22.01.2019 - Personal aus über 50 verschiedenen Nationen im Klinikum Dortmund: Wenn Kulturen aufeinanderprallen - Chancen von Interkulturalität im Krankenhausalltag


Dr. Hanswille, Sie werben sehr für ärztliche Fortbildungen im Bereich der „interkulturellen Medizin“. Warum?

 

Hanswille: Weil wir im Klinikalltag täglich erleben, welchen hohen Wert, aber auch welche Herausforderungen sich für uns aus dem Fakt ergeben, dass wir Patienten und Kollegen aus über 50 verschiedenen Nationen haben. Mit anderen Worten: Wir könnten als Klinik nicht bestehen, wenn wir nicht die Kollegen aus anderen Kulturkreisen bei uns hätten und sind somit dringend auf diese angewiesen. Zudem hilft uns das, wenn wir eben auch Patienten aus diesen Kulturkreisen haben.

 

Inwiefern ist das nützlich?

 

Hanswille: Naja, es ist nicht abzustreiten, dass unsere Arbeitsqualität davon profitiert, wenn man einen besonderen Zugang zu den Patientinnen und Patienten gewährleisten kann. Da fungieren entsprechende Ärzte aus den gleichen Kulturkreisen nicht nur als Arzt und Übersetzer, sondern haben auch ein kulturelles Mitempfinden, das wir mit unserer deutschen Mentalität nicht unbedingt leisten können. So kann sich auch das gesamte Team besser auf andere Kulturen einstellen. Wenn ansonsten zum Beispiel eine Frau hochschwanger zu uns in die Geburtshilfe kommt, weil es Komplikationen gibt, und sie kann keine der gängigen europäischen Sprachen, hilft ihr ja meist nur noch das Lesen in den Gesichtern der Ärzte. Und Körpersprache ist ja auch nicht immer eindeutig.

 

Haben Sie konkrete Beispiele für Missverständnisse, die sich aus der bloßen Körpersprache ergeben?

 

Hanswille: Es gibt zum Beispiel Kulturen, in denen man Respektspersonen nicht in die Augen schauen darf. Wie soll aber dieser Patient dann aus den Gesichtern seiner Ärzte lesen? Oder in einigen ostasiatischen Ländern, wie zum Beispiel Thailand, Vietnam oder auch Japan, ist es ein Zeichen von Aufmerksamkeit, wenn man die Augen schließt, während ein anderer vorträgt. Bedenken Sie auch, dass in einigen orientalischen Kulturkreisen das Herz gar nicht so sehr im Zentrum des Lebens steht, da ist es vielmehr die Leber.

 

Das setzt doch aber als Arzt voraus, dass man sich nahezu komplett hinterfragt.

 

Hanswille: Genau. Die Ärztekammer in Westfalen bietet hierzu auch entsprechende Fortbildungen an. Auch Vertiefungskurse und e-Learning-Angebote sind möglich. Aber damit ist es natürlich nicht getan. Sie müssen in einer Klinik ein Klima des Respekts und Austausches schaffen, damit interkulturelle Medizin eine Bereicherung für alle wird. Im Klinikum Dortmund ist uns dies ein besonderes Anliegen.

 

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