Klinikum der Universität Witten / Herdecke
Klinikum der Universität Witten / Herdecke

Schwerpunkt
Angeborene Fehlbildungen

Die Behandlung von Kindern mit angeborenen Fehlbildungen sowie von erkrankten Neu- und Frühgeborenen gehört zu den zentralen Aufgaben der Kinderchirurgie. Die Versorgung erfolgt im Perinatalzentrum Dortmund in enger Zusammenarbeit mit der Frauenklinik (inklusive Pränataldiagnostik), der Neonatologie, der Kinderradiologie und der Kinderanästhesie des Klinikums Dortmund.

 

Neben der operativen und intensivmedizinischen Betreuung bieten wir auch eine strukturierte Nachsorge in speziellen Sprechstunden an. Zudem beraten wir werdende Eltern bereits vor der Geburt in unserer Pränatalsprechstunde.

Häufigste Krankheiten

Bei einer Ösophagusatresie ist die Speiseröhre nicht vollständig verbunden. Typische Zeichen sind Schluckprobleme, Husten, vermehrter Speichelfluss und manchmal Atemnot beim Füttern. Nahrung gelangt nicht in den Magen. Es handelt sich um eine angeborene Fehlbildung, die operativ behandelt wird. Unsere Abteilung verfügt über langjährige Erfahrung und begleitet Eltern und Kinder sicher durch Diagnostik und Therapie.

Bei einer Darmatresie ist ein Abschnitt des Darms verschlossen oder nicht richtig angelegt. Nach der Geburt fallen galliges Erbrechen, ein aufgeblähter Bauch und ausbleibender Stuhlgang auf. Die Nahrung kann nicht weitergeleitet werden. In der Regel ist eine operative Behandlung mit Wiederherstellung der Durchgängigkeit erforderlich. Wo möglich, verzichten wir auf die Anlage eines Anus praeter (künstlicher Darmausgang).

Angeborene anorektale Malformationen bedeuten, dass der Enddarm oder der After nicht richtig angelegt sind. Babys können den Stuhl nicht normal entleeren, manchmal besteht eine Verbindung (Fistel) zu den Harnwegen oder zur Haut. Gelegentlich liegen auch weitere Fehlbildungen an Herz, Nieren oder Wirbelsäule vor. Die Ursache ist meist unklar, teilweise genetisch bedingt. Die Behandlung erfolgt operativ mit dem Ziel einer möglichst guten Kontinenz und Lebensqualität.

Morbus Hirschsprung ist eine angeborene Erkrankung, bei der Nervenzellen im Darm fehlen. Dadurch kann der betroffene Abschnitt den Stuhl nicht weiterleiten, was zu Verstopfung, fehlendem oder verzögertem Mekoniumabgang, aufgeblähtem Bauch und Erbrechen führt. Die Diagnose erfolgt durch spezielle Untersuchungen und Gewebeproben. Die Behandlung ist operativ: Der erkrankte Darmabschnitt wird entfernt, damit das Kind später möglichst normal Stuhl absetzen kann.

Eine Gastroschisis ist ein offener Bauchwanddefekt neben dem Nabel, bei dem der Darm ohne Hautsack frei liegt. Eine Omphalozele ist ein Bruchsack am Nabel, der Darm und oft auch die Leber enthält. Beide sind angeboren, meist bereits vorgeburtlich im Ultraschall erkennbar und benötigen eine rasche chirurgische Versorgung. Die Prognose hängt auch von Begleiterkrankungen ab. Diese klären wir frühzeitig ab und gewährleisten eine fachgerechte, individuelle Therapie und Nachsorge, sodass Ihr Kind adäquat versorgt wird.

Eine NEC verursacht eine Darmwandentzündung und Gewebsuntergang mit Bauchschwellung, Blut im Stuhl, Nahrungsverweigerung und Kreislaufproblemen bis hin zur Blutvergiftung. Die FIP ist eine lokalisierte Lochbildung ohne großflächige Entzündung. Beide treten früh nach der Geburt auf, sind mit Frühgeburt und Flaschennahrung assoziiert und erfordern eine unmittelbare intensivmedizinische und oft chirurgische Behandlung. Aufgrund der Vielzahl an Frühgeborenen in der Abteilung für Neonatologie kennen wir uns gut mit den notwendigen Verfahren aus.

Bei einer angeborenen Zwerchfellhernie (Zwerchfelllücke) fehlt an einer Stelle das Zwerchfell, sodass Magen, Darm oder Leber in die Brusthöhle gelangen. Das drückt auf die Lunge, die sich oft unzureichend entwickelt, und führt zu Atemnot und Kreislaufproblemen. Viele Fälle werden pränatal erkannt; die Versorgung erfordert spezialisierte intensivmedizinische und chirurgische Betreuung. Wir gewährleisten eine fachgerechte, individuelle Therapie und Nachsorge.

Eine Spina bifida entsteht, wenn sich das Neuralrohr im Embryo nicht vollständig schließt. Ausprägungsformen reichen von kleinen, gedeckten Defekten bis zu offenen Rückenmarksdefekten mit Lähmungen. Folgen können Beinmuskelschwäche, Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie ein Hydrocephalus (Wasserkopf) sein. Die Diagnose wird in der Regel vorgeburtlich gestellt. Eine Beratung durch Gynäkologie, Pädiatrie und uns Kinderchirurginnen und -chirurgen leitet die Therapie, ggf. kinder-neurochirurgische Versorgung sowie die Behandlung von Komplikationen und die langfristige Nachsorge ein.

Diagnostik

Die meisten angeborenen Fehlbildungen fallen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge auf. Eventuell hat Ihre Frauenärztin Sie in das Zentrum für Pränatalmedizin (DEGUM III) am Klinikum Dortmund überwiesen. Sofern keine vorgeburtliche operative Behandlungsmöglichkeit besteht, erfolgt eine Beratung in unserer Sprechstunde für angeborene Fehlbildungen sowie die Planung und Aufklärung über die nachgeburtlichen Abläufe.

Therapie

In der Kinderchirurgie werden spezialisierte Verfahren angewendet, die sich von der Erwachsenenchirurgie unterscheiden und besonders schonend auf den kindlichen Körper abgestimmt sind. Die Korrektur angeborener Fehlbildungen ist nicht immer, aber oft in den ersten Lebensstunden einzuleiten. Nach der Geburt in der Klinik für Geburtshilfe übernehmen die Kinderärztinnen und Kinderärzte der Neonatologie die Erstversorgung und den Transport auf die kinderchirurgische Intensiv- oder Normalstation. Eine Begleitung durch die Mutter (je nach Geburtsverlauf) und den Vater, eine Gesprächsführung im Beisein der Eltern sowie die postoperative Unterbringung zusammen mit einem Elternteil gestalten die Umstände so angenehm wie möglich.

In einigen Fällen kann durch eine Operation unmittelbar die Funktionsfähigkeit des fehlgebildeten Organsystems wiederhergestellt werden. Häufiger sind jedoch auch zweizeitige oder mehrere Operationen notwendig, um ein Ergebnis zu erreichen, das die ausgefallene Funktion bestmöglich ersetzt. Wo möglich werden minimalinvasive Chirurgie, endoskopische Verfahren, mikroschirurgische Techniken, gewebeschonende Naht- und Wundversorgung sowie interdisziplinäre Verfahren kombiniert.

Eine engmaschige, qualifizierte Nachsorge ist immer notwendig und wird durch uns selbst durchgeführt. Wo möglich und sinnvoll kann die Weiterbehandlung im niedergelassenen kinderärztlichen Bereich erfolgen. In jedem Fall aber fühlen wir uns für die von uns behandelten Kinder verantwortlich und bleiben für Eltern sowie Patientinnen und Patienten beim Heranwachsen erreichbar.

Wir sind gern für Sie da.

In unserer Klinik stehen erkrankte Kinder im Mittelpunkt. Wir begleiten Ihre Kinder und Sie als Eltern mit medizinischer Expertise, moderner Diagnostik und einer Behandlung, die sich an ihren individuellen Bedürfnissen orientiert. Dabei haben wir ein Ohr für Ihre Fragen, Ihre Sorgen und alles, was Ihnen wichtig ist.

Unser interdisziplinäres Team arbeitet Hand in Hand, um Ihnen und Ihren Kindern eine bestmögliche Versorgung zu bieten – kompetent, verlässlich und mit einem hohen Anspruch an Qualität und Sicherheit. Vom ersten Gespräch bis zur Nachsorge sind wir an Ihrer Seite und unterstützen Sie Schritt für Schritt.

Sekretariat
Martina Zachwieja

Pränatal-Beratung bei angeborenen Fehlbildungen

Dr. med. Andreas Leutner
Sprechstunde: Mi 13:00 – 15:00 Uhr und Do 14:00 – 16:00 Uhr

Nachsorge bei angeborenen Fehlbildungen

  • Ezhilarasi Ambur Maniarasan
  • Christian Vierling
  • Dr. med. Andreas Leutner
  • Dr. med. Roxana Rassouli-Kirchmeier (Radboudumc university medical center, Nijmegen, the Netherlands)

Sprechstunde: Di 13:00 – 16:00 Uhr
Terminvereinbarung: +49 231 953 21657

Spina bifida / Hydrocephalus

  • Dr. med. Christian Clemen
  • Ulrike Mause (Leitung Neuropädiatrie)
  • Dr. med. Katrin Rosery (Kinderorthopädie)

Sprechstunde: Do 14:00 – 16:00 Uhr
Terminvereinbarung: +49 231 953 21638 (Mo-Fr 09:00 – 12:00 Uhr)

Weitere Schwerpunkte