Priv.-Doz. Dr. Farhad Farzaliyev und Prof. Dr. Tobias Hirsch gaben in der Magistrale des Klinikums einen Überblick über die moderne plastische Chirurgie. Beide leiten an der Unfallklinik am Klinikum Nord die Sektion für Plastische-, Rekonstruktive- und Handchirurgie, die seit dem Sommer vergangenen Jahres besteht. Prof. Dr. Hirsch ist zusätzlich Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Münster und Chefarzt an der Fachklinik Hornheide, die eng mit dem Klinikum Dortmund kooperieren.
Farzaliyev machte gleich zu Beginn deutlich, dass das gängige Bild der plastischen Chirurgie zu kurz greift: „Es geht um mehr als Nase und Falten.“ Die ästhetische Chirurgie sei nur ein Teil des Fachs. Daneben gehören die rekonstruktive Chirurgie, die Handchirurgie und die Verbrennungschirurgie zum Leistungsspektrum. Ziel sei es, sichtbare Körperformen und beeinträchtigte Funktionen wiederherzustellen oder zu verbessern.
Rekonstruktion nach nach Tumorerkrankungen
Besonders die rekonstruktive Chirurgie habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Nach schweren Unfällen können heute Gliedmaßen wieder angenäht oder komplexe Gewebeschäden ausgeglichen werden. Auch nach Tumorerkrankungen spielt sie eine zentrale Rolle für die Lebensqualität der Betroffenen. „Rekonstruktion ist kein Zusatz, sondern ein wesentlicher Bestandteil moderner Chirurgie“, betonte Hirsch.
Ein wichtiger Schwerpunkt am Klinikum Dortmund ist die Verbrennungschirurgie. Das Haus zählt zu den 19 spezialisierten Verbrennungszentren in Deutschland. Mithilfe moderner Operationsverfahren kann auch Patientinnen und Patienten mit großflächigen Verbrennungen oder Verbrühungen geholfen werden. Dank Hauttransplantationen und Verfahren zur Narbenverbesserung, kann vielen Betroffenen ein erheblicher Teil an Lebensqualität zurückgegeben werden.
Nach Unfall Zeh an die Hand transplantiert
Welch wichtigen Beitrag auch die Handchirurgie leistet, zeigte Farzaliyev eindrucksvoll anhand eines Beispiels aus der Praxis. Einer Frau, die bei einem Arbeitsunfall bis auf den Daumen alle Finger der rechten Hand verloren hatte, wurden Muskelgewebe und ein Zeh an die Hand transplantiert. Die Patientin ist heute wieder in der Lage, gezielt Dinge zwischen Daumen und (Zeh-)Finger zu halten.
Auch ästhetische Eingriffe können medizinisch notwendig sein, etwa wenn Eingriffe dazu dienen, Gewebe zu stabilisieren oder die Lebensqualität nach schweren Erkrankungen zu verbessern. Ein Beispiel ist die Brustrekonstruktion nach einer Krebserkrankung. Frauen haben die Möglichkeit, sich die Brust direkt nach der Tumoroperation oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufbauen zu lassen. Dabei kommen sowohl Implantate als auch körpereigenes Gewebe zum Einsatz, je nachdem, welche Methode medizinisch sinnvoll und individuell passend ist.
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