Einer der Mediziner, die über diesen Weg ins Klinikum gekommen sind, ist Dr. Serhii Davidenko. Der 31-Jährige arbeitet im Viktor-Pavlusenko-Krankenhaus No.2 in Schytomyr.
Das Hauptinteresse des ukrainischen Arztes gilt seinem Fachgebiet, der Inneren Medizin und klinischen Onkologie, in dem das Klinikum Dortmund mit dem Westfälischen Krebszentrum über besondere Erfahrung und Expertise verfügt. „Mir geht es darum, meinen Horizont zu erweitern. Ich lerne in diesem Monat viel, was ich mit zurück in die Ukraine nehmen werde“, sagt er zum Abschluss seiner Hospitation in Dortmund.
Die Ärztinnen und Ärzte aus der Ukraine nehmen an den Visiten und Fallkonferenzen teil, begleiten Operationen und hospitieren in den Ambulanzen. Dabei bekommen sie neben der Inneren Medizin auch Einblicke in die Chirurgie und Gynäkologie, aber auch in die Unfallchirurgie und plastische Chirurgie. Denn neben schweren Kriegsverletzungen hat das medizinische Personal in der Ukraine auch weiterhin mit Erkrankungen zu tun, die nicht auf Kampfhandlungen zurückzuführen sind.
Austausch mit Partnern vor Ort
„Im Fokus des Austausches steht die onkologische Fachexpertise für die Kolleginnen und Kollegen. Vor allem die onkologische Versorgung von Frauen ist ein brennendes Thema in der Ukraine“, sagt Prof. Dr. Oliver Müller. Er ist Direktor der Klinik für Neurochirurgie und stellvertretender ärztlicher Direktor am Klinikum Dortmund.
Im Juni ist Prof. Müller bereits das dritte Mal als Teil einer Delegation nach Schytomyr gereist. Von der Leistung der ukrainischen Kolleginnen und Kollegen zeigt er sich nicht nur angesichts des Krieges beeindruckt: „Die medizinische Versorgung in der Ukraine findet auf höchstem Niveau statt und kann sich im internationalen Vergleich absolut sehen lassen.“
Weiterer fachlicher und personeller Austausch geplant
Neben Ärztinnen und Ärzten aus Schytomyr sind auch weitere Besuche von Medizinerinnen und Medizinern aus den Städten Chernivtsi und Kryvyi Rih geplant. In Friedenszeiten sollen auch deutsche Ärztinnen und Ärzte für Hospitationen in die Ukraine reisen. Aufgrund des anhaltenden Krieges findet der personelle Austausch derzeit einseitig von der Ukraine nach Dortmund statt. Fachlich hingegen läuft er längst in beide Richtungen. „Insbesondere im Hinblick auf die erforderliche Resilienzbildung unserer Krankenhäuser und auch des Klinikums Dortmund können wir viel von den Ukrainern lernen“, sagt Prof. Müller. „Das ist neben der Vertiefung der bereits bestehenden Kontakte eine wesentliche Motivation für meine Reisen in die Ukraine.“
Finanziert werden die Hospitationen wie die von Dr. Serhii Davidenko durch die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Hospital Partners. „Ich bin dankbar für diese Möglichkeit“, sagt der ukrainische Arzt. Aus seinem Monat in Dortmund nehme er viel mit. „Das gesamte Team hat mich toll unterstützt. Ich bin sehr glücklich, über die Erfahrungen, die ich im Klinikum Dortmund und in Deutschland sammeln durfte. Wir teilen dieselben Werte.“