09.02.2011 - Dortmunds kleinste Kämpferin: 280 Gramm Lebenswille!

Nach fast fünf Monaten in der Kinderklinik hat die kleinste Patientin des Perinatalzentrums am Klinikum Dortmund mit ihren glücklichen Eltern die Kinderklinik verlassen können. Das Mädchen wurde im September in der frühen 24. Schwangerschaftswoche mit 280 Gramm Geburtsgewicht und einer Körperlänge von 22 cm geboren. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen; normalgeborene Babies wiegen dann etwa 3500 Gramm und sind 50 cm lang.


In den ersten Wochen benötigte das kleine Mädchen eine Beatmungsunterstützung und wurde über einen Tropf und eine winzige Magensonde ernährt. Sie wurde vom Pflegeteam und den täglich zu Besuch kommenden Eltern liebevoll im Inkubator und später im Wärmebettchen gepflegt.

Jetzt liegt die Kleine im normalen Babybett. Sie hat ihr Minimalgewicht von zwischenzeitlich 250 Gramm (kurz nach der Geburt verringert sich das ursprüngliche Geburtsgewicht) mehr als verzehnfacht, trinkt ihre Muttermilch mit großem Appetit, und hat auch schon die ersten Impfungen gut überstanden. Zur großen Freude hat das kleine Mädchen keine der gefürchteten Frühchen-Komplikationen wie z.B. Hirnblutungen erlitten. Die Eltern haben die letzten Nächte „zum Training“ gemeinsam mit ihrer Tochter in der Kinderklinik verbracht. Die Familie freut sich und erwartet gespannt die ersten Tage zuhause. Auch in den kommenden Wochen und Monaten wird die Familie durch die Frühgeborenen Sprechstunde und das Sozialpädiatrische Zentrum begleitet und unterstützt.

Hintergrundinfo

Trotz der konstant niedrigen Geburtenzahlen in Deutschland nimmt die Zahl der Frühgeburten in Deutschland kontinuierlich zu. Mittlerweile wird jedes 14. Kind als Frühgeborenes vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren, darunter jährlich 8000 Kinder vor der 30. Schwangerschaftswoche. Dabei haben sich in den letzten Jahren dank der modernen Neugeborenenmedizin die Überlebenschancen erheblich verbessert, so dass auch kleinste Frühgeborene leichter als  500 Gramm eine reelle Überlebenschance haben. Allerdings steigt mit zunehmender Unreife das Risiko langfristiger Entwicklungsstörungen.

Die klinisch hoch spezialisierte Versorgung erfolgt in Perinatalzentren der obersten Versorgungsstufe (Level 1). Das Dortmunder Perinatalzentrum gehört zu den größten Zentren in Deutschland und sichert über Kooperationsverträge mit den Kliniken in Arnsberg und Lüdenscheid die überregionale Versorgung. Primäres Ziel ist es zunächst, Frühgeburten durch eine hochspezialisierte geburtshilfliche Behandlung der schwangeren Mütter zu verhindern. Daher ist eine frühzeitige Verlegung schwangerer Frauen an das spezialisierte Perinatalzentrum sinnvoll.

Falls eine Frühgeburt nicht verhindert werden kann, werden die Frühchen auf der Kinder-Intensivstation im Perinatalzentrum, kurz KiPZ behandelt. Dort werden jedes Jahr gut 100 Extrem-Frühgeborene betreut. In Dortmund besteht große Erfahrung in der Behandlung der allerkleinsten Frühgeborenen. So wurden 2010 mehr als 20 Frühchen mit weniger als 600 Gramm Geburtsgewicht behandelt.

Allerdings ist der Ausgang bei der Behandlung extrem kleiner Frühgeborener oft ungewiss, da die Medizin technisch, aber auch wegen der Unreife der Kinder oft an ihre Grenzen stößt. Daher werden extrem kleine und unreife Kinder in aller Regel nach der Geburt auch in Dortmund nicht intensivmedizinisch behandelt – es sei denn, sie zeigen einen solchen Kampfes- und Lebenswillen wie unser kleines Mädchen. Daher zeigt dieses kleine Mädchen, das unseres Wissens zu den kleinsten überlebenden Frühgeborenen weltweit zählt, auch die Grenzen des medizinisch Machbaren und des ärztlich und ethisch Vertretbaren. Nach unserer Recherche wurde der leichteste Junge der Welt im Juni 2009 in der Universitätsmedizin Göttingen in der der 25. Schwangerschaftswoche mit 275 Gramm geboren (Quelle: Bild.de, Bericht vom 04.03.2010).
Aus den USA finden sich einzelne Fallberichte von noch kleineren Frühgeborenen.

Trotz dieser grundsätzlichen Überlegungen überwiegt jetzt aber die Freude mit den Eltern über diesen guten und glücklichen Ausgang.

 

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