Erstmals ist bei einer Operation in der Augenklinik am Klinikum Dortmund das sogenannte Contivue implantiert worden. Priv.-Doz. Dr. Raffael Liegl setzte das reiskorngroße Medikamentenreservoir (8,4 mm x 2,6 mm) am Dienstag (6.10.) erfolgreich in das Auge einer Patientin ein, die von einer feuchten altersabhängige Makuladegeneration (AMD) betroffen ist.
Die AMD ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine schwere Sehbeeinträchtigung bei Menschen über 65 Jahren. Besonders die sogenannte feuchte Form, medizinisch „neovaskuläre AMD“ genannt, führt oft rasch zu einem Verlust der Sehschärfe.
Bei der Erkrankung bilden sich neue, instabile Blutgefäße unter der Netzhaut, die Flüssigkeit und manchmal Blut in den Bereich der Makula – den Punkt des schärfsten Sehens – abgeben. Die Flüssigkeit beeinträchtigt das zentrale Sehen. Unbehandelt kann dies innerhalb weniger Monate zu einer dauerhaften und gravierenden Seheinschränkung führen.
Großes Interesse an neuer Behandlung der feuchten Makuladegeneration
Bei der Entstehung der krankhaften Gefäßneubildung spielt ein Botenstoff namens VEGF („Vascular Endothelial Growth Factor“) eine entscheidende Rolle. Bislang wurden Anti-VEGF-Medikamente in Europa zur Behandlung der feuchten AMD über Spritzen direkt in das Auge verabreicht.
Die Wirksamkeit ist hoch, allerdings sind für viele Patientinnen und Patienten regelmäßige Injektionen notwendig – anfangs meist im Abstand von vier Wochen, später je nach Verlauf, in längeren Abständen oder nach Bedarf. Für viele Betroffene bedeutet dies zahlreiche Behandlungstermine und Injektionen im Jahr. Wie groß das Interesse an der neuen Behandlung ist, zeigte sich bereits, als das Klinikum Dortmund im vergangenen Jahr ankündigte, den Eingriff künftig anzubieten.
Spürbare Erleichterung bei feuchter Makuladegeneration durch Contivue
„Für viele unserer Patientinnen und Patienten wird Contivue eine spürbare Erleichterung bringen – vor allem für diejenigen, die nicht ohne Weiteres regelmäßig ein Behandlungszentrum aufsuchen können“, betont Dr. Liegl.
Der Klinikdirektor setzte das winzige Medikamentenreservoir in einem kurzen chirurgischen Eingriff in die Sklera, den weißen Teil des Auges, ein. „Dadurch, dass das Implantat unter der Bindehaut und der Schicht darunter implantiert wird, wird es im Alltag für unsere Patientinnen und Patienten nicht spürbar sein“, sagt Dr. Liegl. Außerdem ist es für den Laien nicht sichtbar. Der entscheidende Faktor ist aber, dass es in festgelegten Abständen wieder befüllt werden kann.
Stabile Wirkung mit deutlich weniger Behandlungen
„Die Studienerfahrungen zeigen, dass eine einzige Befüllung dieses Reservoirs eine Wirkung über sechs Monate erreicht und 95 Prozent der Patientinnen und Patienten mit zwei Füllungen im Jahr auskommen“, sagt Dr. Liegl. „Durch die passive Diffusion des Medikaments kann so eine stabile Wirkung mit deutlich weniger Behandlungen erreicht werden.“
Priv.-Doz. Dr. Raffael Liegl, Direktor der Augenklinik am Klinikum Dortmund und Spezialist für Netzhauterkrankungen, gehört zu den erfahrensten Augenchirurgen in Deutschland auf diesem Gebiet. An der Universitätsklinik Bonn forschte er bereits zum Port Delivery System, wie es vor seiner Marktzulassung hieß und schult andere Fachärzte in der Implantation. Nun ist das Verfahren in Deutschland und Europa auch außerhalb von Studien zugelassen.
„Das ist eine große Neuerung“, sagt Dr. Liegl. „Ich bin sehr stolz auf unser Team, dass wir eine der ersten Kliniken in ganz Europa sind, die dieses Verfahren jetzt erstmalig im klinischen Alltag erfolgreich angewendet hat.“
Kontakt für Interessierte
Ansprechpartnerin für interessierte Betroffene ist Assistenzärztin Zoé Weber. Kontakt: ZoeAdeline.weber@klinikumdo.de