Klinikum der Universität Witten / Herdecke
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Physiotherapeutin Marie Heimhalt leitet Übungen mit einem Jungen, die ihm helfen sollen, seine Giggle-Inkontinenz in den Griff zu bekommen.
| Lukas Wittland – Unternehmenskommunikation

Tieryoga statt Tabu: So hilft Physiotherapie am Klinikum Kindern mit Inkontinenz

Einnässen gehört bei vielen Kindern zunächst zur normalen Entwicklung. Hält die Inkontinenz jedoch über ein bestimmtes Alter hinaus an, kann sie zur Belastung werden. In der kinderurologischen Ambulanz des Klinikums Dortmund unterstützt Physiotherapie betroffene Kinder spielerisch auf dem Weg zu mehr Kontinenz und Selbstvertrauen.

„Immer wenn er herzlich gelacht hat, konnte er es einfach nicht halten. Obwohl er kurz vorher auf der Toilette war, lief es trotzdem“, sagt Jacqueline über ihren Sohn Liam. Der 7-Jährige hat eine sogenannte Giggle-Inkontinenz. Das heißt, beim Lachen konnte er den Urin häufig nicht halten. Es sei auch passiert, wenn er unterwegs keine Wechselsachen dabei gehabt habe, erzählt die Mutter. „Das ist bedrückend für ihn.“ 

Seit Ende des vergangenen Jahres ist Liam wegen der Inkontinenz in physiotherapeutischer Behandlung in der kinderurologischen Ambulanz des Klinikums Dortmund. Die meisten Kinder, die Physiotherapeutin Marie Heimhalt betreut, sind etwa im Alter von Liam, das älteste Mädchen sei elf Jahre alt. Marie Heimhalt hat sich auf Kinder mit verschiedenen Arten von Harn- und Stuhlinkontinenz spezialisiert. „Es ist ein schambehaftetes Thema. In der Klasse bekommt man schnell einen Stempel. Gleichzeitig ist es total natürlich, weil es sehr viele Kinder betrifft“, sagt die Physiotherapeutin.

Wann Kinder trocken werden, ist sehr unterschiedlich

Im Alter von sieben Jahren nässen nachts noch etwa zehn Prozent und tagsüber noch drei bis fünf Prozent der Kinder ein. „Für die Familien ist das oft belastend“, sagt Dr. Andreas Leutner, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie. „Bis zum Vollenden des fünften Lebensjahres gilt Einnässen in der Regel als altersgemäß – meist auch dann, wenn die Kinder schon einmal vorübergehend ,trocken‘ waren“, sagt Dr. Leutner. „Der Zeitpunkt, wann Kinder trocken werden, ist individuell sehr unterschiedlich.“

Nach dem vollendeten fünften Lebensjahr kann eine erste Vorstellung in der Urotherapie oder der kinderurologischen Sprechstunde erfolgen. Es werden dann in der Regel Fragebögen an die Eltern geschickt. Außerdem soll ein sogenanntes Blasentagebuch geführt werden. Dabei wird erfasst, wann und wieviel die Kinder trinken und zu welchen Zeiten wieviel Urin entleert wird. „Damit haben wir in sehr vielen Fällen schon genug Informationen, um eine sinnvolle Behandlung einzuleiten“, sagt Dr. Andreas Leutner. „Weitere Untersuchungen werden bei Bedarf durchgeführt: wie ein Ultraschall der Blase und Niere, oder die Uroflowmetrie, bei der eine sogenannten Computer-Toilette den Harnfluss misst“, erklärt der Kinderurologe. „Eine OP ist nur in ganz besonderen Fällen notwendig.“

Physiotherapie bei Inkontinenz zeigt Erfolge

Bei Liam zeigt die Therapie Erfolge. „Früher war es jede Woche mindestens einmal. Mittlerweile ist es fast weg“, sagt Jacqueline. Ihr Sohn freue sich immer auf die Physiotherapie. „Ich bin super zufrieden. Marie ist so herzlich und kommt super mit Liam klar.“ Mit den Kindern trainiert Marie Heimhalt den Beckenboden etwa mit Tieryoga, bei dem die Kinder an die Bewegungen von Tieren angelehnte Übungen machen.

 „Ich versuche die Therapie so frei, spielerisch und kindgerecht wie möglich zu gestalten, damit die Kinder auch Zuhause dran bleiben“, sagt Marie Heimhalt. Die Übungen passt sie auf die Kinder und die Art der Inkontinenz an. Weil Liam gerne mit Bällen spielt, wirft sie dem Siebenjährigen einen Ball zu, während er in der Froschhocke sitzt. So wird der Beckenboden durch Ausgleichsbewegungen immer wieder angespannt und entspannt. Mit den Kindern macht die Physiotherapeutin außerdem Atemübungen. Mit den Eltern führt sie Beratungsgespräche. 

Beratung in Kontinenzsprechstunde

Eltern, die eine Problematik bei ihren Kindern feststellen, können sich an die Kontinenzsprechstunde der Kinderchirurgie und Kinderurologie wenden. Dort werden montags, mittwochs und donnerstags nach Terminvereinbarung diagnostische Schritte und therapeutische Maßnahmen besprochen. 

Kontakt: Tel. Urotherapeutin Tanja Albers (0231) 953 21653 oder per E-Mail:
kch-urotherapie@klinikumdo.de

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