Die Schmerzmedizinerin beleuchtete am Mittwochabend (12.8.) in der Magistrale des Krankenhauses die Frage, warum Schmerzen bleiben können, obwohl zum Beispiel die körperliche Ursache dafür schon verschwunden ist.
Dafür verglich die Oberärztin für Schmerz- und Palliativmedizin am Klinikum Dortmund das schmerzempfindende System des Körpers mit einer Alarmanlage, die uns vor Verletzungen und Entzündungen warnt. Doch dieses System ist lernfähig und kann sich an Schmerz erinnern, obwohl die ursächliche Wunde vielleicht längst verheilt ist. Von chronischen Schmerzen spricht man in der Regel, wenn Schmerzen länger als sechs Monate bestehen.
In diesem Fall treffen zwei Probleme zusammen. Einerseits regelt sich die Alarmanlage des Körpers selbst immer weiter hoch und das Herunterregeln wird gleichzeitig immer schwieriger. „Das heißt, Menschen können immer schmerzempfindlicher werden. Teils können dann schon leichte Berührungen als schmerzhaft empfunden werden“, sagt die Leiterin der Station für Schmerztherapie.
Eigene Erkrankung
„Chronischer Schmerz ist eine eigene Erkrankung, die behandlungsbedürftig ist und die Betroffenen meist sehr belastet“, sagte Prof. Meyer. So würden Betroffene oft nicht ernst genommen. Von Sätzen wie „Die tut doch nur so“ oder „Der simuliert doch nur“ würden ihr Betroffene immer wieder berichten, sagte die Medizinerin. „Aber wir wissen: Jeder Schmerz ist echt. Wenn Sie sagen: Ihnen tut etwas weh, dann ist das auch so“, sagte Prof. Meyer.
„Schmerz ist ein sehr subjektives Empfinden. Wenn ich Ihnen allen mit der gleichen Kraft gegen das Schienbein treten würde, würden Sie das alle unterschiedlich wahrnehmen“, sagte Prof. Meyer mit Blick auf die Besucherinnen und Besucher des mediTALKs.
Individuelle Therapie
Deshalb schauen sich die Expertinnen und Experten des Klinikums jeden Fall individuell an, um Ursachen für den chronischen Schmerz zu identifizieren und entwickeln mit den Betroffenen ein individuelles bio-psycho-soziales Modell der jeweiligen Schmerzerkrankung. In diesem werden neben den körperlichen auch psychologische und soziale Faktoren einbezogen. „Schmerzwahrnehmung ist ein Zusammenspiel aus Körper und Seele“, sagte Prof. Meyer.
Ziel der etwa dreiwöchigen, stationären Schmerztherapie am Klinikum Dortmund ist, die „Alarmanlage wieder in Balance“ zu bringen. Dafür setzt das Team auf die sogenannte interdisziplinäre, multimodale Schmerztherapie. Fachleute aus Medizin, Psycho-, Physio- und Ergotherapie sowie weiteren Bereichen arbeiten gemeinsam daran, den Betroffenen wieder Lebensqualität zurückzugeben. In einem individuellen Behandlungsplan können zum Beispiel medikamentöse Behandlungen und psychologische Verfahren mit Physio- und Musiktherapie kombiniert werden.
„Der Körper hat den Schmerz lange gelernt. Diese Lernvorgänge müssen wir wieder rückgängig machen“, sagt Prof. Meyer. Die Aufnahme auf die Station läuft über die Schmerzambulanz des Klinikums. Informationen dazu gibt es auf www.klinikumdo.de/schmerzmedizin.
Interessierte können den gesamten Vortrag bei YouTube nachschauen und auf Spotify anhören.