Unser Zentrum
Das Zentrum für Schwerbrandverletzte ist eine Spezialeinheit der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Hier behandeln unsere Spezialistinnen und Spezialisten schwerste Verbrennungen, Hochspannungsunfälle und lebensbedrohliche Hauterkrankungen (TEN, nekrotisierende Fasziitis, etc.) aus ganz Deutschland intensivmedizinisch, operativ und pflegerisch.
Die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie ist als überregionales Traumazentrum der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) im Traumanetzwerk Ruhrgebiet zertifiziert und ist von Beginn an am Schwerstverletztenartenverfahren (SAV) der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) beteiligt. Aufgrund seiner hohen Expertise gilt dies auch für das Zentrum für Schwerbrandverletzte.
Das Zentrum für Schwerbrandverletzte besitzt eine separate Intensivüberwachungs- und Behandlungseinheit mit 5 Intensivbetten, an denen Patientinnen und Patienten langzeitbeamtet und mit engen Monitoring überwacht werden können.
Da das Infektionsrisiko bei schwerbrandverletzen hoch ist, steht jedes Bett in einer sogenannten separaten Intensivbox mit vorgeschalteter Hygieneschleuse und individuell steuerbarer Klimaanlage.
In das Zentrum für Schwerbrandverletzte integriert ist ein separater, speziell für die Versorgung Schwerbrandverletzter ausgestatteter Schockraum. Hier können chirurgische Behandlungen und Verbandswechsel durchgeführt werden. Außerde ist dort Hydrotherapie möglich. Der Raum kann schnell bis auf 36 Grad hochgeheizt werden. Auch hier stehen dem Zentrum standardisiert das gesamte Monitoring zur Verfügung. Apparative, bildgebende Diagnostik ist räumlich und zeitlich gegeben (Sonographie, Röntgen, CT, MRT).
Auf derselben Ebene gibt es einen Spezial-Operationssaal mit Klimaanlage, der bei Bedarf in kürzester Zeit bis auf 40°C hochgeheizt werden kann. Dieser OP steht dem Zentrum jederzeit für die Versorgung von schweren thermischen Verletzungen zur Verfügung.
Das klinikeigene Hygieneinstitut kontrolliert regelmäßig Wasseranlagen, Filter und sensible Bereiche auf Keime. Die Antibiotikatherapie wird täglich anhand der Befunde mit dem Institut für Krankenhaushygiene und Klinische Mikrobiologie abgestimmt und bei Bedarf angepasst. Zusätzlich findet wöchentlich eine Hygienevisite auf der Intensivstation statt. Das Zentrum beteiligt sich außerdem am bundesweiten Überwachungssystem am Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (ITS-KISS) für Schwerbrandverletzte.
Im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung sind bei beginnender oder bestehender Niereninsuffizienz jederzeit ein speziell auf die Patientin oder den Patienten zugeschnittenes Hämofiltrations- oder Dialyseverfahren möglich. Hierfür steht 24/7 eine im Hause ansässige Dialysepraxis zur Verfügung.
Das Klinikum Dortmund verfügt am Standort Nord in der Klinik für Unfall- Hand- und Wiederherstellungschirurgie über erfahrene Unfall- und Handchirurginnen und -chirurgen, die für die Leitung eines solchen Zentrums erforderliche Fachexpertisen erfüllen.
Nahezu alle Pflegekräfte im Zentrum für Schwerbrandverletzte besitzen die Fachweiterbildung „Intensivmedizin“.
Weiterhin werden die für eine solche Spezialabteilung zwingend erforderlichen Fachbereiche Physiotherapie, Ergotherapie und psychologische Betreuung am gleichen Standort vorgehalten.
Brandverletzungen
Schädigungen der Haut durch Hitze, Kälte, Strahlung, Chemikalien (z.B. Säuren oder Basen), aber auch medikamentös ausgelöste schwere Hautreaktionen kommen in unterschiedlicher Ausdehnung und unterschiedlicher Schädigungstiefe vor . In Deutschland werden jährlich ca. 20.000 Menschen mit solchen Verletzungen ärztlich behandelt, davon etwa 2000 in eigens hierfür spezialisierten Brandverletztenzentren wie dem am Klinikum Dortmund.
Ganz oberflächliche Verletzungen mit geringer Ausdehnung verheilen unter entsprechender Behandlung meist ohne Operationen und ohne wesentliche Narbenbildung. Pigmentstörungen, also Farbveränderungen der Haut, sind meistens vorübergehend, können jedoch in einzelnen Fällen auch von Dauer sein.
Tiefere Verletzungen der Haut gehen typischerweise mit einer Kreislaufreaktion einher. Je tiefer und je ausgedehnter eine Verletzung ist, umso schwerer fällt die Kreislaufreaktion aus. Ab 10% betroffener Körperoberfläche besteht, insbesondere beim älteren Menschen Lebensgefahr. Hier ist es dringend erforderlich die Behandlung auf unserer spezialisierten Intensivstation für Schwerbrandverletzte durchzuführen. Zudem müssen die betroffenen Areale vom abgestorbenen Gewebe (Nekrosen) befreit werden, was bei großen Flächen oftmals mehrere Operationen erfordert. Aus der Verletzungstiefe resultiert auch die Notwendigkeit unter Umständen Hauttransplantationen durchführen zu müssen.
Durch moderne Behandlungsverfahren, wie z.B. die Behandlung mit Ananas-Enzym zur schonenden Entfernung verbrannten Gewebes und durch moderne Wundbehandlung und Verbände können wir die operativ zu behandelnden und zu transplantierenden Bereiche häufig deutlich verkleinern.
Patientinnen und Patienten mit folgenden Verletzungen sollten nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV) in ein Zentrum für Schwerbrandverletzte eingewiesen werden:
- Alle Patientinnen und Patienten mit Verbrennungen an Gesicht/Hals, Händen, Füßen, Ano-genital-Region, Achselhöhlen, Bereiche über großen
- Gelenken oder sonstiger komplizierter Lokalisationen
- Patientinnen und Patienten mit mehr als 15% zweitgradig verbrannter Körperoberfläche
- Patientinnen und Patienten mit mehr als 10% drittgradig verbrannter Körperoberfläche
- Patientinnen und Patienten mit mechanischen Begleitverletzungen
- alle Patientinnen und Patienten mit Inhalationstrauma
- Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen oder einem Alter unter 8 Jahren bzw. über 60 Jahren
- alle Patientinnen und Patienten mit elektrischen Verletzungen
Alle bundesweit freien Intensivkapazitäten für brandverletzte Patientinnen und Patienten können bei der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Hamburg abgefragt werden.
Therapie
Bei großflächigen Verbrennungen werden Patientinnen und Patienten zeitweise in einen künstlichen Dauerschlaf versetzt, um starke Schmerzen zu lindern. Dabei kommen moderne intensivmedizinische Verfahren zum Einsatz – mit Beatmungsgeräten, wirksamen Medikamenten und einer kontinuierlichen Überwachung aller wichtigen Körperfunktionen. Der Schlaf wird so gesteuert, dass eine gute Schmerzausschaltung erreicht wird und gleichzeitig eine leichte Weckbarkeit möglich bleibt. Zudem fördern wir früh die eigene Atmung, um die Entwöhnung vom Beatmungsgerät („Weaning“) so kurz und schonend wie möglich zu gestalten.
Ist absehbar, dass eine selbstständige Atmung zunächst nicht möglich ist, legen wir frühzeitig einen Luftröhrenschnitt (Tracheostoma) an. Auch wenn das zunächst beunruhigend wirken kann, erleichtert es die Beatmung, erhöht die Sicherheit und unterstützt in der Entwöhnungsphase das Schlucken. Der Eingriff erfolgt heute meist minimalinvasiv und unter bronchoskopischer Kontrolle.
Für die Versorgung mit Flüssigkeit, Nährstoffen und wichtigen Mineralstoffen erhalten Patientinnen und Patienten spezielle Zugänge in große Venen. Zusätzlich erfolgt die Ernährung über eine Magensonde.
Die vielen Geräte und Zugänge können auf den ersten Blick belastend wirken. Sie sind jedoch notwendig, um lebenswichtige Funktionen kontinuierlich zu überwachen und zu unterstützen – besonders in einer Phase, in der der Körper dies nicht allein leisten kann.
Sobald sich der Zustand stabilisiert und die Wundheilung fortschreitet, beginnt die schrittweise Entwöhnung von Medikamenten und Beatmung. Dieser Prozess verläuft individuell und kann wenige Tage bis mehrere Wochen dauern. Ziel ist es, wieder selbstständig zu atmen und zu schlucken, sodass Beatmungskanüle und Ernährungssonde entfernt werden können.
Wenn bei schweren Verbrennungen Hautransplantationen notwendig sind, arbeitet das Zentrum für Schwerbrandverletzemit dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz in Berlin zusammen. Dort können aus körpereigenen Hautzellen neue Zellen gezüchtet werden. Das Zentrum für Schwerbrandverletzte hält gleichzeitig ausreichende Mengen an Kunsthaut (Suprathel®) vor, um zeitnah alle Verbrennungsareale operativ angehen zu können.
Darüber hinaus werden bei geeigneten Fällen regelmäßig autologe Keratinozytentransplantationen mit dem Recell-System® durchgeführt. Bei der Behandlung von Verbrennungen mit dem enzymatischen Wunddebridement „Nexobrid®“ gehört das Dortmunder Zentrum für Schwerbrandverletzte zu den ersten Zentren in Deutschland, welches dieses Verfahren einsetzt. Hierfür wurde es wiederholt zertifiziert und berichtet regelmäßig bei Expertentreffen über diese neue OP-Methode.
Falls Ihr Angehöriger solch schwere Verletzungen aufweist, dass wir ihn in einem künstlichen Koma halten müssen, so sind wir gesetzlich verpflichtet eine vorübergehende Betreuung beim Amtsgericht Dortmund einzurichten. Hier wird für die Zeit, in der die Patientin oder der Patient nicht in der Lage ist selbst zu entscheiden, eine Person bestimmt, die im Rahmen der Gesundheitsfürsorge für die Patientin oder den Patienten Entscheidungen, wie z.B. Unterschrift bei OP-Aufklärungen etc., übernehmen muss. Sollte aus der Familie (Ehepartner, volljährige Kinder, etc.) keine Person hierfür zur Verfügung stehen, so wird vom Gericht eine neutrale Person hierzu bestimmt.
Sollte eine Vorsorgevollmacht bestehen und / oder ein Patiententestament, bitten wir Sie uns dieses vorzulegen, bzw. den Auszug aus dem Vorsorgeregister.
Unabhängig vom Vorhandensein eines Patiententestamentes richten wir unser Handeln nach ethischen und medizinischen Gesichtspunkten sowie dem (mutmaßlichen) Wunsch der Patientin oder des Patienten aus. Hierzu suchen wir den offenen Dialog mit der oder dem Patienten, den Angehörigen und wenn erwünscht auch mit vorbehandelnden Ärztinnen und Ärzten, z.B. der Hausärztin/dem Hausarzt.
Das Klinikum Dortmund verfügt im Klinikzentrum Nord über eine große, hochqualifizierte Physiotherapie und eine speziell dem Verbrennungszentrum zugeordnete Ergotherapie. Beide Abteilungen therapieren die Verbrennungspatientinnen und -patienten der Intensivstation zweimal täglich. Alle Patientinnen und Patienten erhalten frühzeitig Physiotherapie, um Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination aller Gliedmaßen zu erhalten oder wiederherzustellen. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch regelmäßige Ergotherapie.
Weiterhin kann das Zentrum bei Bedarf jederzeit auf ein gut geschultes Wund- und Schmerzmanagement, eine Schmerztherapie und auf die Mitarbeiter der Psychotraumatologie zugreifen. Zusätzlich besitzt das Klinikum das Institut für Transfusions- und Labormedizin mit einem gesonderten Notfalllabor am Klinikzentrum Nord.
Durch Kooperationsverträge mit Rehabilitationszentren besteht die Möglichkeit, Brandverletze im Rahmen von Frührehabilitationen zu verlegen.
Die Leitende Ärztin des Zentrums für Schwerbrandverletzte besitzt eine KV-Zulassung für Verbrennungsbehandlung und ist somit berechtigt den Verbrennungspatientinnen und -patienten Nachsorgesprechstunden und ambulante Weiterbehandlungen über die üblichen poststationären Möglichkeiten hinaus anzubieten. Diese Sprechstunde findet einmal wöchentlich statt.
Die Schwere der Verletzung und die damit verbundene Behandlungsdauer auf unserer Intensivstation unterscheidet sich individuell stark voneinander und kann sich von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten erstrecken. In allen Fällen koordinieren wir die Entlassung oder die Weiterbehandlung mit unserem „Entlassungs-Management“, dem „Sozialdienst“ und „Case-Management“. Wir versuchen für jede Patientin und jeden Patienten eine individuelle Lösung zu finden. Die frühe Kontaktaufnahme mit Kurzzeitpflege-Einrichtung oder der Reha-Einrichtung und die enge Kommunikation sind hier von zentraler Bedeutung.
Leichter Verletzte gelangen meist in die gewohnte, häusliche Umgebung zurück und die Weiterbehandlung mit Wundkontrollen und ggf. Physiotherapie oder anderen Maßnahmen erfolgt ambulant.
Wir sind gern für Sie da.
In unserer Klinik stehen Sie als Mensch im Mittelpunkt. Wir begleiten Sie mit medizinischer Expertise, moderner Diagnostik und einer Behandlung, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen orientiert. Dabei haben wir ein Ohr für Ihre Fragen, Ihre Sorgen und alles, was Ihnen wichtig ist.
Unser interdisziplinäres Team arbeitet Hand in Hand, um Ihnen eine bestmögliche Versorgung zu bieten – kompetent, verlässlich und mit einem hohen Anspruch an Qualität und Sicherheit. Vom ersten Gespräch bis zur Nachsorge sind wir an Ihrer Seite und unterstützen Sie Schritt für Schritt.
- Tel: +49 231 953 18486
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Oberärztin, Leitende Notärztin der Stadt Dortmund
Spezielle Unfallchirurgie, chirurgische Intensivmedizin, Notfallmedizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin, Wirbelsäulenchirurgie (DWG-Zertifikat), Antibiotic stewardship, Fußchirurgie (DAF-Zertifikat), Kindertraumatologie, Notfallmedizin, Verbrennungschirurgie, Segmenttransport/ Rekonstruktion Knochendefekte, Septische Chirurgie
Verbrennungsambulanz
Dienstags und Donnerstags: 07.00 bis 07.30 Uhr und nach Vereinbarung
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