die uns weitere wichtige Informationen über das Loch in der Vorhofscheidewand liefert. Sind die Voraussetzungen für einen nicht-operativen Verschluss günstig, wird mit der Untersuchung fortgefahren. Ansonsten wird die Untersuchung beendet, und wir werden mit Ihnen die Herzoperation planen müssen.

Vorgehensweise mit dem Verschluss System

Bei dem Katheterverfahren dient eine kleines, dem Loch in der Vorhofscheidewand des Herzens genau angepasstes Doppelschirmchen dem Verschluss. In einem Katheter, der von einer Vene der Leiste bis in das Herz vorgeführt ist, wird das zusammengefaltete Schirmchen bis über das Loch im Herzen vorgeschoben. Dort wird der Schirm aus dem Katheter vorgeschoben, so dass er sich entfalten und im Defekt fixiert werden kann. Die Implantation wird unter Röntgendurchleuchtung vorgenommen, die exakte Positionierung des Systems wird mittels Ultraschall sichergestellt. Unter Umständen ist eine Vollnarkose oder eine Kurznarkose notwendig, in der eine Ultraschalluntersuchung von der Speiseröhre aus vorgenommen wird. Erst wenn wir von seiner korrekten und sicheren Lage im Defekt überzeugt sind, wird der Schirm von seinem Haltemechanismus gelöst. Anschließend kann die Untersuchung nach nochmaliger Lagekontrolle des Schirmchens beendet werden. Das implantierte System wird innerhalb von ca. 3-6 Wochen von körpereigenem Gewebe überwachsen und eingeschlossen.

Die Untersuchung einschließlich des Defektverschlusses dauert etwa 1 Stunde. Gelegentlich kann sich die Zeit verlängern, aber in der Regel werden Sie nur wenig Unbehagen fühlen.
Falls der Eingriff nicht erfolgreich sein sollte, besteht die Möglichkeit, auf konventionelle Weise zu operieren, um den Defekt zu verschließen.

Was ist ein "offenes foramen ovale"?

Das offene foramen ovale (nachfolgend mit der im medizinischen Sprachgebrauch üblichen Abkürzung ,,PFO" bezeichnet) ist ein zumeist kleiner, wenige Millimeter großer membranbedeckter Schlitz in der Scheidewand zwischen den Vorhöfen des Herzens. Es handelt sich um ein Überbleibsel aus der Embryonalentwicklung des Menschen. In der Regel verschließt es sich während der Neugeborenenperiode. Bei 10-25% aller Menschen verbleibt jedoch eine kleine Öffnung, die in aller Regel keinerlei Krankheitswert hat. Das PFO wird häufig als harmloser Zufallsbefund bei einer Herz­-Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) festgestellt.

Wann kann ein PFO Probleme bereiten?

Immerhin 30% aller Schlaganfall-Patienten sind jünger als 65 Jahre. Während beim älteren Men­schen Schlaganfälle zumeist auf dem Boden von degenerativen Gefäßerkrankungen (Arteriosklero­se, ,,Gefäßverkalkung") entstehen, findet sich bei jüngeren Schlaganfall-Patienten häufig keine zu­grundeliegende Gefäßkrankheit. In einer Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen bei jün­geren Schlaganfall-Patienten hat sich gezeigt, dass diese Patienten wesentlich häufiger ein PFO hat­ten, als Patienten ohne Schlaganfall. Darüber hinaus ist bei Patienten mit PFO, die bereits einen Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung (sog. ,,TIA" oder ,,PRIND") hatten, das Risiko, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöht (auf bis zu 4% pro Jahr). Insge­samt muss man also feststellen, dass ein PFO ein deutlicher Risikofaktor für Schlaganfälle bei jünge­ren Patienten darstellt.

Ist das PFO wirklich Ursache des Schlaganfalls gewesen?

Wenn bei einem Schlaganfall-Patienten ein PFO festgestellt wird, ist damit noch nicht bewiesen, dass dieser Schlaganfall oder die vorübergehende Durchblutungsstörung tatsächlich durch das PFO hervorgerufen wurde. Bevor wir das PFO als wahrscheinliche Ursache ,,anschuldigen“ und daraus therapeutische Konsequenzen ergreifen, müssen eine Reihe anderer möglicher Ursachen für einen Schlaganfall ausgeschlossen werden:

  • Verschlüsse oder hochgradige Engstellen (Stenosen) von hirnversorgenden Gefäßen sollten mittels Ultraschall ausgeschlossen werden.
  • Eine angeborene Blutgerinnungsstörung sollte durch Blutuntersuchungen in einem Speziallabor ausgeschlossen werden
  • Das Vorliegen einer Herzrhythmusstörungen die häufig zu Schlaganfällen führen kann (sog. Vorhofflimmern), sollte mittels EKG ausgeschlossen werden.
  • Ein Herzklappenfehler, Blutgerinnsel im Herzen oder arteriosklerotische Veränderungen der Hauptschlagader sollten mit einer transoesophagealen Echokardiographie (Herz-Ultraschall durch die Speiseröhre ausgeschlossen werden.

Wenn alle diese Untersuchungen unauffällige Befunde ergeben, verbleibt das PFO als einziger be­kannter Risikofaktor und muss dann als wahrscheinliche Ursache für den Schlaganfall gelten.

Welche Möglichkeiten gibt es, weiteren Schlaganfällen vorzubeugen?

Bei Patienten mit bereits stattgehabtem Schlaganfall oder vorübergehender Durchblutungsstörung und nachgewiesenem PFO als einzigem oder vorwiegenden Risikofaktor sind prinzipiell fünf ver­schiedene Vorgehensweisen denkbar:

  • Zuwarten, d.h. gar nichts unternehmen. Hierbei verbleibt das statistische Risiko, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden bei bis zu 4% pro Jahr.
  • Aspirin-Dauertherapie. Es gibt keine wissenschaftliche Erkenntnisse, ob diese für Pati­enten mit gefäßbedingtem Schlaganfall zum Standard gehörende Therapie bei jüngeren Patienten mit PFO einen ausreichenden Nutzen hat.
  • Marcumar-Therapie (Blutgerinnungshemmung; ,Blutverdünnung"). Bei dieser Be­handlung muss aufgrund des Blutungsrisikos eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Die optimale Behandlungsdauer (6 Monate, 1 oder 2 Jahre, Dauertherapie) ist gegenwärtig noch unklar.
  • Operativer Verschluss des PFO. Der hierzu nötige Eingriff ist klein und mit recht ge­ringem Risiko behaftet; es handelt sich jedoch um eine chirurgische Operation am offe­nen Herzen.
  • Nicht-operativer Verschluss des PFO. Hierbei wird im Rahmen einer Herzkatheter-­Untersuchung ein sogenanntes ,,Schirmchen" eingebracht, welches den Schlitz in der Vorhofscheidewand verschließt (s.u.).
Welche Möglichkeit ist für mich persönlich die beste?

Leider lässt sich auf diese Frage gegenwärtig noch keine allgemeingültige, für alle Patienten zutref­fende Antwort geben. Aufgrund des gegenwärtigen Standes der medizinischen Wissenschaft ist die Therapie-Auswahl bei Schlaganfall-Patienten mit PFO eine individuelle Entscheidung, die vom Patienten gemeinsam mit allen behandelnden Ärzten (Neurologe, Hausarzt, Kardiologe) unter Be­rücksichtigung der Besonderheiten des Einzelfalls getroffen werden sollte. Dieses Informationsblatt dient nur zu Ihrer Orientierung und ersetzt keinesfalls das persönliche ärztliche Aufklärungsge­spräch.

Wie funktioniert ein nichtoperativer Verschluss?

Der nichtoperative Verschluss wird im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung vorgenommen. Hierzu erfolgt die Punktion der großen Oberschenkelvene in der Leistenbeuge; über diese Punktionsstelle (eine 3-4 min große Öffnung) werden sämtliche benötigten Katheter und auch das Verschlusssystem selbst eingeführt. Es stehen mittlerweile verschiedene Verschlusssysteme zur Herzkatheter-Behandlung des PFO zur Verfügung. Der von uns verwendete Verschlussmechanismus besteht aus einem vorgeformten, feinen Metall-Geflecht, das an zwei miteinander fest verbundene Schirmchen erinnert. Der Verschluss erfolgt, indem auf jeder Seite des schlitzförmigen PFO eines der Schirmchen entfaltet wird, während der Mittelteil im PFO liegt. Nach Entfernung sämtlicher Katheter aus dem Herzen verbleibt nur das Schirmchen selbst. Im Laufe der folgenden Wochen wächst das Metallgeflecht fest ein und wird vom menschlichen Organismus nicht mehr als Fremdkörper wahrgenommen.

Gibt es auch mögliche Komplikationen und Risiken?

Bislang liegen keine sog. randomisierten Multicenter Studien vor, die eindeutig belegen, dass der ka­theter-interventionelle Verschluss des PFO anderen Behandlungen eindeutig überlegen ist. Keine medizinische Methode, sei es die medikamentöse, operative oder katheterinterventionelle Therapie bietet eine 100 %ige Erfolgsrate, so dass auch wir Ihnen trotz Einhaltung jeder nur er­denklichen ärztlichen Sorgfalt nicht garantieren können, dass der Eingriff den gewünschten Erfolg, nämlich den vollständigen Verschluss des PFO nach sich zieht. Bei primär unvollständigem Ver­schluss, d.h. einer verbleibenden Restlücke, schließt sich das PFO häufig beim Einwachsen des Schirmchens in den darauffolgenden Wochen vollständig.

Es sind mittlerweile jedoch weltweit mehrere Tau­send Patienten mit solchen Verschlusssystemen behandelt worden und die Therapie hat sich als si­cher und effektiv erwiesen. Dennoch verbleiben leider bei jedem medizinischen Eingriff gewisse Risiken. Wir können Ihnen in dieser Info nur einen allgemeinen Überblick geben. Auf die näheren Umstände, wie vor allem die Schwere der Erkrankung, die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Behandlung, auf andere Behandlungsmöglichkeiten und auf Vorerkrankungen und Begleiterschei­nungen, die das Behandlungsrisiko erhöhen können, gehen wir in einem persönlichen Aufklärungs­gespräch ein.

Die Geräte-Alternative zur Marcumar-Therapie für Patienten mit Vorhofflimmern

Wer kann davon profitieren?

Die WATCHMANI" Verschluss-Technologie für das linke Vorhofohr ist CE zertifiziert und für den Verkauf zugelassen. Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern, die wegen potenzieller Blutgerinnsel Bildung behandelt werden müssen und gerinnungshemmende Medikamente wie Coumadin oder Marcumar einnehmen können, kommen möglicherweise für eine Behandlung mit dem WATCHMAN - System infrage. Lesen Sie weiter, um weitere Informationen zu erhalten.

Haben Sie Vorhofflimmern, aufgrund dessen Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen?

Wenn ja, kommen Sie möglicherweise für eine Behandlung mit dem WATCHMAN-System infrage, mit dem Sie langfristig keine blutverdünnenden Medikamente mehr einnehmen müssen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie ein Kandidat für diese Behandlung sind.

Indikationen für die Anwendung

Die WATCHMAN Verschluss-Technologie für das linke Vorhofohr soll die Freisetzung von Thromben (Blutgerinnseln) verhindern, die sich bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern im linken Vorhofohr bilden können, um das Auftreten von ischämischen Schlaganfällen (Unterbrechung der Gehirndurchblutung) und der systemischen Verschleppung von Blutgerinnseln (durch den Körper) zu reduzieren.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die oberen Kammern des Herzens (die Herzvorhöfe) zu schnell schlagen. Diese Erkrankung kann dazu führen, dass das Blut stagniert und sich Blutgerinnsel in einem Bereich des Herzens bilden, der Vorhofohr oder auch Herzohr genannt wird. Jeder Mensch hat ein linkes Vorhofohr. Es ist ungefähr so groß wie der Daumen und sieht wie eine kleine Tasche oben auf dem Herzen aus. Wenn sich ein Blutgerinnsel bildet, kann sich das Risiko erhöhen, dass Sie einen Schlaganfall erleiden oder andere ähnliche Probleme haben werden.

Blutverdünnende Medikamente

Es stehen Therapien zur Verfügung, die Sie vor Schlaganfall oderähnlichen Komplikationen durch Blutgerinnsel schützen. Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente verschreiben, die Ihr Blut verdünnen. Eines der gebräuchlichsten blutverdünnenden Medikamente (Coumadin® oder Marcumar) senkt zwar das Schlaganfall Risiko, kann aber zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Blutungen führen. Da diese Arzneimittel durch andere Faktoren wie Diät und andere Medikamente beeinflusst werden können, muss Ihnen häufig Blut abgenommen werden, um Ihre Dosierung zu überwachen.

Alternative Behandlungsoptionen

Vor kurzem wurden Alternativen zu blutverdünnenden Medikamenten entwickelt. Bei Vorhofflimmern wird angenommen, dass bei verschlossenem linken Vorhofohr Blutgerinnsel diesen Bereich nicht verlassen können. Das WATCHMAN - System für das linke Vorhofohr wird auf Dauer im linken Vorhofohr des Herzens implantiert.

Häufig gestellte Fragen
Was ist das WATCHMAN Vorhofohr-Verschluss-System ?

Das WATCHMAN-System ist ein permanentes Implantat, das verhindert, dass Blutgerinnsel einer schädlichen Größe in den Blutstrom gelangen, was zu einem Schlaganfall führen könnte. Es besteht aus Materialien, die bei vielen Medizinprodukten verwendet werden.

Wie wird das WATCHMAN-System implantiert?

Mittels Standardverfahren, die denen bei anderen kardiologischen Katheter Eingriffen ähneln (z.B. Angioplastie oder Ablation), führt Ihr Arzt das WATCHMAN-Implantat durch einen durch eine Vene im Oberschenkel eingeführten flexiblen Schlauch  (Katheter) in das Herz ein. Sobald der Katheter richtig liegt, werden Aufnahmen (Röntgen, Echokardiographie) von Ihrem Herzen gemacht, damit Ihr linkes Vorhofohr richtig vermessen werden kann. Diese Vermessung ist für die Größe des zu verwendenden WATCHMAN Systems ausschlaggebend. Nachdem das Implantat eingesetzt wurde, werden weitere Messungen und Aufnahmen durchgeführt, um sicherzustellen, dass sich das System an der richtigen Stelle befindet. Sobald Ihr Arzt die Position bestätigt hat, setzt er das Systemfrei, um es dauerhaft in Ihrem Herzen zu implantieren. Sie müssten dann über Nacht im Krankenhaus bleiben, da Sie etwa 24 Stunden brauchen, um sich zu erholen.

Was passiert, nachdem das WATCHMAN-System implantiert wurde?

Die Heilung des Herzgewebes dauert mindestens 45 Tage. Wichtig ist, dass Sie während dieser Zeit weiterhin blutverdünnende Medikamente (Coumadin  oder Marcumar) und eine Aspirin Tablette täglich einnehmen.
Ihr Arzt kann Ihnen auch ein Antibiotikum verschreiben, um nach dem Eingriff einer Infektion vorzubeugen. Nach 45 Tagen werden von Ihrem Herzen wieder Aufnahmen gemacht, um das WATCHMAN-System zu überprüfen. Zu diesem Zeitpunkt kann Ihr Arzt Ihre blutverdünnenden Medikamente absetzen und Clopidogrel verschreiben. Da Sie Vorhofflimmern haben, werden Sie wahrscheinlich Ihr Leben lang Aspirin einnehmen.

Welche Risiken sind mit dem WATCHMAN VorhofohrVerschluss-System verbunden?

Klinische Studien zeigen, dass die Implantation des WATCHMAN-Systems sicher ist. Ihr Arzt wird Ihnen die Risiken erläutern, die mit dem Eingriff und der Implantation des WATCHMAN-Systems verbunden sind.
Obwohl Studien zeigen, dass das WATCHMAN-System das Schlaganfall Risiko bei Patienten mit Vorhofflimmern senkt, gibt es keine Garantie dafür, dass die WATCHMAN Therapie allen dafür infrage kommenden Patienten nutzt.

Kathetergestützter Aortenklappenersatz TAVI = Transcatheter Aortic Valve Implantation

Informationen für Patienten und Angehörige zum Thema Aortenklappenstenose

Sehr geehrte Patientinnen
und Patienten, liebe Kolleginnen
und Kollegen !

Die Möglichkeiten der Behandlung von Erkrankungen der Aortenklappe haben in den letzten Jahren eine grundlegende Erweiterung erfahren. Neben der konventionellen Herzklappenoperation durch mechanische oder biologische Herzklappenprothesen verfügen wir seit wenigen Jahren über sogenannte kathetergestützte Aortenklappenimplantate, die in enger Zusammenarbeit zwischen Kardiologen und Herzchirurgen in Hybrid-OPs (komplettes Herzkatheterlabor in einem vollwertigen Operationssaal) über einen Zugang in der Leiste oder über ein kleines Loch von der Herzspitze eingeführt werden. Noch wird dieses Verfahren für ein ausgewähltes Patientenkollektiv mit hohem Risiko für einen konventionellen Eingriff eingesetzt.

In Verbindung mit der Einführung der kathetergestützten Aortenklappen ist es nun möglich, hochbetagte und Hochrisiko Patienten äußerst schonend zu behandeln.Sollten Sie an einer Aortenklappenstenose leiden, so helfen Ihnen die Informationen auf unserer Website sich über die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Bei weiteren Fragen zögern Sie bitte nicht, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Ihr Arzt hat Grund zu der Annahme, dass Sie eine Aortenklappenstenose haben.

Die folgenden Fakten können Ihnen helfen, diese Krankheit sowie ihren
Behandlungsbedarf besser zu verstehen und Sie darüber informieren, warum ein Aortenklappenersatz das Richtige für Sie sein könnte.

Fakten

Das Herz

Ihr Herz besteht aus vier Kammern und vier Herzklappen, die sich öffnen und schließen, um den Blutfluss in und aus dem Herzen zu steuern.
Die rechte Seite des Herzens pumpt Blut durch die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dieses sauerstoffreiche Blut gelangt anschließend in die linke Seite des Herzens, die es wiederum in den Körperkreislauf pumpt.
Herzklappen funktionieren wie Tore, die sich nur in eine Richtung öffnen lassen. Sie öffnen sich, damit das Blut durch das Herz in den Körper fließen kann. Sie schließen sich, damit das Blut, nachdem es herausgepumpt wurde, nicht wieder ins Herz zurückfließt. Durch die Herzklappen kann das Blut nur in eine Richtung oder in einer Bahn durch Ihr Herz strömen.

Eine gesunde Aortenklappe öffnet sich weit, um einen ausreichenden Blutstrom zu ermöglichen, und schließt sich wieder komplett, um den Blutstrom anzuhalten.

Eine stenotische Aortenklappe kann sich nicht weit genug öffnen, schränkt den Blutfluss ein und schließt sich nicht komplett.

Aortenklappen-Stenose

Die Aortenklappe befindet sich an der Basis des linken Ventrikels und führt zur Aorta, dem großen Hauptblutgefäß, das den Körper mit sauerstoffangereichertem Blut versorgt. Die Herzklappe verfügt über Klappensegel die sich öffnen und Blut in die Aorta strömen lassen, wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht. Danach schließen sich die Segel wieder, um einen Rückfluss des Blutes in die Herzkammer zu verhindern.

Eine Aortenklappenstenose tritt dann auf, wenn die Klappensegel durch Kalkablagerungen versteift sind. Es handelt sich um einen degenerativen Prozess, der sich mit zunehmendem Alter verschlechtert. Mit fortschreitender Erkrankung verengt sich die Klappenöffnung, wodurch der Blutfluss behindert wird und das Herz stärker pumpen muss.

Die Symptome einer schweren Aortenklappenstenose umfassen:
  • Brustschmerzen oder Engegefühl (Angina pectoris)
  • Schwächegefühl oder Ohnmacht bei Anstrengung
  • Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung
  • Müdigkeit, vor allem bei erhöhter Aktivität

Bedenken Sie jedoch, dass Herzklappenerkrankungen oft ohne äußere Symptome auftreten und unentdeckt bleiben können.

Eine unbehandelte schwere Aortenklappenstenose

führt häufig zu Herzinsuffizienz mit Symptomen wie Müdigkeit, Kurzatmigkeit, geschwollenen Knöcheln und Füßen sowie plötzlich auftretendem Herzversagen.

Die Behandlung einer schweren Aortenklappenstenose ist für eine höhere Lebenserwartung unerlässlich.

Es gibt keine Medikamente, um die Stenose rückgängig zu machen. Der Aortenklappenersatz ist die Standardbehandlung bei schwerer Aortenstenose. Ein hoher Prozentsatz der Patienten mit schwerer symptomatischer Aortenstenose stirbt ohne Behandlung innerhalb von 2 Jahren.

Ein Aortenklappenersatz kann entweder durch einen chirurgischen Eingriff oder eine katheterbasierte Aortenklappenimplantation durchgeführt werden, was von Ihrer gesundheitlichen Verfassung und der Beurteilung Ihres Arztes abhängt.

Chirurgischerklappenersatz

Ein chirurgischer Aortenklappenersatz wird mittels einer offenen Herzoperation durchgeführt. Unter Nutzung einer Herz-Lungen-Maschine wird die Brust des Patienten geöffnet, so dass der Chirurg Zugang zum Herzen bekommt.
Beim operativen Einsetzen einer Herzklappe entfernt der Chirurg die verengte Klappe und ersetzt sie entweder durch eine mechanische Klappe (Metall) oder durch eine biologische Klappe (aus tierischem oder menschlichem Gewebe). Mit den verschiedenen Typen von Herzklappen sind unterschiedliche Vorteile und Risiken verbunden. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen auf Grundlage Ihres individuellen Lebensstils, Ihres Alters und Ihrer gesundheitlichen Verfassung die Klappe wählen, die am besten zu Ihnen passt.

Vorteile des chirurgischen Aortenklappenersatzes

Jedes Jahr werden weltweit mehr als 250.000 Herzklappenoperationen durchgeführt. Das operative Einsetzen einer künstlichen Herzklappe wird seit vielen Jahren angewandt und hat bislang in Bezug auf die Verlängerung der Lebensdauer der Patienten und die Verbesserung ihrer Lebensqualität zu exzellenten Ergebnissen geführt.

Implantation einer Transkatheterherzklappe

Klappenplatzierung mittels Katheter und Ballonaufdehnung

Mittels katheterbasierter Aortenklappenimplantation (TAVI) kann die Aortenklappe ohne ein Öffnen der Brust ersetzt werden. Dieses minimal-invasive Verfahren ist nun auch durchführbar bei Patienten mit hohem Operationsrisiko am offenen Herzen. Beim TAVI-Verfahren wird die Klappe auf einem Ballon fixiert, der per Katheter (ein langer flexibler Schlauch) in den Körper und zur Implantation ins Herz eingeführt wird. Dieser Eingriff ist ohne das Öffnen der Brust und dem Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine möglich. Der Katheter kann durch die Femoralarterie eingeführt werden (in der Leiste) oder durch einen kleinen Schnitt in der Brust unterhalb der Herzspitze. Wenn die Klappe sich innerhalb der defekten Aortenklappe befindet, wird der Ballon aufgedehnt und die Klappe exakt positioniert.

Die Vorteile der TAVI sind eine kürzere Operation, weniger Schmerzen und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt. Durch die minimal-invasive Methode ist die Genesungszeit deutlich kürzer als nach einer Operation am offenen Herzen – circa 2 bis 4 Wochen statt der üblichen 6 bis 8 Wochen. Wie bei der operativen Implantation einer künstlichen Herzklappe bietet TAVI sowohl eine kurz- als auch langfristige Linderung der Symptome, eine normale Aortenklappenfunktion sowie Erhöhung Ihrer allgemeinen Lebenserwartung und Verbesserung der Lebensqualität.

Die möglichen Risiken des Herzklappenersatzes können von Patient zu Patient je nach Alter, allgemeiner gesundheitlicher Verfassung und anderen Faktoren stark variieren. Bevor Sie dem Verfahren zustimmen, wird Ihr Arzt die Risiken genau mit Ihnen besprechen. Ihr Arzt wird Ihren gesundheitlichen Zustand bewerten und festlegen, ob Sie an ein Herz-Team verwiesen werden sollten. Seine Analyse besteht aus einer umfassenden körperlichen Untersuchung sowie der Auswertung einer Reihe von Bluttests und Bild gebenden Testverfahren, wie ggf. einem EKG, einer Echokardiographie, einer koronaren Angiographie und/oder anderen Untersuchungen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine unbehandelte
schwere Aortenstenose ein hohes Risiko für eine Verstärkung der Symptome oder Tod mit sich bringt.

Jetzt können Sie über die Ihnen vorgeschlagene Behandlung eine fundierte Entscheidung treffen.

Besprechen Sie diese mit Ihrer Familie und fragen Sie Ihren Arzt alles, was Sie möglicherweise noch wissen möchten. Denken Sie daran, dass TAVI und der chirurgische Klappenersatz gute Möglichkeiten darstellen, die genau für Menschen wie Sie entwickelt wurden.

Was ist eine Mitralklappenstenose?

Die Mitralklappenverengung (= Mitralklappenstenose) ist häufig die Folge von entzündlichen Erkrankungen z.B. dem sog. rheumatischen Fieber, welches Jahre vor der Erkrankung der Klappenverengung aufgetreten sein kann. Eine weitere Ursache sind degenerative Prozesse, d.h. Verschleiß und Verkalkung. Die Folge der Klappenverengung ist zunächst einmal eine Drucküberlastung der Herzhöhle, die vor der Klappe arbeitet, denn diese muss nun gegen einen höheren Widerstand arbeiten um das Blut durch die verengte Klappe zu pumpen. Bei der Mitralklappenstenose wird der linke Herzvorhof belastet, der das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge sammelt und in die linke Herzkammer weiterleitet. Typische Beschwerden sind Luftnot bei Belastung, später auch in Ruhe, Schlafen ist nur mit mehr oder weniger erhöhtem Oberkörper möglich, hinzu kommt häufiges nächtliches Wasserlassen. Aufgrund der Druckbelastung des linken Vorhofs kommt es zu einer erheblichen Erweiterung des linken Vorhofes und/oder zum Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung mit ganz unregelmäßigem Herzschlag und der Gefahr auftretender Gerinnsel mit dem Risiko von Embolien.Oft ist hier ein Herzklappenersatz erforderlich. Dieser verhindert, wenn rechtzeitig durchgeführt, einen Rückstau des Blutes in die Lunge (Lungenödem). Neben dem Herzklappenersatz steht als alternatives Behandlungsverfahren die Klappensprengung mit einem Ballonkatheter während einer Herzkatheteruntersuchung zur Verfügung. Die Ballonklappensprengung wurde erstmals 1984 von Inoue durchgeführt und gilt aufgrund der guten Akut- und Langzeitresultate inzwischen als etabliertes Verfahren zur nicht chirurgischen Behandlung der Mitralklappenstenose.

Wie funktioniert die Mitralklappensprengung?

Wie bei einer Herzkatheteruntersuchung wird hierzu in örtlicher Betäubung der Ballonkatheter in der rechten Leistenbeuge in die Vene eingeführt (die Vene ist die Blutader, die das Blut aus dem rechten Bein zum rechten Herzen führt). Mit einer speziellen Technik wird dann unter Röntgenkontrolle von der rechten Herzvorkammer (dem sog. rechten Vorhof) der Katheter in den linken Vorhof vorgebracht, normalerweise sind linke und rechte Vorkammer durch eine dünne Wand getrennt (Vorhofscheidewand = Vorhofseptum). Dieses Vorhofseptum muss daher für den Katheter eröffnet werden, zunächst mit einer dünnen Nadel; nachfolgend wird diese feine Öffnung so erweitert, dass der Ballonkatheter in den linken Vorhof gelangt. Vom linken Vorhof kann der Ballon dann in die linke Herzkammer vorgebracht werden. Er wird für einige Sekunden mit einer Flüssigkeit aufgedehnt, so dass die Mitralklappe (das sog. Einlassventil) erweitert wird. Das Ergebnis wird kontrolliert durch entsprechende Druckmessungen und ggfls. durch Ultraschallmessunqen. Die Ballonaufdehnung in der Herzklappe verursacht in der Regel keine Schmerzen oder Beschwerden.

Gibt es auch mögliche Komplikationen und Risiken?

Es sind mittlerweile weltweit mehrere Tausend Patienten mit der Ballonsprengung behandelt worden und die Therapie hat sich als sicher und effektiv erwiesen. Dennoch verbleiben leider bei jedem medizinischen Eingriff gewisse Risiken. Wir können Ihnen in dieser Info nur einen allgemeinen Überblick geben. Auf die näheren Umstände, wie vor allem die Schwere der Erkrankung, die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Behandlung, auf andere Behandlungsmöglichkeiten und auf Vorerkrankungen und Begleiterschei¬nungen, die das Behandlungsrisiko erhöhen können, gehen wir in einem persönlichen Aufklärungs¬gespräch ein.

Behandlungsziel

Nach erfolgreicher Klappensprengung ist die Herzklappe zwar nicht wieder vollständig intakt, sie öffnet sich jedoch sehr viel weiter als vor dem Eingriff. Damit lässt sich der Zeitpunkt einer notwendigen Operation der Herzklappe um Jahre hinausschieben.

Kathetergestützte Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz mithilfe des MitraClips®

Worum geht es?

Die Linke Herzkammer pumpt das Blut in den Körperkreislauf. Dabei verhindert die sogenannte Mitralklappe ein Zurückströmen des Blutes in die Lunge. Die Klappe besteht aus zwei Segeln, welche beim Schliessen normalerweise eine perfekte Abdichtung gewährleisten. Es kommt jedoch aus verschiedensten Gründen vor, daß diese Abdichtung nicht mehr funktioniert und Blut durch die Klappe zurückfliesst (Mitralklappeninsuffizienz).
Bei einer ausgeprägten Mitralklappeninsuffizienz kommt es zum Rückstau von Blut in die Lunge, typische Symptome sind dann Luftnot und Leistungsschwäche. Besteht diese Undichtigkeit länger, kann es zur Herzschwäche kommen. Um diese Folgen der Mitralklappeninsuffizienz zu verhindern, muß die Dichtigkeit der Klappe wieder hergestellt werden. Die Standardtherapie hierfür ist die Rekonstruktion oder der Ersatz der Mitralklappe mittels einer Operation. Die Operationsverfahren haben gute Ergebnisse, sind allerdings immer mit der Eröffnung der Brusthöhle und dem Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine verbunden. Bei einigen Patienten kann eine Operation aus unterschiedlichen Gründen nicht vorgenommen werden. Für diese Patienten bieten wir ein Verfahren an, mit welchem die Mitralklappeninsuffizienz mithilfe eines Katheters behandelt wird.

Wie funktioniert die Katheterbehandlung der Mitralklappeninsuffizienz?

Ein Katheter (Kunststoffschlauch) wird über die Leistenvene in die rechte Herz-Vorkammer geschoben und durch Punktion der Vorhofscheidewand in die linke Vorkammer eingebracht. Auf dem Boden der linken Vorkammer befindet sich die Mitralklappe, welche behandelt werden soll. Über den Katheter wird eine Art Klammer - der MitraClip® (s. Zeichnung) zur Mitralklappe, genau an die Stelle der Undichtigkeit geführt. Nach genauer Positionierung des zunächst geöffneten Clips wird dieser in der Klappe geschlossen und zieht dabei die beiden Segel der Mitralklappe zusammen. Dadurch werden beide Segel an dieser Stelle fest verbunden und die Dichtigkeit der Klappe verbessert. Sollte das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein, kann der Clip wieder geöffnet und die Segel an anderer Stelle verbunden werden. Bei einem guten Ergebnis wird der Katheter vom Clip gelöst und zurückgezogen. Der Clip verbleibt dann an der Klappe.
Der gesamte Eingriff wird unter 3D-Ultraschallkontrolle durchgeführt, so daß jeder einzelne Schritt des Eingriffs präzise und schonend erfolgen kann. Bei dieser Behandlung muß der Brustkorb nicht eröffnet werden und es ist kein Anschluß an die Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Dadurch ist dieses Behandlungsverfahren sehr schonend und eignet sich auch für Patienten, welche aus unterschiedlichen Gründen nicht für eine Operation geeignet sind.

Nachbehandlung?

Für die Dauer von 6 Monaten muss eine Kombination aus ASS und einem weiteren Medikament eingenommen werden, um die Verklumpungsneigung des Blutes herabzusetzen. Nach 6 Monaten ist eine Behandlung mit ASS alleine ausreichend. Um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen und insbesondere um Komplikationen auszuschließen, sind regelmäßige Nachuntersuchungen wichtig und erforderlich. Eine ambulante Nachuntersuchung ist nach 3 Monaten geplant. Eine Kontrolluntersuchung beim Kardiologen sollte in einem Jahr erfolgen.

Langzeiterfahrung?

Inzwischen sind mehrere Tausend Patienten mit dem MitraClip®-Verfahren behandelt worden und es liegen Verlaufserfahrungen seit 2007 vor. Die vorliegenden Ergebnisse haben gezeigt, dass das Katheterverfahren eine risikoarme, schonende und effektive Alternative zur herkömmlichen Herzoperation für ausgewählte Patienten darstellt. Aufgrund niedriger Komplikationsraten und des schonenden Eingriffs eignet sich das Verfahren insbesondere für Patienten mit einem hohen OP-Risiko.

Gibt es auch mögliche Komplikationen und Risiken?

Trotz eines schonenden Verfahrens verbleiben bei jedem medizinischen Eingriff gewisse Risiken. Wir können Ihnen in dieser Info nur einen allgemeinen Überblick geben. Auf die näheren Umstände, wie vor allem die Schwere der Erkrankung, die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Behandlung, auf andere Behandlungsmöglichkeiten und auf Vorerkrankungen und Begleiterscheinungen, die das Behandlungsrisiko erhöhen können, gehen wir in einem persönlichen Aufklärungsgespräch ein.

Für welche Patienten kommt das MitraClip®-Verfahren infrage?

Die Frage, welches Verfahren zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz empfohlen ist, wird in einer Konferenz mit Kardiologen und Herzchirurgen für jeden Patienten individuell diskutiert. In unserem Herzzentrum besteht eine Tradition der kontinuierlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit von Kardiologie und Herzchirurgie. Dadurch ist sichergestellt, daß in die Entscheidung für das optimale Therapieverfahren bei jedem Patienten unsere gesamte herzchirurgische und kardiologische Erfahrung eingeht. Grundsätzlich ist für uns die chirurgische minimalinvasive Rekonstruktion der undichten Mitralklappe das anzustrebende Verfahren. Diejenigen Patienten, welche aufgrund eines erhöhten OP-Risikos nicht für ein operatives Verfahren geeignet erscheinen, können durch das katheterbasierte MitraClip®-Verfahren effektiv behandelt werden.

Durch die neuen Räumlichkeiten sind die beiden Abteilungen des Herzzentrums, Kardiologie und Herzchirurgie, enger zusammengerückt was die Zusammenarbeit weiter vereinfacht. Wir wollen diese Gelegenheit nutzen, um unsere gemeinsame Expertise noch intensiver zu bündeln und für jeden Patienten eine Diagnostik und Therapieempfehlung aus einem Guss zu erzielen. Gleichzeitig möchten wir den Servicegedanken gegenüber den niedergelassenen Kollegen und unseren gemeinsamen Patienten weiterentwickeln. Unser Credo der kontinuierlichen und vertrauensvollen interdisziplinären Zusammenarbeit, mit welchem wir schon im Rahmen unseres TAVI-Programms beste Erfahrungen sammeln konnten, haben wir in einer neuen Sprechstunde weiterentwickeln.

Die Interdisziplinäre Klappenambulanz ist eine Sprechstunde, welche als zentrale Anlaufstelle für Patienten mit allen Fragen rund um Erkrankungen der Herzklappen konzipiert wurde. Dabei kann es sich um das Einholen einer zweiten Meinung, um die Frage nach dem weiteren Vorgehen oder die postoperative /-interventionelle Beratung bei unterschiedlichsten Fragestellungen handeln. Alle Patienten werden im Rahmen der Sprechstunde von einem Kardiologen und einem Herzchirurgen gesehen und die Befunde in einem gemeinsamen Kolloquium besprochen. Somit hat jeder Patient die Sicherheit, dass alle Empfehlungen mit der gesamten Expertise unseres Zentrums gegeben werden.

Als Grundlage dieser Empfehlung verfügen wir über umfangreiche Erfahrungen in der Anwendung zahlreicher chirurgischer und interventioneller Behandlungsmethoden

  • Minimal-invasiver Aorten- und Mitralklappenersatz
  • Konventionelle rekonstruktive Klappenchirurgie
  • Endosk. rekonstruktive Mitral- und Trikuspidalklappenchirurgie
  • Transfemorale und transapikale TAVI
  • MitraClip-Implantation
  • Ballonvalvuloplastie

Zur gleichzeitigen Behandlung bei Vorhofflimmern

  • Vorhofablation bei herzchirurgischen Eingriffen
  • Endoskop. Vorhofablation bei chron.Vorhofflimmern
  • Katheterbasierte Pulmonalvenenisolation
  • LAA-Occluder-Implantation

Wir halten sämtliche Untersuchungsmethoden zur differenzierten Beurteilung vor

  • EKG / LZ-EKG / Ergometrie
  • Echokardiographie (TTE, TEE, Stress-, 3D-, Kontrast)
  • Kardio-MRT / Kardio CT (Kooperation m. Radiologie)
  • Blutgasanalyse, Lungenfunktionsdiagnostik, Spiroergometrie
  • Durchleuchtung
  • Rechtsherzkatheter (Ruhe/Belastung/Reversibilitätsprüfung)
  • Linksherzkatheter

Wir sehen unsere Sprechstunde in erster Linie als Dienstleister zur Erstellung einer differenzierten Behandlungsempfehlung. Die Entscheidung zum weiteren Vorgehen wird auch weiterhin gemeinsam von den niedergelassenen Kollegen und den Patienten getroffen.

Die Anmeldungen zur Interdisziplinären Klappenambulanz können unkompliziert erfolgen über

Telefon: 0231 / 953 - 20600
E-Mail: petra.kehler(a)klinikumdo.de

Ihre Ansprechpartner im Sekretariat
Frau Kehler
Frau Hupe

Wir hoffen damit auch den Service für Sie zu verbessern und Ihnen ein verlässlicher Partner in allen Fragen der Klappenerkrankungen zu sein.