Höchst-Niveau: Mehr als 100.000 Behandlungen in den Notaufnahmen

Das Klinikum Dortmund hat in seiner zentralen Notaufnahme im Jahr 2025 die höchsten Patientenzahlen jemals verzeichnet. Ein hoher Anteil der Fälle sind jedoch keine wirklichen Notfälle.

Die Patientenzahlen in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Dortmund sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. 2025 zählten die ZNA in Mitte und Nord gemeinsam rund 5.700 Patientinnen und Patienten mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden 75.170 Personen in der Zentralen Notaufnahme an beiden Standorten des Klinikums behandelt – ein Plus von über acht Prozent. Damit erreicht das Klinikum Dortmund den höchsten Stand, der jemals registriert wurde.

Hinzu kommen rund 30.000 junge Patientinnen und Patienten im Jahr in den Notfallambulanzen der Kinderklinik und Kinderchirurgie.
Rein rechnerisch hatte damit jeder sechste Dortmunder im Jahr 2025 einmal Kontakt mit den Notaufnahmen des Klinikums Dortmund. Das unterstreicht die Bedeutung des Maximalversorgers für die Stadt und die Region. Gleichzeitig zeigt sich: Ein erheblicher Anteil der Menschen, die vorstellig werden, sind keine echten Notfälle.

„Einer steigenden Anzahl von Menschen scheint die angemessene Einschätzung gesundheitlicher Notfälle zunehmend schwer zu fallen“, sagt Dr. Thorsten Strohmann, Leiter der ZNA am Klinikum Dortmund. Die aktuellen Patientenzahlen liegen auch deutlich über dem Vor-Corona-Niveau (rund zehn Prozent). Der Unfallchirurg geht davon aus, dass mindestens 20 Prozent der Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle sind und dort nicht hingehören.

Schnupfen ist kein Fall für die ZNA

„Typisch sind zum Beispiel Patientinnen und Patienten, die  kommen, weil sie seit fünf Wochen Knieschmerzen haben und keinen Termin beim Facharzt bekommen haben“, sagt Dr. Strohmann. Auch wegen eines Zeckenbisses, Sonnenbrands oder Schnupfen suchten Menschen die ZNA auf. Der Notfallmediziner betont: „Bei leichtem Fieber oder Schnupfen ist nicht der Notruf, sondern die Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 die richten Wahl, falls der eigene Hausarzt nicht erreichbar ist.“ Dort werde das passende Vorgehen besprochen.

„Wenn mehr Menschen mit Augenmaß vorgehen würden, wäre uns in der Notaufnahme schon geholfen“, sagt Dr. Strohmann. „Wir wollen hingegen auf keinen Fall erreichen, dass Menschen, die unsere Hilfe wirklich benötigen, zu Hause bleiben, weil sie uns nicht belasten wollen. Für sie ist die Notaufnahme schließlich da.“

Notaufnahme für aktue und lebensbedrohliche Fälle

In akuten uns lebensbedrohlichen Fällen ist eine Behandlung in der Notaufnahme absolut notwendig – etwa bei starken Brustschmerzen, Atemnot und Engegefühl mit Verdacht auf einen Herzinfarkt, der im Klinikum Dortmund in der spezialisierten Chest Pain Unit abgeklärt werden kann. Auch tiefe Schnittwunden und starke Blutungen sollten im Krankenhaus behandelt werden – ebenso beispielsweise Vergiftungen und akute allergische Reaktionen mit Atemnot oder Schwellungen.

„Nicht immer ist das für medizinische Laien eindeutig erkennbar. Im Zweifel sollte man in diesen akuten Fällen den Notruf 112 wählen“, sagt Dr. Strohmann.

Auch in die Kinder-Notaufnahmen kommen viele Eltern mit Kindern, die eigentlich nicht notfallmäßig behandelt werden müssen. Prof. Dr. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, geht von rund einem Drittel der Fälle aus. Auch Dr. Andreas Leutner, Direktor der Kinderchirurgie, spricht von 20 bis 30 Prozent der Fälle in der Notfallambulanz der Kinderchirurgie. Gründe dafür seien unter anderem eine hohe Erwartungshaltung an das Gesundheitssystem, weniger Kliniken, die sich an der Akutbehandlung beteiligten, aber auch fehlende Alternativen, kinderchirurgische Krankheitsbilder kompetent zu behandeln.

Unsicherheiten bei Eltern

Prof. Dr. Schneider ergänzt: Vielen Eltern falle es schwer, einzuschätzen, wie schlecht es ihrem Kind wirklich geht. „Da spielen Unsicherheiten eine große Rolle, aber auch die fehlende Einbettung in familiäre und soziale Netzwerke.“ Teils kommen Eltern in die Notaufnahme, weil bei Kindern ein Zehennagel eingewachsen ist oder sich ihr Kind warm anfühlt – ohne vorher Fieber gemessen zu haben.

Generell sei Fieber zunächst kein Grund, in die Notaufnahme zu fahren, wenn es erst seit wenigen Stunden bestehe, das Kind ansonsten einen guten Eindruck mache und esse und trinke, sagt Prof. Schneider. „Dann gehören Kinder nicht in die Notaufnahme, sondern erst einmal ins Bett.“ Anders sehe aus, wenn das Fieber auch nach der Gabe eines Fieberzäpfchens nicht einmal vorrübergehend sinke oder das Kind unter Fieberkrämpfen leide. „Bei Säuglingen unter drei Monaten sollte man Fieber grundsätzlich abklären lassen. Dafür kann man auch in die Notaufnahme kommen, wenn kein niedergelassener Kinderarzt geöffnet hat“, sagt Schneider. Auch Atemnot sei ein Grund, das Kind in die Notaufnahme zu bringen.

„Notfälle haben Priorität“

Bei Bauchschmerzen könne man hingegen zunächst warten, wenn sich die Situation nicht plötzlich deutlich verschlechtert, rät Prof. Schneider. Er hat gemeinsam mit dem Dortmunder Gesundheitsamt Flyer und Videos zu verschiedenen Krankheitsbildern erarbeitet. Unter der Überschrift „Mein Kind ist krank“ geben sie Eltern in mehreren Sprachen praktische Handlungstipps.

Grundsätzlich gilt für Klein und Groß: Notfälle haben Priorität. „Die Kapazitäten sind in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Dadurch kommt es zu längeren Wartezeiten. Diese sind aber systembedingt“, sagt Dr. Strohmann. „Die Notfallbehandlung ist in Deutschland grundlegend unterfinanziert.“ Das Team am Klinikum gebe jedoch täglich sein Bestes für die Gesundheit der Menschen. „Wir nehmen Sorgen und Ängste ernst.“

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