Fibromyalgie bedeutet wörtlich „Fasermuskelschmerz“. Dahinter steckt jedoch weit mehr als schmerzende Muskeln: Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist eine komplexe chronische Schmerzerkrankung. Typisch sind Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, die mindestens drei Monate bestehen, sowie nicht erholsamer Schlaf und ausgeprägte Erschöpfung. Auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer; besonders häufig tritt die Erkrankung zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.
Eine Erkrankung, die schwer zu greifen ist
Fibromyalgie lässt sich nicht durch einen einzelnen Blutwert oder eine bildgebende Untersuchung nachweisen. Die Diagnose basiert auf den typischen Beschwerden und einer gründlichen ärztlichen Untersuchung. Gleichzeitig müssen andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden.
„Fibromyalgie ist bis heute eine Erkrankung, die wir noch nicht vollständig verstehen. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie das haben“, sagt Daniela Fischer. Heute geht man davon aus, dass bei Fibromyalgie die Verarbeitung von Schmerzreizen verändert ist. Das Nervensystem reagiert empfindlicher, sodass Schmerzen stärker oder länger wahrgenommen werden können. Die Beschwerden sind damit keineswegs eingebildet.
Was kann helfen?
Eine Therapie, die bei allen Betroffenen gleichermaßen wirkt, gibt es nicht. Im Mittelpunkt stehen deshalb individuell abgestimmte Maßnahmen. Regelmäßige, angemessen dosierte Bewegung – etwa Walking – kann ebenso helfen wie ein regelmäßiger Schlafrhythmus, Stressreduktion und Entspannungs- oder Achtsamkeitsübungen. Bei stärkeren Beschwerden kann eine multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein, bei der verschiedene Behandlungsansätze miteinander verbunden werden.
Am Klinikum Dortmund unterstützt die Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin Betroffene dabei, ihre Beschwerden einzuordnen und gemeinsam einen individuellen Behandlungsweg zu entwickeln. Dabei werden die persönlichen Lebensumstände ebenso berücksichtigt wie die Frage, welche Maßnahmen im Alltag tatsächlich umsetzbar sind.
Auch Medikamente können in bestimmten Fällen Teil der Behandlung sein. Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zeigen bei Fibromyalgie häufig nur eine begrenzte Wirkung. Unter bestimmten Voraussetzungen können Medikamente eingesetzt werden, die unter anderem die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Welche Behandlung sinnvoll ist, wird individuell entschieden.
Schmerzen ernst nehmen
Fibromyalgie kann den Alltag erheblich belasten. Auch Depressionen und Angststörungen treten bei Betroffenen häufiger auf. Das macht die Erkrankung jedoch nicht zu einer psychischen Erkrankung. Körperliche und psychische Faktoren können sich bei chronischen Schmerzen vielmehr gegenseitig beeinflussen.
„Ganz wichtig ist mir, dass wir die Menschen mit ihren Beschwerden ernst nehmen und ihnen Verständnis entgegenbringen“, betont Daniela Fischer.
Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann unterstützen. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen und praktische Anregungen für den Umgang mit der Erkrankung zu bekommen.
Mehr über Fibromyalgie im Podcast
Was genau hinter dem Fibromyalgiesyndrom steckt, wie die Diagnose gestellt wird und welche Möglichkeiten die Schmerzmedizin bietet, erklärt Daniela Fischer im Gespräch mit Podcaster Sascha Staat in der neuen Folge von „Medizin am Mikrofon“.