06.09.2018 - Blutvergiftung nach entzündetem Haarfollikel am Zeh: Patient schwebte in Lebensgefahr

Fieber, Müdigkeit, Abgeschlagenheit – der Unternehmer Axel Kappenhagen vermutete zunächst eine Grippe. Doch das Fieber stieg über mehrere Tage immer höher. Der Notarzt vermutete zunächst eine Meningitis und verwies ihn an die Notaufnahme des Klinikums Dortmund. Hier wurde der Verdacht auf Sepsis gestellt; Gewissheit brachte eine Liquor-Punktion (Entnahme von Rückenmarkflüssigkeit). Sofort wurde er mit einem Breitband-Antibiotikum behandelt. Die Erreger hatten sich jedoch schon weit im Körper ausgebreitet: Das Bakterium Staphylococcus aureus siedelte sich im rechten Knie an, das auf Handballgröße anschwoll, überwand die Blut-Hirnschranke und erreichte sogar das Kleinhirn. Der 51-Jährige erlitt einen septischen Schock.



Über Tage war der Zustand des zweifachen Familienvaters äußerst kritisch. Er schwankte zwischen Leben und Tod, konnte seine Finger nicht mehr spüren. Nach zwei Wochen auf der Intensivstation besserte sich sein Zustand endlich. Auch das Taubheitsgefühl ging glücklicherweise zurück – bei vielen Patienten sind die Schäden im Gewebe so gravierend, dass Amputationen notwendig sind. Doch Axel Kappenhagen hatte großes Glück, dass schnell die richtigen Diagnosen gestellt wurden und die Behandlung gut anschlug: „Ich traf einfach zur richtigen Zeit auf die richtigen Ärzte“, stellt er fest. Massagen, orthopädische und osteopathische Behandlungen sorgten nach seiner Entlassung dafür, dass er sich wieder vollständig erholte und keine bleibenden Schäden davontrug. Doch für die Kosten musste er selbst aufkommen: „Die Krankenkassen sehen in der Sepsis keine Krankheit, bei der eine Reha notwendig wäre.“

 

Der Auslöser für die Blutvergiftung war bei ihm ein Haarfollikel am großen Zeh, der sich entzündet hatte. Darüber drangen die Bakterien in den Körper ein. „Ich trage bei der Arbeit oft Schuhe mit Stahlkappen. Die scheuern an den Zehen, aber wegen der kleinen Wunde habe ich mir keine Gedanken gemacht“, so der selbstständige Diplom-Ingenieur.

 

Seit seiner überstandenen Krankheit engagiert sich der Dortmunder bei der Deutschen Sepsis-Hilfe e.V. Gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Bernhard Schaaf, Direktor der Klinik für Pneumologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin, organisiert er am 14. September ein Symposium. Zu Gunsten der Sepsis-Hilfe findet am 15. September außerdem ein Benefizgolfturnier statt.

 

Rückblickend betrachtet hat ihm die Sepsis sogar etwas gebracht: „Ich genieße das Leben jetzt mehr, arbeite nur noch zu 60% und verbringe mehr Zeit mit Freunden und Familie. Außerdem habe ich aufgehört zu rauchen. Vorher war ich Kettenraucher, doch im Klinikum habe ich den Entzug einfach ‚verschlafen‘.“


Fakten zum Thema Sepsis

  • Die Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. 70.000 Menschen pro Jahr sterben an den Folgen der Sepsis, also mehr als an den Folgen von Lungenkrebs oder HIV.
  • Eine Sepsis entsteht aus einer zunächst örtlich begrenzten Infektion (z.B. Lungenentzündung, Wunde oder Harnwegsinfekt). In der Regel sind Bakterien die Ursache, seltener auch Viren oder Pilze. Normalerweise gelingt es dem Immunsystem, solch eine lokale Infektion in Schach zu halten und einzudämmen. Gelingt es den Erregern jedoch, sich über das Lymph- und Blutgefäßsystem im Körper auszubreiten, spricht man von einer Sepsis.
  • Typische Symptome wie Fieber, beschleunigte Atmung und Herzschlag oder die vermehrte Anzahl der weißen Blutkörperchen sind sehr unspezifisch. Dadurch wird eine Sepsis von Patienten, aber auch von Ärzten und medizinischem Personal oft mit einer Grippe oder Erkältung verwechselt. So vergeht bis zur richtigen Diagnose wertvolle Zeit. Mit jeder Stunde, in der die Sepsis unbehandelt bleibt, steigt das Sterberisiko um 7%.
  • Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist ein roter Strich auf der Haut, der zum Herzen zieht, kein Anzeichen einer Sepsis. Ein solcher Strich ist vielmehr ein Symptom einer Lymphgefäßentzündung.
  • Die Heilungschancen des Patienten hängen vor allem davon ab, wie viel Zeit bis zum Behandlungsbeginn verstreicht. Wenn es nicht gelingt, die Blutvergiftung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist sie lebensbedrohlich. Bei etwa jedem dritten Patienten endet die Sepsis tödlich. Rund 40 von 100 Überlebenden tragen bleibende Schäden davon.

 

Termine

Symposium zum Welt-Sepsis-Tag: 7. Forum Infektiologie – Sepsis und andere Infektionskrankheiten
Freitag, 14. September 2018, 16 Uhr
Klinikum Dortmund Mitte, Magistrale, Raum 1
Beurhausstraße 40, 44137 Dortmund

 

Benefizturnier für die Deutsche Sepsis Hilfe e.V. (mit Golf-Schnupperkursen für Anfänger ohne Platzreife)
Samstag, 15. September 2018, 10 Uhr
GolfRange Dortmund
Rennweg 70, 44143 Dortmund

 

Klinikum Dortmund, Unternehmenskommunikation
Marc Raschke (verantwortlich)

Beurhausstraße 40
44137 Dortmund

Telefon +49 (0)231 953 21200
Mobil +49 (0)174 16 65 987
Fax +49 (0)231 953 98 21270
marc.raschke(at)klinikumdo.de

https://www.klinikumdo.de
http://www.facebook.com/klinikumdo
https://twitter.com/klinikumdo

Pressestelle 2017