Nachdem es über Jahrzehnte kaum Entwicklung gab, konnte die Prognose der betroffenen Patientinnen und Patienten bei vielen urologischen Tumorarten über die vergangenen Jahre deutlich verbessert werden. „Über alle Stadien hat Hodenkrebs mittlerweile eine Heilungschance von 98 Prozent. Das ist eine unglaubliche Erfolgsstory in der urologischen Onkologie“, nannte Prof. Dr. Michael Truß ein Beispiel.
Der Klinikdirektor der Urologie machte beim gut besuchten mediTALK aber auch die Einschränkung: „Nicht in allen Fällen ist eine Heilung möglich. Dann geht es darum, eine akute Erkrankung zu chronifizieren und so die Lebenserwartung und Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu erhöhen.“ Dort seien durch neue Kombinationstherapien bei der Behandlung von Prostatakrebs und die Entwicklung neuer Präparate deutliche Fortschritte gemacht worden.
Enorme Fortschritte in Diagnostik und Therapie
Insgesamt seien die Entwicklungen auf allen Ebenen und in allen Stadien der Tumorbekämpfung enorm, sagte der Urologe – sowohl bei der Diagnostik, die durch PET/CT deutlich genauer geworden ist, als auch bei der Behandlung bösartiger Tumoren. Bestrahlungen können mittlerweile deutlich gezielter am Tumor eingesetzt werden. Auch Chemotherapien lassen sich durch neue Wirkstoffe und Behandlungskonzepte gezielter einsetzen.
Auch operative Verfahren haben sich weiterentwickelt. Roboterassistierte Systeme ermöglichen minimalinvasive Operationen, bei denen Tumoren präzise entfernt werden können. Zudem werden Krebserkrankungen viel ganzheitlicher betrachtet und individualisiert behandelt. Am Klinikum werden die Behandlungsmöglichkeiten in interdisziplinären Fallkonferenzen gemeinsam besprochen und die Therapie für die Betroffenen abgestimmt.
Weitere Fortschritte in Aussicht
Hoffnung machen zudem aktuelle Studien zu personalisierten mRNA-Impfstoffen gegen schwarzen Hautkrebs. „Das ist auch für andere Tumorarten nicht weniger als revolutionär“, sagte Prof. Truß. Er ist sich sicher: Die nächsten Jahre werden noch weiteren medizinischen Fortschritt bringen, wichtig sei aber auch, was jeder Einzeln tue. „Gehen Sie zur Vorsorge“, riet der Experte.
Betroffene finden Hilfe unter anderem in der Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Dortmund (www.prostata-dortmund-shg.de) sowie der Blasenkrebs Selbsthilfegruppe Dortmund (www.shg-blasenkrebs-do.de).
In Kürze können Interessierte den Vortrag auf Spotify nachhören und auf YouTube anschauen.