12.11.2014 - Schilddrüsenknoten - gut- oder bösartig?

Endokrinologe, Chirurg und Nuklearmedizinerin im Medizinale-Vortrag


 

Jeder Dritte bis Vierte in Deutschland wird im Laufe seines Lebens einen Knoten in seiner Schilddrüse entwickeln. Die gute Nachricht, die es beim Medizinale-Vortrag am 12. November 2014 im Klinikum Dortmund dazu gab: In den meisten Fällen sind diese Knoten gutartig und damit harmlos. Sie lassen sich medikamentös gut in den Griff kriegen. Deutschlandweit gibt es pro Jahr gerade einmal 240 Fälle (bei Frauen) und 120 Fälle (beim Mann), bei denen die Knoten bösartig sind. Auf eine Stadt wie Dortmund mit rund 500.000 Einwohnern berechnet, sind es jährlich rund 15 Fälle (bei Frauen) bzw. acht Fälle (bei Männern). Insgesamt stellt generell Schilddrüsenkrebs gerade einmal zwei Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland.

 

Kalte oder heiße Schilddrüsen-Knoten sollten generell geklärt werden, wie Dr. Matthias Böhme, Oberarzt in der Endokrinologie und Diabetologie des Klinikums Dortmund, erläuterte. Als sinnvolle Diagnostik empfahl er neben der Tastuntersuchung, der Sonographie, dem Szintigramm und der Punktion mit einer feiner Nadel auch eine Laboruntersuchung des Blutes. Hier sei insbesondere der Schilddrüsenwert TSH entscheidend. Auch das Calcitonin und die Schilddrüsen-Antikörper gelte es zu prüfen.

 

Die Wahl der Therapie richtet sich letztlich danach, ob der Knoten gut- oder bösartig ist. Bei einem gutartigen Befund kann zunächst mit Medikamenten gearbeitet werden. Bleibt hier ein Erfolg aus, kann eine Operation und mitunter anschließend sogar noch eine Radiojodtherapie nötig werden. Ist der Knoten bösartig, sollte direkt eine OP angeraten werden, gefolgt von einer Radiojodtherapie.

 

Anzeichen für einen bösartigen Knoten können u.a. sein:

 

- ein einzelner Knoten in einer sonst unauffälligen Schilddrüse
- ein jugendlicher Patient (unter 20 Jahre)
- ein neu aufgetretener Knoten bei einem Patienten über 60 Jahre
- ein schnelles Knotenwachstum
- eine derbe, höckrige Struktur beim Tasten
- eine spontan aufgetretene Stimmbandlähmung

 

 

Doch nicht nur bösartige Knoten sollten operiert werden, wie Dr. Josef Obermeier, Oberarzt in der Chirurgie im Klinikum Dortmund, erläuterte. Er operiert Knoten nicht nur bei Krebsverdacht, sondern auch, wenn lokale Beschwerden (z.B. Schluck- oder Atem-Probleme) auftreten, eine falsche Lage (z.B. in Richtung Wirbelsäule wachsend) oder eine medikamentös nicht beherrschbare Überfunktion der Schilddrüse festzustellen ist. Auch ein Wiederauftreten von Knoten gilt als Indiz für eine Operation.

 

Besonders wichtig sei es hierbei, den Stimmbandnerv während der Operation nicht zu verletzten. Deshalb operieren die Chirurgen im zertifizierten endokrinen Zentrum des Klinikums u.a. auch mit speziellen Lupenbrillen und prüfen während des Eingriffs konsequent den Erhalt der Funktion des Stimmbandnervs. Ist der Stimmbandnerv nämlich einmal verletzt, was in 1 bis 2 Prozent der Fälle vorkommen kann, ist der Patient zunächst heiser. Der Nerv kann sich jedoch wieder erholen, so dass eine lebenslange Heiserkeit ausgeschlossen werden kann.

 

Sowohl gut- als auch bösartige Knoten lassen sich auch mittels einer Radiojod-Therapie behandeln. Die Patienten, so erzählte es Dr. Monia Hamami-Arlinghaus, Leitende Oberärztin der Nuklerarmedizin im Klinikum Dortmund, in ihrem Vortrag, seien meist überrascht, dass sie im Rahmen der Therapie nur eine Pille schlucken müssten. In dieser Pille, die kleiner als eine Büroklammer ist, ist ein radioaktiver Stoff, dessen Strahlung jedoch nur 2,2 Millimeter um sich herum wirke. Diese Strahlung werde über das Jod gezielt in die Schilddrüse aufgenommen und könne deshalb dort konzentriert wirken.

 

Mindestens 48 Stunden - das ist gesetzlich vorgeschrieben - müssen Patienten bei einer Radiojodtherapie unter klinischer Aufsicht bleiben. Während dieser Zeit und darüber hinaus prüfen die Nuklearmediziner, dass das radioaktive Jod entsprechend wirkt. Am Ende wird dann noch kontrolliert, dass auch wirklich jeder Rest aus dem Körper ausgeschieden wurde. Wenn der Patient die Station verlässt, ist keine Radioaktivität in seiner Schilddrüse mehr messbar.

 

Ein Knoten sollte diagnostisch abgeklärt werden, wenn

- er größer als 1 cm ist,
- in der Szintigraphie auffällig ist (heiß oder kalt)
- in der der Ultraschalluntersuchung auffällig ist (z.B. unregelmäßig oder nur sehr ungenau dargestellt werden können)

 

Wussten Sie schon?

- Laut Definition spricht man von einem Knoten, wenn er größer als 10 ml im Volumen ist.

- Eine Struma der Schilddrüse liegt vor, wenn das Schilddrüsen-Volumen bei größer als 18 ml (Frauen) bzw. größer als 25 ml (Männer) liegt.

- Wird der Knoten mit einer feinen Nadel punktiert, lässt sich in nahezu 60 Prozent der Fälle eine sichere Diagnose treffen.

 

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