Kostenloses Lungenscreening für Raucher: Klinikum begrüßt Änderung

Starke Raucherinnen und Raucher können seit dem 1. April ein kostenloses Lungenscreening pro Jahr als Kassenleistung bekommen. Spezialisten des Klinikums Dortmund begrüßen diese Maßnahme gegen Lungenkrebs und sagen deutlich: Das Screening kann Leben retten.

Lungenkrebs ist eine der aggressivsten Tumorarten überhaupt. In Deutschland werden jährlich rund 60.000 Fälle diagnostiziert. Pro Jahr gibt es etwa 45.000 Todesfälle. Insbesondere bei Frauen nimmt die Erkrankung deutlich zu. Auf eine Stadt mit der Einwohnerzahl Dortmunds heruntergerechnet erhalten jährlich 450 Menschen die Diagnose Lungenkrebs. „Hinter diesen Zahlen steckt ein großes Leid. Nach wie vor sterben die meisten Menschen an dieser Erkrankung“, sagt Prof. Dr. Georg Nilius, Direktor der Lungenklinik am Klinikum Dortmund.

Der Experte begrüßt deshalb, dass Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren seit dem 1. April ein kostenloses Lungenscreening pro Jahr als Kassenleistung bekommen können. „Rauchen ist nach wie vor das Hauptrisiko für eine Lungenkrebserkrankung. Das Risiko steigt mit der Dauer des Konsums“, sagt Lungenfacharzt Prof. Nilius und macht damit deutlich, wie wichtig es ist, mit dem Rauchen aufzuhören.

Starker Zigarettenkonsum als Voraussetzung

Voraussetzung für eine Teilnahme am Screening ist neben dem Alter ein starker Zigarettenkonsum über eine Dauer von mindestens 15 „Packungsjahren“. Um abzuschätzen, wie viel ein Mensch in seinem Leben geraucht hat, greifen Lungenexperten auf sogenannte „Packungsjahre“ zurück. Wenn ein Patient oder eine Patientin angibt, über 15 Jahre hinweg täglich 20 Zigaretten geraucht zu haben, wird das als 15 „Packungsjahre“ gewertet. Bei zehn Zigaretten täglich wären es im selben Zeitraum siebeneinhalb „Packungsjahre“. 

Im frühen Stadium verursacht Lungenkrebs kaum Schmerzen. Ziel des Screenings ist es, mithilfe der Computertomografie (CT) Lungenkrebs schon im frühen Stadium zu erkennen. Die CT-Untersuchung wird mit einem besonders strahlenarmen Protokoll durchgeführt und von spezialisierten Radiologinnen und Radiologen ausgewertet. Um auch kleinste Veränderungen zu erkennen und vermessen zu können, werden die CT-Bilder zusätzlich durch eine KI analysiert. Bei unauffälligen Befunden können Risikopersonen nach einem Jahr erneut am Screening teilnehmen. 
Bei einem abklärungsbedürftigen Befund beurteilt ein weiterer Radiologe, der in einem auf Lungenkrebs spezialisierten Zentrum wie am Klinikum Dortmund tätig ist, die Niedrig-Dosis-Aufnahmen. Auch eine spätere Behandlung kann von den erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten der Lungenklinik durchgeführt werden.

Hohe Sicherheit für Betroffene

„Das zweistufige Verfahren und die Einbeziehung von spezialisierten Ärzten in den Lungenkrebszentren gewährleistet eine hohe Sicherheit für die betroffenen Personen, dass auffällige Befunde zuverlässig eingeordnet und früh erkannt werden“, so Prof. Dr. Stefan Rohde, Direktor der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum Dortmund, der mit seinem Team ebenfalls am Lungenkrebsscreening teilnimmt. 

„Wir haben natürlich ein Interesse daran, eine Erkrankung früh zu diagnostizieren, da die Behandlungsmöglichkeiten dann deutlich besser sind“, sagt Prof. Nilius. Wenn der Lungenkrebs früh erkannt wird, lässt sich dieser komplett durch eine Operation entfernen oder mit Hilfe einer speziellen Punktbestrahlung behandeln. So kann oftmals eine Heilung erzielt werden.

Lungenscreening kann Leben retten

Versicherte können sich an eine allgemeinmedizinische, internistische oder lungenfachärztliche Praxis wenden, die sich an der Lungenkrebs-Früherkennung beteiligt. Die Ärztin oder der Arzt prüft dann die Anspruchsberechtigung, klärt über die CT-Untersuchung auf und regt an, mit dem Rauchen aufzuhören. Bis das Screening in allen Praxen verfügbar ist, kann es auch nach der Einführung noch etwas dauern.

In anderen Ländern ist ein solches Lungenscreening für Risikopatientinnen und -patienten bereits seit Jahren etabliert. „Die wissenschaftlichen Daten sind sehr belastbar. Ein solches Screening kann Leben retten und verlängern“, sagt Prof. Dr. Georg Nilius. „Es ist gut, dass die Untersuchung nun von den Krankenkassen übernommen wird. Ich hoffe, dass viele Langzeit-Raucherinnen und -Raucher das Angebot nutzen, damit wir das Elend von Lungenkrebs in unserer Stadt reduzieren können.“
 

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Matthias Lackmann (verantwortlich)
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