Ukrainische Ärzte besuchen das Klinikum Dortmund

Schockraum des Zentrums für Schwerbrandverletzte: Eine Delegation ukrainischer Ärztinnen und Ärzte hat das Klinikum Dortmund besucht.

Fünf Ärztinnen und Ärzte aus der Ukraine habe das Klinikum Dortmund besucht, um mehr über die Strukturen auf einer Schwerbrandverletzenstation zu erfahren. Doch auch die Spezialisten des Klinikums konnten dazulernen.

In der Ukraine wird das Mechnikov Hospital die „Überlebensfabrik“ genannt. Seit Beginn der vollständigen Invasion Russlands im Februar 2022 sind dort rund 58.000 ukrainische Soldatinnen und Soldaten behandelt worden. Nach Angaben der Klinik konnten davon 95 Prozent gerettet werden. Doch pro Nacht werden zwischen 50 und 100 Schwerverletzte eingeliefert. Am Dienstag (21.4.) haben fünf Ärztinnen und Ärzte aus dem Mechnikov Hospital in Dnipro und einer Klinik in Kiew das Zentrum für Schwerbrandverletzte am Klinikum Dortmund Nord besucht.

Sie ist eine von 19 spezialisierten Verbrennungszentren in Deutschland. Auch in Dnipro ist der Aufbau einer solchen Station geplant. Die Ärztinnen und Ärzte aus der Ukraine waren deshalb besonders interessiert an den Strukturen und dem medizinischen Equipment am Klinikum Dortmund.

Spezialisierter Schockraum und OP-Saal

Dr. Fatma Topcuoglu, Leiterin der Verbrennungsmedizin, zeigte den ukrainischen Gästen die spezialisierte Intensivstation inklusive des auf Brandverletzungen ausgerichteten Schockraums und des Operationssaals, in dem zu diesem Zeitpunkt ein ukrainischer Soldat operiert wurde.

Die Eingliederung der Schwerbrandverletztenstation in die Unfallklinik unter der Leitung von Dr. Jens-Peter Stahl ist eine Besonderheit in Deutschland. Ergänzt wird diese bewährte Struktur seit dem vergangenen Jahr durch eine Sektion für Plastische-, Rekonstruktive- und Handchirurgie.

„Wir sind dadurch sehr gut darauf eingestellt, Patientinnen und Patienten mit schweren Spreng- und Explosionsverletzungen, schweren Weichteilverletzungen und offenen Knochenbrüchen zu versorgen“, sagt Prof. Dr. Tobias Hirsch, der die Sektion für plastische Chirurgie gemeinsam mit PD Dr. Farhad Farzaliyev leitet. Über Prof. Hirsch kam der Kontakt des Klinikums Dortmund und der ukrainischen Delegation zustande, die auf Initiative des Vereins Blau-Gelbes Kreuz nach Nordrhein-Westfalen kam.

Mehr Brandverletzungen im Krieg

Wie die ukrainischen Ärzte berichteten, die auch das Krankenhaus in Köln-Mehrheim besuchten, ist die Zahl der Verbrennungsopfer im Laufe des Kriegs deutlich gestiegen. Rund 22 Prozent der im Mechnikov Hospital behandelten Verletzungen seien Brandverletzungen oder gingen mit Verbrennungen einher.

„Die veränderte Form der Kriegsführung mit Drohnen hat zur Folge, dass durch Explosionen insbesondere mehr Verbrennungsverletzungen entstehen“, sagt Dr. Topcuoglu. Solche Patienten würden vor allem im Klinikum Dortmund behandelt. Häufig hätten diese Patientinnen und Patienten weitere Verletzungen wie Knochenbrüche, sagt die Leiterin des Verbrennungszentrums. „Wir freuen uns über den Besuch aus der Ukraine. Es geht darum, die Interaktion zwischen beiden Ländern weiter zu intensivieren, um die Versorgung von Verletzten aus der Ukraine zu verbessern.“

Nach dem Rundgang lag der Fokus auf dem fachlichen Austausch. Bei dem Besuch unterstützten Ehrenamtliche vom Förderkreis der ukrainischen Veteranen NRW, die auch immer wieder für verletzte Soldaten im Klinikum Dortmund übersetzen.

Große Erfahrung bei ukrainischen Ärzten

Die ukrainischen Ärzte haben allein durch die schiere Zahl von Kriegsverletzten eine große Erfahrung. „Wir haben es mit allen Arten von Kriegsverletzungen zu tun – großen Knochendefekte, Hautverletzungen und Verbrennungen“, sagt Taras Hatsenko, Unfallchirurg am Mechnikov Hospital. Die Behandlungstechniken in Deutschland und der Ukraine seien ähnlich, sagt der Arzt nach einem Vortrag von Dr. Philippus Schötte, Leitender Oberarzt der Unfallchirurgie, zur Knochenrekonstruktion. „Es ist sehr interessant. Dieses Wissen kann man nicht mit Geld aufwiegen.“

Auch das Klinikum Dortmund arbeitet fortlaufend an seinen Konzepten zur gleichzeitigen Versorgung zahlreicher Schwerverletzter. „Dabei können wir viel von den Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine lernen“, sagt Prof. Hirsch. „Wir haben sehr großen Respekt vor dem, was die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern fachlich, aber auch darüber hinaus leisten.“ Denn medizinisches Personal und Krankenhäuser werden im Krieg in der Ukraine immer wieder Ziele von Angriffen. „Sie riskieren täglich ihr Leben, um Patientinnen und Patienten zu versorgen.“

Fatma Topcuoglu sagt: „Wir sind froh, dass wir die ukrainischen Kolleginnen und Kollegen mit unseren Möglichkeiten in Dortmund unterstützen können.“

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