Rund 150 Interessierte haben am Mittwochabend (11. März) den Vortrag von PD. Dr. Laura Susok mit dem Titel „Mythos oder Medizin? Fundiertes Wissen für gesunde Haut" besucht.
„Ich werde heute ein wenig aufräumen“, kündigte die Direktorin der Hautklinik zu Beginn in der Magistrale des Klinikums an. Allein in Deutschland werden jährlich rund 36 Milliarden Euro für Pflegeprodukte ausgegeben. „Es ist ein riesiger Markt“, sagte die Dermatologin. Häufig höre sie den Satz: „Die Creme hat 200 Euro gekostet, die muss doch helfen.“ Entscheidend sei jedoch etwas Anderes: „Die Wirksamkeit hängt von den Inhaltsstoffen ab – nicht vom Preis.“
Sonnencreme als wirksames Anti-Aging-Produkt
Als wirksamste Maßnahme gegen vorzeitige Hautalterung nannte Susok den Schutz vor UV-Strahlung. Neben dem natürlichen Alterungsprozess sei Sonnenlicht der wichtigste äußere Einflussfaktor. Studien zufolge gehen bei sonnenexponierter Haut – etwa im Gesicht oder an den Händen – bis zu 80 Prozent der sichtbaren Hautalterun darauf zurück. Viele Tagescremes enthielten inzwischen UV-Schutz. „In unserer Klinik empfehlen wir nichts unter Lichtschutzfaktor 50 plus“, sagte Susok. Das gelte auch für Kinder.
Auch bestimmte Wirkstoffe seien wissenschaftlich gut untersucht. Dazu gehören Retinoide, also Vitamin-A-Abkömmlinge, die in Cremes eingesetzt werden. „Hier braucht man Geduld“, erklärte Susok. Erste Effekte zeigten sich meist erst nach drei bis sechs Monaten. Einen positiven Einfluss auf die Hautgesundheit hätten zudem antioxidativ wirkende Nahrungsmittel wie Beeren.
Ein anderes oft gehörtes Anti-Aging-Versprechen kann die Forschung dagegen nicht bestätigen: große Mengen Wasser zu trinken, um Falten zu glätten. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorge zwar dafür, dass Menschen vitaler wirkten, sagte Susok. „Einen aufpolsternden Effekt auf die Haut hat sie aber nicht.“
Kollagencremes ohne Anti-Aging-Effekt
Dass erste Fältchen bereits im Alter von etwa 20 bis 25 Jahren sichtbar werden können, sei völlig normal. Neben Umweltfaktoren spiele auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Frauen verfügen etwa über ein anderes Kollagengerüst als Männer. Kollagen ist ein Eiweiß, das der Haut Stabilität und Elastizität verleiht. Das in vielen Pflegeprodukten enthaltene Kollagen könne jedoch gar nicht in die Haut eindringen. „Die Moleküle sind zu groß“, erläuterte Susok. Solche Produkte wirkten daher letztlich nur als Feuchtigkeitscremes, hätten aber keinen Anti-Aging-Effekt.
Medizinische Verfahren könnten den Kollagenaufbau dagegen tatsächlich anregen: etwa bestimmte Vitamin-A-Behandlungen oder Lasertherapien. Diese sollten jedoch immer ärztlich begleitet werden.
Hautveränderung ärztlich abklären
Generell riet die Dermatologin dazu, Hautveränderungen ernst zu nehmen. Erkrankungen wie Rosazea oder Akne sollten frühzeitig abgeklärt werden. „Akne ist nichts, durch das man einfach durch muss“, betonte Susok. Wirksame Medikamente stünden seit langem zur Verfügung und könnten Narben verhindern.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, persönliche Fragen mit Ärztinnen der Hautklinik zu besprechen.
Interessierte können den mediTALK nachträglich auf YouTube oder Spotify verfolgen.



