Klinikum der Universität Witten / Herdecke
Klinikum der Universität Witten / Herdecke

Geschichte & Entwicklung 

Vom Luisenhospital zum modernen Klinikum

Die Geschichte des Klinikums Dortmund beginnt in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Mit der Industrialisierung wuchs Dortmund in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant – und mit der Bevölkerung auch der Bedarf an medizinischer Versorgung.

Am 10. März 1876 eröffnete das Luisenhospital, das erste moderne städtische Krankenhaus am heutigen Standort an der Beurhausstraße. Das Krankenhaus war für seine Zeit modern ausgestattet und bot mit einer inneren und einer chirurgischen Abteilung zunächst 250 Betten. Bereits 1889 entstand hier die erste dermatologische Klinik Westfalens, wenig später folgten weitere spezialisierte Abteilungen, darunter die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs das Krankenhaus zu einer differenzierten Kliniklandschaft. Neue Einrichtungen wie die Nervenstation und die Frauenklinik (1906) erweiterten das medizinische Angebot erheblich. Auch die Ausbildung wurde professionalisiert: Mit der Eröffnung einer Krankenpflegeschule 1906 begann der systematische Aufbau eines modernen Pflegedienstes.

Bereits 1912 wurde das Luisenhospital in "Städtische Krankenanstalten" umbenannt. In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Fachbereiche und Neubauten, darunter der Neubau der Chirurgischen Klinik (1917) und ein Pathologisches Institut (1913). Die medizinische Spezialisierung setzte sich fort, etwa mit der Kinderheilkunde, für die 1930 eine der modernsten Kinderkliniken Deutschlands eröffnet wurde. Um 1930 verfügte das Krankenhaus bereits über rund 1.200 Betten und ein breites Spektrum spezialisierter Kliniken.

Entwicklung unter schwierigen Bedingungen

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte einen tiefen Einschnitt. 1933 wurden jüdische Ärzte aus ihren Ämtern verdrängt, darunter der Gründer der Kinderklinik Prof. Stefan Engel. Politische Eingriffe prägten zunehmend die medizinische Arbeit. Der Zweite Weltkrieg führte schließlich zu massiven Zerstörungen: Große Teile des Klinikums wurden zerstört oder schwer beschädigt.

Ein zweiter wichtiger Standort entstand 1937 in der Dortmunder Nordstadt, als das Brüderkrankenhaus in die Städtischen Krankenanstalten integriert wurde. Aus der dortigen chirurgischen Abteilung entwickelte sich die Unfallchirurgie – der Ursprung des heutigen Klinikzentrums Nord, das bis heute einen wichtigen Teil des Klinikums bildet. 

Auf dem Weg zum Klinikum der Maximalversorgung

Nach 1945 begann unter schwierigen Bedingungen der Wiederaufbau. Schrittweise entstanden neue Gebäude und Fachbereiche. Mit der Eröffnung moderner Kliniken in den 1950er- und 1960er-Jahren, darunter eine neue Medizinische Klinik in Nord und eine neue Kinderklinik, gewann das Krankenhaus wieder seine Leistungsfähigkeit zurück. 1970 folgte dann eine weitere Umbenennung in "Städtische Kliniken", wie das Klinikum auch heute noch manchmal genannt wird.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Einrichtung kontinuierlich weiter zu einem Krankenhaus der Maximalversorgung. Neue Fachdisziplinen, moderne Operationszentren und strukturelle Reformen prägten diese Phase. 2002 wurden die Städtischen Kliniken in eine gemeinnützige GmbH überführt und trägt seither den Namen "Klinikum Dortmund".

Heute zählt das Klinikum Dortmund zu den größten kommunalen Krankenhäusern Deutschlands. Mit 26 Kliniken, zahlreichen Zentren und Instituten sowie mehr als 400.000 Behandlungen jährlich steht es für moderne Spitzenmedizin, Forschung und Ausbildung – und führt die Tradition fort, die 1876 mit dem Luisenhospital begann.