Diagnostik
Strukturelle Herzerkrankungen umfassen angeborene oder erworbene Veränderungen im Aufbau des Herzens, die zu erheblichen Funktionsstörungen führen können. Ein klassisches Beispiel ist ein Vorhofseptumdefekt (ASD), eine offene Verbindung zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens, die bereits bei der Geburt besteht. Durch diese Öffnung mischt sich sauerstoffreiches mit sauerstoffarmem Blut, was zu einer dauerhaften Belastung des Herzens und der Lunge führt. Kleine Defekte bleiben lange symptomlos, größere können jedoch Atemnot bei Belastung, Herzrhythmusstörungen, unregelmäßigen Puls, chronische Atemwegsinfekte oder sogar Veränderungen der Lungengefäße bewirken. In der Diagnostik werden meist zunächst bildgebende Verfahren wie Echokardiographie (Herzultraschall), EKG, Langzeit-EKG und ggf. Herzkatheteruntersuchungen eingesetzt, um die Größe des Defekts, seine Lage und seine funktionelle Bedeutung für die Hämodynamik zu bestimmen. Nur mit klarer Abklärung dieser Parameter lässt sich entscheiden, ob und in welchem Umfang eine strukturelle Dekompression des Defekts erfolgen sollte.
Auch ein offenes Foramen ovale (PFO) zählt zu strukturellen Auffälligkeiten: Ein kleines Überbleibsel aus der embryonalen Entwicklung, das bei vielen Menschen ohne Beschwerden bleibt, aber bei Patientinnen und Patienten nach Schlaganfall oder vorübergehender Durchblutungsstörung als möglicher Risikofaktor gilt. Hier bedarf es sorgfältiger Diagnostik, um zu prüfen, ob andere Ursachen des Schlaganfalls ausgeschlossen sind und das PFO für die Symptomatik relevant ist. Ebenfalls strukturelle Veränderungen sind Klappenerkrankungen wie die Aortenklappenstenose, bei der die Aortenklappe durch Kalkablagerungen verengt ist und den Blutfluss behindert, sowie die Mitralklappenstenose oder -insuffizienz, bei denen die Mitralklappe verengt oder undicht ist. Die Echokardiographie und weitere bildgebende Verfahren sind hier zentral, um Wandbewegungen, Klappenöffnungen, Druckbelastungen und Volumenverhältnisse präzise zu bestimmen.
Die Diagnostik berücksichtigt immer die klinischen Symptome wie Atemnot, Leistungsminderung, Ohnmacht oder Herzrhythmusstörungen, ergänzt durch spezialisierte Messungen und bildgebende Verfahren, damit eine gezielte Therapieentscheidung möglich wird. Je nach Befund und Schweregrad werden auch invasive Messverfahren wie Herzkatheteruntersuchungen zur genauen Charakterisierung genutzt, bevor eine therapeutische Intervention geplant wird.
Therapie / Intervention
Die Therapie struktureller Herzerkrankungen richtet sich nach Art und Schwere der anatomischen Veränderung sowie nach dem klinischen Zustand der Patientinnen und Patienten. Beim Vorhofseptumdefekt war lange Zeit die Standardbehandlung eine offene Herzoperation, bei der der Brustkorb eröffnet und die Defektstelle am offenen Herzen verschlossen wird. Diese chirurgische Methode ist seit Jahrzehnten etabliert, birgt aber die typischen Risiken größerer Operationen mit längerer Erholungszeit.
Parallel wurden katheterbasierte, nicht-operative Verfahren entwickelt, die heutzutage bevorzugt zur Anwendung kommen, wenn anatomische Voraussetzungen und Patientenkriterien günstig sind. Beim ASD-Verschluss wird ein kleines Doppelschirm-System (z. B. Amplatzer) über einen Katheter in die Vene der Leiste eingeführt und unter Röntgendurchleuchtung sowie Ultraschallkontrolle in die Vorhofscheidewand implantiert. Dort entfaltet es sich und verschließt den Defekt, der im Verlauf von Wochen durch körpereigenes Gewebe umwachsen und stabil in die Vorhofscheidewand integriert wird. Diese minimal-invasive Methode reduziert das operative Risiko, verkürzt den Krankenhausaufenthalt und führt in vielen Fällen zu einer schnellen Erholung.
Beim offenen Foramen ovale kann ebenfalls ein Verschluss über einen Katheter erfolgen, wobei verschiedene Verschlusssysteme zur Verfügung stehen. Insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit wiederholten Schlaganfällen und PFO als relevantem Risikofaktor wird eine individuelle Abwägung zwischen medikamentöser Behandlung, operativem Verschluss und nicht-operativem katheterbasiertem Verschluss getroffen.
Strukturelle Herzerkrankungen in Form von Herzklappenfehlern werden ebenfalls zunehmend minimal-invasiv behandelt. Bei einer schweren Aortenklappenstenose, die unbehandelt zu Herzinsuffizienz und verkürzter Lebenserwartung führt, kann die verengte Klappe entweder chirurgisch ersetzt oder im Rahmen einer transkatheterbasierten Aortenklappenimplantation (TAVI) erneuert werden. Letzteres ist besonders für Patientinnen und Patienten geeignet, bei denen ein offener chirurgischer Eingriff ein erhöhtes Risiko darstellt. Die TAVI-Methode ermöglicht es, die neue Klappe ohne Öffnung des Brustkorbs einzusetzen, über die Leistenarterie oder einen kleinen Schnitt unter dem Herzen. Sie bietet kürzere Erholungszeiten und vergleichbare funktionelle Ergebnisse bezüglich Lebensqualität und Klappenfunktion.
Bei Mitralklappenverengungen kann alternativ zur Operation eine Ballonklappensprengung durchgeführt werden, bei der ein Ballonkatheter die verengte Mitralklappe aufdehnt. Bei Mitralklappeninsuffizienz kommt zunehmend der MitraClip®-Eingriff zum Einsatz, ein kathetergestütztes Verfahren zur Rekonstruktion der Klappe ohne offene Operation, besonders geeignet für Patienten mit hohem OP-Risiko. Dabei wird ein Clip unter Ultraschallkontrolle in die Klappenstruktur eingebracht, um eine bessere Dichtigkeit zu erreichen und Symptome wie Luftnot zu lindern.
Für jede strukturelle Herzerkrankung gilt: Die Versorgung wird interdisziplinär geplant, häufig im Herzteam aus Kardiologie und Herzchirurgie, individuell angepasst an Alter, Begleiterkrankungen und persönliche Risikofaktoren. Ziel ist es, funktionelle Einschränkungen zu beheben, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen wie Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder vorzeitigen Tod zu vermeiden.
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