Chronische Nierenerkrankungen (CKD) sind eine Volkskrankheit. Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland liegt eine chronische Nierenerkrankung vor. Davon sind 1,3 Millionen Menschen bereits im fortgeschrittenen Stadium erkrankt. Häufig wird eine chronische Nierenerkrankung erst erkannt, wenn die Nierenfunktion bereits stark eingeschränkt ist. Dabei können moderne Medikamente das Fortschreiten mittlerweile deutlich bremsen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Erkrankung rechtzeitig diagnostiziert wird.
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) fordert daher mit Blick auf aktuelle Studien ein konsequentes Nierenscreening, besonders bei Risikogruppen wie Menschen mit Diabetes, Rheumaerkrankungen, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dr. Fedai Özcan vom Klinikum Dortmund unterstützt diesen Appell. Der Direktor der Klinik für Nephrologie und Vertreter der nephrologischen Fachgesellschaft in Nordrhein-Westfalen betont: „Ein frühzeitiges Screening kann entscheidend sein, um ungünstige Krankheitsverläufe zu verhindern.“
Die Vorsorgeuntersuchung (Screening) ist unkompliziert: Ein Bluttest zeigt die Filterleistung der Nieren, ein Urintest kann frühe Schäden erkennen – oft lange bevor Beschwerden auftreten.
Grundlage für effiziente Früherkennung
Eine rechtzeitige Diagnose und leitliniengerechte Behandlung sei entscheidend, um ein Fortschreiten der Nierenerkrankung zu verhindern, sagt Dr. Özcan. „Für eine optimale Versorgung arbeiten wir als überregionales Expertenzentrum eng mit Hausärzt:innen, ambulanten Nephrolog:innen und weiteren Fachärzt:innen eng zusammen“, so der Nephrologe. „Das ist Grundlage für eine effiziente Früherkennung, Diagnostik sowie optimale Behandlung.“
Der Klinikdirektor teilt die Auffassung der DGfN, dass viele Betroffene zu spät fachärztlich betreut würden. Eine aktuelle Studie zeigt, dass selbst bei Risikopatientinnen und -patienten nur in 0,4 Prozent der Fälle eine Urinuntersuchung zum Nachweis von Eiweiß im Urin durchgeführt wird. Diese einfache Diagnostik kann bereits im Frühstadium einen Hinweis auf eine Nierenerkrankung geben und damit zu einer deutlich besseren Prognose beitragen. „Wenn wir die Nierenerkrankung früh erkennen und die neuen, modernen Therapien nutzen, können wir ein Fortschreiten der Erkrankung eindämmen und Nierenfunktion erhalten“, sagt Dr. Özcan.



