Minimalinvasive Herzchirurgie: Filmreife Präzision im OP

Dr. Ahmed Abugameh

Dr. Ahmed Abugameh, stellvertretender Direktor der Klinik für Herzchirurgie (Foto: Klinikum Dortmund)

Bei Operationen am Herzen muss jeder Handgriff sitzen. Um noch genauer zu arbeiten, werden die Herzchirurgen am Klinikum Dortmund von moderner 3D-Technik unterstützt.

Die Bildschirme sind schon eingeschaltet, als das Licht im Saal ausgeht. Dr. Ahmed Abugameh setzt sich die 3D-Brille auf. Doch der leitende Oberarzt und stellvertretende Direktor der Herzchirurgie am Klinikum Dortmund nimmt nicht etwa in einem gemütlichen Kinosessel Platz.

Er steht am OP-Tisch, der von den Leuchten und seiner Kopflampe erhellt wird. Vor ihm liegt eine Patientin. Der 70-Jährigen, die einige Monate zuvor noch lange Wanderungen unternommen hat, waren plötzlich Dinge schwergefallen, die ihr bislang keine Probleme bereitet hatten.

„Bei geringster Belastung hatte die Patientin Atemnot. Nach einer Etage Treppensteigen musste sie Luft schnappen“, erklärt Ahmed Abugameh. Die Spezialisten am Klinikum Dortmund diagnostizierten eine Mitralklappeninsuffizienz.

Klappe arbeitet nicht richtig

Die Klappe, die zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer sitzt, schließt aufgrund einer Veränderung der Gewebestruktur nicht richtig. Die Cordae, feine Sehnen im Herzen, die die Klappensegel in Position halten, sind teils gerissen.

Die Folge: Blut fließt zurück in den linken Vorhof. Das Herz muss deutlich stärker pumpen. „Wenn man so eine Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, dann nimmt die Insuffizienz zu. Rhythmusstörungen sind die Folge, die Herzfunktion wird deutlich schlechter“, sagt Ahmed Abugameh. „Das ist überhaupt nicht gut.“

Der erfahrene Spezialist für minimalinvasive Herzchirurgie setzt der Patientin deshalb unter anderem einen stabilisierenden Anulusring ein, um die Dichtigkeit der Klappe wiederherzustellen, ohne sie auszutauschen. Ein komplizierter Eingriff, bei dem Dr. Abugameh von modernster Technik unterstützt wird.

Über einen kleinen Schnitt an der rechten Seite des Oberkörpers wird eine 3D-Kamera zum Herzen der Patientin geführt. Sie überträgt ein Livebild auf die Monitore im OP-Saal. Schaut man auf den Bildschirm, ist das Bild, ähnlich wie bei 3D-Vorführungen im Kino, verschwommen. Erst mit einer speziellen Brille wird es dreidimensional.

„Mit dieser Technik können wir die Struktur der Klappe besser analysieren. Wir können präziser operieren und präzisere Stiche setzen“, erklärt Dr. Abugameh. Das ist im Herzen elementar.

Ein wichtiges Herzkranzgefäß liegt nur drei Millimeter von der Stelle entfernt, an der Ahmed Abugameh gerade einen Stich setzt. Diese lebenswichtige Ader durch den Stich zu verletzen oder durch die Naht einzuengen, könnte lebensbedrohlich für die Patientin sein.

Enge Überwachung

Die 70-Jährige ist an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, ihr Herzschlag ausgesetzt. Dr. Abugameh und sein Team arbeiten konzentriert und schnell, aber ohne Hektik. Dr. Andrea Paris, Oberärztin in der Kardioanästhesie, überwacht den Zustand und die Werte der Frau genau.

Die Anästhesistin hat zuvor mit einem Herz-Ultraschall die Diagnose nochmals bestätigt und spezielle Messungen durchgeführt, die für eine perfekte Reparatur der Mitralklappe, eine Rekonstruktion, wichtig sind.

Die Vitalwerte der Patientin behält sie während der OP genauestens im Auge. Sie ist zufrieden. Trotzdem möchte das OP-Team die Belastung für den Körper der Patientin so gering wie möglich halten.

Auch deshalb werden am Klinikum Dortmund nicht nur Mitralklappen-Rekonstruktionen minimalinvasiv durchgeführt, sondern rund 90 Prozent der herzchirurgischen Eingriffe.

Neben dem Schnitt für die Kamera hat Dr. Abugameh nur zwei weitere gesetzt: einen an der Leiste, um die Schläuche der Herz-Lungen-Maschine anzuschließen und einen weiteren unter der rechten Brust der Patientin. Über diesen etwa vier Zentimeter langen Schnitt führt er die eigentliche Operation durch.

Schnellere Genesung

Dafür werden die Rippen gespreizt, damit der Chirurg mit seinen Instrumenten zum Herzen gelangen kann – ein kleiner Eingriff im Vergleich zu anderen Methoden. „Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde für eine Operation an der Mitralklappe der Brustkorb komplett geöffnet. In anderen Zentren wird das teils immer noch so gemacht“, sagt Dr. Abugameh. „Das ist eine große Operation. Es können Wundheilungsstörungen auftreten. Der Blutverlust ist höher, die OP-Zeiten sind länger.“

Durch minimalinvasive Eingriffe kann das verhindert werden. „Die Heilung und die Mobilisation der Patientinnen und Patienten gelingt teils schon am selben Tag, sodass sie meist bereits nach fünf oder sechs Tagen nach Hause gehen können, um ihre Rehabilitationsmaßnahmen zu beginnen.“

Der Herzchirurg verknotet die letzten Nähte. Mit den Lichtern, die im OP-Saal angehen, löst sich die Anspannung. Und auch, wenn das hier kein Kinofilm war, gibt es ein Happyend: „Eine perfekte Operation“, sagt Abugameh. Man sieht, dass er unter dem Mundschutz lächelt.

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Matthias Lackmann (verantwortlich)
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