02.11.2017 - Kollegiales Coaching: Erste Intensivstation in Dortmund beteiligt sich an Qualitätssicherung

„Man kann den Tunnelblick nur ablegen, indem man sich öffnet“, sagt Dr. Ingolf Eichler, leitender Arzt der herzchirurgischen Intensivstation im Klinikum Dortmund. Deshalb zögern er und Pflegebereichsleiter Thomas Polok nicht, als die Ärztekammer Westfalen-Lippe vor wenigen Monaten ein Peer Review für die Intensivmedizin einführt. Fachärzte und Fachpflegekräfte anderer Kliniken kommen dafür auf die Station, prüfen Strukturen, Prozesse und Ergebnisse. Die herzchirurgische Intensivstation ist die erste Abteilung in Dortmund, die das Verfahren für Qualitätssicherung durchlaufen hat.

Kollegiales Coaching: Erste Intensivstation in Dortmund beteiligt sich an Qualitätssicherung

„Ein Peer Review hilft uns dabei, die größtmögliche Patientensicherheit zu erreichen“, so Dr. Eichler. Nach einer Selbsteinschätzung der Intensivmediziner bewegen sich die qualifizierten Gutachter einen Tag lang frei auf der Station: Sie führen vertrauliche Gespräche mit dem Stationsteam, beobachten die Betreuung der Patienten, erheben oder prüfen Daten.

 

Spezielle Hygienevisite, um resistente Keime zu verhindern

 

Bei der Versorgung der 18 Patientenbetten profitiert die herzchirurgische Intensivstation vom interdisziplinären Austausch im Klinikum. Täglich kommen die behandelnden Ärzte, Pflegebereichsleitung sowie die Pfleger am Bett bei einer gemeinsamen Visite zusammen, um aktuelle Behandlungsschritte zu diskutieren.

 

Jede Woche gibt es zusätzlich eine spezielle Hygienevisite, bei der ein Hygienefacharzt ans Patientenbett tritt und beispielsweise die Dosierung von Antibiotika bespricht. „Damit soll verhindert werden, dass Krankheitserreger gegen die Wirkstoffe resistent werden. Im Verdachtsfall werden Körperflüssigkeiten in unserer hauseigenen Mikrobiologie unmittelbar auf Keime untersucht“, so Dr. Eichler.

 

Technische Ausstattung überzeugt

 

Da Herz-Operationen zu den größtmöglichen Eingriffen zählen, werden die Patienten nach der OP einige Tage intensivmedizinisch betreut und oftmals künstlich beatmet, bis sich die Herzfunktion stabilisiert hat. „Unsere Intensivstation verfügt über Geräte, die eine besonders schonende künstliche Beatmung möglich machen, falls die Lunge geschädigt ist. Wir haben zusätzlich die Technik, dem Blut Sauerstoff zuzuführen, wenn dies mit der herkömmlichen Beatmung nicht mehr gelingt “, sagt Polok.

 

Auch soziale Kriterien wie die Betreuung der Angehörigen stehen auf dem Prüfstand, wobei die Peers der Station einen engen Kontakt zu den Angehörigen bescheinigten. „Es wird etwa gemessen, wie oft und wie ausführlich Gespräche mit den Angehörigen von Intensivpatienten geführt werden“, so Polok.

 

Nach der Begutachtung erarbeiten die Peers eine sogenannte SWOT-Analyse, die die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Intensivstation festhält. In einem Abschlussgespräch wird die Fremdbewertung besprochen. Die Ergebnisse unterliegen einer Verschwiegenheitserklärung, so dass eine offene Diskussion möglich ist und der Datenschutz gewährleistet wird.

 

Aus der Wissenschaft ins Krankenhaus

 

Ursprünglich ist das Peer Review eine Methode im Wissenschaftsbetrieb, um die Qualität einer Forschungsarbeit durch externe, unabhängige Gutachter zu sichern. In den vergangenen Jahren hat sich dieses Verfahren in Krankenhäusern bewährt und wird daher von der Landesärztekammer Westfalen-Lippe gefördert.

 

Kollegen ermutigen, das Coaching zu nutzen


 
Dr. Eichler und Polok haben sich selbst zu qualifizierten Peers fortgebildet – und warten nun auf ihren ersten Einsatz. Sie wollen ihre Kollegen in der Intensivmedizin ermutigen, den Schritt zu wagen. „Der Aufwand ist im Vergleich zu Zertifizierungsverfahren gering und der Nutzen enorm. Das Peer Review ist ein kollegiales Coaching der kurzen Wege“, so Polok.

 

(Von Myriam Moser, Volontärin der Unternehmenskommunikation)

 

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