„Die Behandlung von Patientinnen und Patientin ist deutlich individueller geworden“, sagt Dott. mag. Rosa Bianca Bianchini. Seit Beginn des Jahres leitet sie das Westfälische Brustzentrum am Klinikum Dortmund, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert.
In dieser Zeit hat das Zentrum nicht nur medizinischen, sondern auch einen gesellschaftlichen Wandel durchlaufen. Bei der Operationsplanung werden längst nicht mehr nur die onkologischen Aspekte thematisiert, sondern auch die ästhetische Rolle der Brust und ihre Rolle im Sexualleben. „Nach einer ausführlichen Beratung kommt es zu einer individualisierten Lösung“, sagt die neue Leiterin des Brustzentrums. „Unsere Aufgabe ist es, alle Optionen verständlich zu machen und gemeinsam abzuwägen.“ Dazu gehört auch, ob sich Frauen ihm Rahmen einer Operation eine Rekonstruktion wünschen oder sich dagegen entscheiden.
Zertifizierungen durch Ärztekammer und DKG
Das Westfälische Brustzentrum behandelt nicht nur Brustkrebs. Auch gutartige Erkrankungen der Brust sowie rekonstruktive Eingriffe gehören zum Spektrum. Brustkrebs bleibt jedoch der mit Abstand häufigste Behandlungsanlass – und betrifft in seltenen Fällen auch Männer.
Ein zentraler Qualitätsanker sind die Zertifizierungen der Brustzentrums durch die Ärztekammer und Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), ein Alleinstellungsmerkmal in Dortmund. Sie stellen sicher, dass Diagnostik und Therapie nach klar definierten, regelmäßig überprüften Kriterien erfolgen. Für Patientinnen bedeutet das vor allem Verlässlichkeit in einer Situation, die von Unsicherheit geprägt ist.
„Wir wissen, wie belastend eine Krebsdiagnose sein kann und möchten die Wege für unsere Patientinnen deshalb so kurz wie möglich halten“, sagt Bianchini. Das Brustzentrum kooperiert bei wiederherstellenden Eingriffen mit spezialisierten Krankenhäusern im Umkreis. Durch die neu gegründete Sektion für plastische und rekonstruktive Chirurgie an Standort Nord können viele ästhetische Eingriffe und Wiederaufbauverfahren seit dem vergangenen Jahr auch direkt am Klinikum erfolgen.
Entscheidungen werden im Team getroffen
Gemeinsam mit Dr. Barbara Kipp, Direktorin der Frauenklinik, treibt Bianchini die Weiterentwicklung des Brustzentrums voran. Wichtiger Bestandteil ist der Ausbau des Versorgungsangebots.
Dr. Kipp sieht in dieser interdisziplinären Expertise einen großen Vorteil der Versorgung am Klinikum Dortmund. „Wir treffen Entscheidungen nicht allein, sondern immer gemeinsam im Team“, sagt die Klinikdirektorin. „Nur so können wir für jede Patientin die bestmögliche Therapie festlegen.“ Wichtiger Bestandteil dieser Zusammenarbeit sind die Tumorkonferenzen. Dort wird jeder Fall besprochen, bevor der konkrete Behandlungsplan festgelegt wird.
Dass dieses Vorgehen Vertrauen schafft, zeigt sich auch in den Behandlungszahlen: Wurden vor einigen Jahren noch rund 70 bis 80 Brustkrebs-Neuerkrankungen pro Jahr behandelt, sind es heute etwa 200 Patientinnen. Trotz dieser Entwicklung bleibt der Anspruch derselbe: persönliche Begleitung und direkte Ansprechpartnerinnen und -partner.
Chemo- und Strahlentherapien heute besser verträglich
„Es geht auch darum, persönliche Sorgen und Fragen aufzufangen“, sagt Bianchini. Breast Care Nurses, Psychoonkologinnen und ein Sozialdienst begleiten die Frauen bei und nach einer Krebsbehandlung. Für Betroffene ist eine Diagnose nach wie vor mit vielen Unsicherheiten verbunden, obwohl Eingriffe gezielter und Therapien oft schonender geworden sind.
„Früher hat man standardmäßig die komplette Brust und viele Lymphknoten entfernt“, erklärt Bianchini. Heute könne man teilweise sogar darauf verzichten, den sogenannten Wächterlymphknoten zu entfernen, der dem Tumor am nächsten liegt.
Auch Chemo- und Strahlentherapien sind häufig kürzer und besser verträglich geworden, bei gleichbleibender Sicherheit. Therapien orientieren sich stärker an Tumorbiologie, Alter und Lebenssituation der Patientinnen. „Die Behandlung ist heute so personalisiert wie möglich“, sagt Bianchini. Und genau daran will das Brustzentrum auch in Zukunft weiterarbeiten – mit dem Ziel, jede Behandlung noch passender, schonender und sicherer zu gestalten.